Gesucht und nicht gefunden – Ingenieurmangel in Deutschland

Von 9. Juni 2006 Aktualisiert: 9. Juni 2006 15:15

Bonn/Hamburg – Auf den ersten Blick passen diese Nachrichten nicht zusammen: Deutschland hat rund 4,5 Millionen Arbeitslose und trotzdem ist es in einigen Sparten schwer, offene Stellen zu besetzen. Nach Angaben des Vereins deutscher Ingenieure (VDI) sind zurzeit 18.000 Ingenieurstellen frei. Jüngst machte der Fall des Flugzeugbauers Airbus Schlagzeilen. Da das Geschäft brummt, will Airbus noch in diesem Jahr 1.250 neue Mitarbeiter einstellen, 850 davon in Hamburg. Die Hälfte davon habe er schon gefunden, rund 600 Mitarbeiter suche er noch, ließ der Deutschland-Chef von Airbus, Gerhard Puttfarcken, verlauten. Puttfarcken beklagte die mangelnde Flexibilität deutscher Ingenieure, die oft noch nicht einmal bereit seien, von Süd- nach Norddeutschland umzuziehen. Um einen drohenden Engpass zu überwinden, werde man auch im Ausland nach geeigneten Kandidaten auf die Suche gehen.

Die Äußerungen des Airbus-Chefs fielen auf ein zwiespältiges Echo beim VDI. Sie zeigten, dass Ingenieure am Arbeitsmarkt stark gefragt seien, sagte VDI-Direktor Willi Fuchs. Allerdings dürfe die „Schuld“ an daran, dass so viele offene Stellen nicht besetzt werden könnten, nicht allein bei dieser Berufsgruppe abgeladen werden. „Zu wenig junge Menschen beginnen heute ein Ingenieurstudium“, so Fuchs. „Um international konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir mehr junge Menschen als bisher für den Ingenieurberuf begeistern“. Geschehe das nicht, setze Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel. Die Zahl der offenen Stellen sei allein in den vergangenen zwölf Monaten um 30 Prozent gestiegen.

„Gegenseitige Schuldzuweisungen führen zu nichts“, meint Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash. Er gewinnt Puttfarckens „Hilferuf“ aber etwas Positives ab: „Über die Situation bei Airbus ist in den Medien stark berichtet worden. Vielleicht lenkt dies wieder den Blick darauf, dass das Interesse der Schülerinnen und Schüler an naturwissenschaftlichen Fächern immer stärker zurückgeht. Hier ist der eigentliche Grund für den Nachwuchsmangel bei technischen Fächern zu sehen. Oft begegnen gerade auch die Pädagogen, die junge Menschen für neue Technologien begeistern sollten, den Bio-, Gen- und Informationstechnologien sowie den technischen angelegten Studiengängen und Berufen mit Ablehnung, kulturkritischer Skepsis oder Spott. Wenn Deutschland zu wenig Schüler hat, die Mathematik, Physik oder Chemie als Leistungskurs oder Abiturfach haben, dann muss man sich über zu wenig Ingenieure gar nicht erst beklagen.“

Doch auch die Wirtschaft ist nicht ganz unschuldig an der gegenwärtigen Misere. Jahrelang haben Konzerne wie Daimler-Chrysler, Siemens oder Bayer ihre Forschungsausgaben zurückgefahren. Zurzeit haben sie gerade einmal das Niveau der späten achtziger Jahre erreicht, schreibt Spiegel Online.

Quelle:www.NeueNachricht.de



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