Wulff verteidigt Islam-Rede – Macron will „Ghettobildung“ den Kampf ansagen

Von 6. Oktober 2020 Aktualisiert: 8. Oktober 2020 14:12
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will einen „aufgeklärten Islam“ erzwingen. So will er der „Separation“ in Teilen der muslimischen Community gegensteuern. Unterdessen äußerte sich Deutschlands Ex-Bundespräsident Christian Wulff zu seiner Rede zum 3. Oktober 2010, in der er erklärt hatte, dass „mittlerweile auch der Islam zu Deutschland gehört“.

Eine Rede, die „das Zeug hat für die Geschichtsbücher“, attestiert „Focus“-Kolumnist Ulrich Reitz dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Dieser hatte jüngst angekündigt, den französischen Muslimen einem „aufgeklärten Islam“ verordnen zu wollen, um so der „Separation“ entgegenzuwirken.

Aus internationalen muslimischen Gemeinschaften kommt Kritik. Unterdessen hat der frühere deutsche Bundespräsident Christian Wulff seine vor zehn Jahren gehaltene Rede zum Tag der deutschen Einheit verteidigt. In dieser hatte er erklärt, dass „mittlerweile auch der Islam zu Deutschland gehört“.

Macron will „Ghettobildung“ den Kampf ansagen

Am Freitag der Vorwoche (2.10.) hatte Macron in einer Grundsatzrede im Pariser Vorort Les Mureaux „islamistische Abspaltungstendenzen“ und die „Ghettobildung“ angeprangert. Diese träten in immer mehr Kommunen auf, in denen Einwanderung aus islamischen Ländern eine große Rolle spielt.

Die Rede stand offenbar nicht nur im Zusammenhang mit der Messerattacke eines Pakistaners auf Journalisten in der Nähe der Redaktion des Magazins „Charlie Hebdo“, die sich Ende September ereignet hatte.

Macron wollte zudem dem sogenannten „Communautarisme“ entgegentreten, der, wie das „Journal du Dimanche“ bereits im Februar unter Berufung auf Nachrichtendienste berichtet hatte, bis zu 150 sogenannte „Mikroterritorien“ präge.

In diesen würden radikale Prediger und deren Anhänger das öffentliche Leben kontrollieren. Die Territorien, so hieß es, seien von der Hegemonie einer religiös dominierten Gemeinschaft gekennzeichnet, die nur ihre Gruppeninteressen im Auge habe und die sich vom Rest der Gesellschaft abgrenze.

Islam „überall auf der Welt in einer Krise“?

Der französische Präsident will auf die Grenzen, auf die der Staat in diesen Gemeinden stößt, mit noch mehr Staat reagieren. So soll künftig per Gesetz vorgeschrieben werden, dass Schwimmbäder keine speziellen Schwimmzeiten und Schulen keine speziellen Menüs mehr anbieten dürfen. Macron will – ungeachtet der Erfahrungen der Zeit des Corona-Lockdowns – dem Hausunterricht den Kampf ansagen. Arabisch soll von französischen Lehrern gelehrt werden, Islamgelehrte in Frankreich ausgebildet und es sollen keine islamischen Gemeinden mehr aus dem Ausland finanziert werden.

Der Islam sei, so Macron weiter, eine „Religion, die überall auf der Welt in einer Krise ist“, was auf eine „Zunahme fundamentalistischer Positionen bei den Muslimen“ zurückzuführen sei – eine Einschätzung, der Experten wie der Islamwissenschaftler Gilles Kepel widersprechen.

Der Generalsekretär der „Internationalen Union für muslimische Gelehrte“ (IUMS), Ali al-Qaradaghi, kritisierte diese Aussage scharf. Wie „TRT Deutsch“ berichtet, warf al-Qaradaghi dem französischen Präsidenten vor, dieser lebe „immer noch im Geisteszustand der mittelalterlichen Religionskriege“ und er sei es selbst, der sich in einer „moralischen und politischen Krise“ befinde. Der Gelehrte spielte damit offenbar auf das durchwachsene Ergebnis der Macron-Bewegung „En Marche“ bei den jüngsten Kommunalwahlen an.

IUMS-Generalsekretär kritisiert Gesellschaften, die sich „zwanghaft Feinde schaffen“

Der Islam sei, so al-Qaradaghi, „nie auf die Unterstützung einer Behörde angewiesen“ gewesen. Zu fürchten sei nicht die Religion, sondern „Gesellschaften, die die Religionen […] anderer Menschen zu legitimen Zielen machen“ und „sich zwanghaft Feinde schaffen“.

Während Macron ankündigt, mittels staatlicher Einflussnahme einen „aufgeklärten Islam“ in Frankreich etablieren zu wollen, hat Deutschlands Ex-Bundespräsident Christian Wulff anlässlich des zehnten Jahrestages seiner bekannten Rede zum Tag der deutschen Einheit seine Aussage über den Islam in Deutschland verteidigt.

Damals hatte er erklärt: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“

Wulff: Islam-Aussage „nötiger denn je“

Diese Aussage, die er damals auch als bewusste Reaktion auf das etwa 1,5 Millionen Mal verkaufte Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Ex-Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin gesetzt hatte, sei heute „notwendiger denn je“, betonte Wulff im „Migazin“.

Die Menschenwürde eines jeden und Religionsfreiheit, auch die Religionsausübung, seien im Grundgesetz garantiert, so Wulff. Deutschland sei multi-ethnisch, multi-religiös und multi-kulturell:

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Da ist es doch unbestreitbar, dass Moscheen inzwischen zu unserem Alltagsbild gehören und Rücksicht auf religiöse Belange von Muslimen genommen werden sollte.“

„Gastarbeiter“ gekommen, um zu bleiben

In Deutschland habe man sich zudem, was die Einwanderung anbelangt, zu lange „in die Tasche gelogen“. Man habe nicht wahrhaben wollen, dass die meisten der „Gastarbeiter“, die in den 1960er und 1970er Jahren in Deutschland eingetroffen waren, gekommen seien, um zu bleiben.

Allerdings übte auch Wulff Kritik an der ausländischen Finanzierung von religiösem Gemeindeleben und der Abhängigkeit vieler Moscheen vom türkischen Staat. Deshalb trete auch er, so Wulff gegenüber „The Pioneer“, für die Ausbildung islamischer Geistlicher und Gelehrter an deutschen Hochschulen ein.