Wer Karriere in Brüssel machen will, lernt Deutsch

Von 30. Juni 2020 Aktualisiert: 30. Juni 2020 12:24
Laut dem Brüsseler Politikblatt „Politico“ ist die Sprache von Goethe und Schiller auf dem Vormarsch. Weltweit lernen über 15 Millionen Menschen Deutsch, in Brüssel schleichen sich Begriffe wie „Spitzenkandidat“ in die politischen Gedanken Europas ein. Ob Deutsch eine Chance als Amtssprache hat, bleibt abzuwarten.

Im politischen Brüssel ist die deutsche Sprache auf dem Vormarsch, berichtet „Politico“. Es könnte etwas damit zu tun haben, dass Deutschland im Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Doch eine Analyse zeigt, dass dieser Trend seit längerem umgeht.

Obwohl nur 8 Prozent der 33.000 Mitarbeiter der EU-Kommission die deutsche oder österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, steigt der Anteil der Deutschsprachigen in dem Maße, wie man in der Hierarchie aufsteigt.

Wer Karriere in Brüssel machen will, lernt Deutsch

Einige Spitzenpositionen sind mit deutschsprachigen Politikern besetzt, wie zum Beispiel Ursula von der Leyen als Präsidentin der Europäischen Kommission. Der Exekutiv-Vizepräsident der Kommission, Frans Timmermans (Niederlande), spricht Deutsch ebenso fließend wie der spanische Botschafter bei der EU, Juan Pablo García-Berdoy.

Das Goethe-Institut hat gegenüber „Politico“ verlauten lassen, dass zwischen 2012 und 2019 die Nachfrage „nach seinem kostenlosen Sprachunterrichtsservice für Diplomaten und Journalisten in Brüssel“ um das Fünffache zunahm.

Weltweit lernen 15,4 Millionen Menschen Deutsch, so das Ergebnis eines Fünfjahresrückblicks, den die deutsche Regierung diesen Monat veröffentlicht hat.

„Die Leute sagen uns, dass deutsche Sprachkenntnisse ihnen bei ihrer Arbeit und bei ihrer Karriere in den Brüsseler Kreisen helfen“, sagte ein Sprecher der Ständigen Vertretung Deutschlands gegenüber „Politico“.

Viele Diplomaten aus den östlichen EU-Staaten sprechend fließend Deutsch

Auch die Osterweiterung der Union hat dazu beigetragen, dass die deutsche Sprache sich in Brüssel verbreitet. Viele neue Mitgliedsstaaten bevorzugen Deutsch, ihre Diplomaten sprechen die Sprache fließend. Das mag auch an den deutschen Investitionen in den jeweiligen Ländern liegen.

Ob Deutsch die vorherrschenden Amtssprachen Englisch und Französisch ablösen wird, bleibt abzuwarten. Zwischen den beiden Sprachen herrscht schon ohnehin Konkurrenz, „es ist unwahrscheinlich, dass ihre Verfechter einen weiteren Herausforderer im Duopol willkommen heißen werden“, so die Analyse von „Politico“.

„Sie können von jedem, der in Brüssel arbeitet, erwarten, dass er fließend Englisch und Französisch spricht“, sagte David McAllister gegenüber „Politico“. McAllister hat den Vorsitz im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments und ist ein zweisprachiger deutscher konservativer Europaabgeordneter. Aber, so fügte er hinzu, „es wird schwierig, wenn man sagt: ‚Ich würde gerne Deutsch sprechen‘“.

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