Gift in Kinderblut entdeckt

Von 26. Oktober 2005 Aktualisiert: 26. Oktober 2005 22:28

Dass Oma mehr giftige Substanzen im Körper hat ist zu erwarten. Dass aber die Enkel mehr Gift im Blut haben als ihre Mütter, das ist erschreckend. Die Experten der Umweltschutz-Organisation WWF entdeckten aber auch, dass die Belastung der Jüngsten wieder zunimmt. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass wir unweigerlich Opfer eines unkontrollierbaren weltweiten Experiments sind. Es ist besonders schockierend, dass täglich verwendete giftige Chemikalien das Blut unserer Kinder verunreinigen“, sagte WWF-Vertreter Karl Wagner. Er schloss nicht aus, dass die Krebsgefahr für künftige Generationen steigt und forderte ein stärkeres Problembewusstsein von Industrie und Politik.

Der WWF weist in der in Brüssel veröffentlichten Studie „Generation X“ im Blut von 13 europäischen Familien 73 bedenkliche Industriechemikalien nach. An der in Familien aus zwölf Ländern durchgeführten Untersuchung nahmen jeweils Großmutter, Mutter und ein Kind teil. Das Blut wurde jeweils auf 107 langlebige, sich anreichernde und/oder hormonell wirksame Industriechemikalien getestet. Während sich 63 Chemikalien bei den Großmüttern fanden, waren es bei den Müttern 49 und die teilnehmenden Kinder hatten 59 Schadstoffe im Blut. Aber  bei der jüngsten Generation wurden einige der Chemikalien in den höchsten Konzentrationen nachgewiesen. Zu den getesteten Gefahrenstoffen zählen Flammschutzmittel aus Elektrogeräten, Perfluor-Chemikalien etwa aus Textilien, synthetischer Moschus aus Shampoo oder Waschmitteln. Die höchste Konzentration an Bisphenol A, das oft in Kunststoffen benutzt wird, wies ein Kind auf – laut Labortests kann es schon in winzigen Mengen dem Hormonsystem schaden.

Die WWF-Studie zeigt, dass jedes Familienmitglied mit einem Cocktail aus mindestens 18 Schadstoffen belastet ist. Neuere Chemikalien, die in Computern, Textilien, Kosmetika oder Elektrogeräten enthalten sind, wurden häufiger und in höheren Konzentrationen bei den Kindern gefunden. Dazu zählen bromierte Flammschutzmittel, so genannte „Anti-Haft-Stoffe“ oder synthetische Moschusverbindungen. Die Großmütter waren dagegen zumeist stärker mit älteren und bereits verbotenen Chemikalien wie DDT oder PCB belastet. „Es ist ein erschreckendes Ergebnis: Das Blut unserer Kinder ist mit Chemikalien belastet, über deren Wirkung wir kaum etwas wissen“, sagte WWF-Expertin Dr. Ninja Reineke. „Viele der Schadstoffe stecken in Alltagsprodukten.“

Aus Deutschland beteiligte sich Familie Münster aus Speyer am Test. Bei der Großmutter der Familie, Elfriede Hemminger, fanden sich etwas weniger Industriechemikalien als bei den anderen Vertreterinnen der älteren Generation. Bei Mutter Doris und Tochter Caroline Münster wurden hingegen mehr Schadstoffe nachgewiesen als bei den anderen Teilnehmern ihrer Generation. „Kein Mensch möchte mit einem Giftcocktail im Blut leben. Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Politik und Industrie aufrütteln“, so die 45-jährige Doris Münster. In der kommenden Woche werden die Münsters gemeinsam mit den anderen Familien aus Europa nach Brüssel reisen, um den EU-Parlamentariern persönlich ihre Bedenken vorzutragen. Die erste Lesung der Chemikalienrichtlinie REACH findet im November statt.

Die neue WWF-Studie bestätigt die Ergebnisse früherer Bluttests bei EU-Ministern, EU-Parlamentariern, Wissenschaftlern und Prominenten: Viele der nachgewiesenen Chemikalien sind langlebig und reichern sich über die Jahrzehnte im menschlichen Körper an. „REACH muss sicherstellen, dass von den Herstellern ausreichend Informationen vorgelegt werden, um insbesondere die Langzeitauswirkungen der Chemikalien beurteilen zu können. Und das geplante Zulassungsverfahren muss einen starken Anreiz setzen, gefährliche Chemikalien durch ungefährliche Alternativen zu ersetzen“, forderte WWF-Expertin Reineke.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion