Archäologen bergen tausend Jahre alten Silberschatz aus Blauzahn-Ära auf Rügen

Epoch Times16. April 2018 Aktualisiert: 17. April 2018 13:26
Archäologen haben auf der Ostseeinsel Rügen einen Schatz aus der Zeit des Dänenkönigs Harald Blauzahn gehoben. Die Münzen und der Schmuck aus Silber wurden zwischen 980 und 990 in der Nähe eines Hügelgrabs aus der Bronzezeit vergraben.

Hobbyarchäologe René Schön und Schüler Luca Malaschnitschenko entdeckten mit ihren Metalldetektoren im Januar die ersten Funde. Zuerst dachte der 13-jährige Junge, dass er nur ein bedeutungsloses Stück Aluminium gefunden habe.

Als René Schön sich den Fund genauer ansah, erkannte er jedoch dessen Wert. „Das war der Fund meines Lebens“, sagt Schön. Um das Feld, auf dem die beiden die ersten Münzen gefunden hatten, genauer absuchen zu können, mussten die Archäologen aber auf besseres Wetter warten.

Die Bauern verteilten den Schatz auf ihrem Acker ohne es zu wissen

Insgesamt bargen die Experten am vergangenen Wochenende bei Schaprode auf einer Fläche von 400 Quadratmetern rund 1,5 Kilogramm Schmuck und Münzen. Allein die Menge mache den Fund zu einem der bedeutendsten im südlichen Ostseeraum, sagte Michael Schirren vom Landesamt für Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern.

Neben Münzen fanden die Archäologen auch kunstvoll geflochtene Halsringe, Perlen, Fibeln, einen Thorhammer und zerhackten Ringschmuck. Diese Stücke stammen aus Sachsen, England, dem Ottomanischen Reich und sogar aus Byzanz.

Schirren ist sicher, dass der Schatz möglicherweise in Leder- oder Stoffbeuteln auf sehr begrenzten Raum vergraben wurde. Da sich die organischen Bestandteile über die Jahrhunderte zersetzten, wurden die Schmuckstücke von Pflügen verteilt, ohne dass die Bauern es bemerkten.

Münzen für die Oberschicht

Insgesamt wurden etwa 600 teils zerhackte Münzen ausgegraben, wovon etwa 100 Harald Blauzahn mit einem Kreuz darauf prägen ließ. Dänische Forscher glauben, dass die Brakteaten trotz ihres geringen Silberwertes sehr wertvoll waren. Denn aufgrund ihrer geringen Stückzahl wurden sie vom König überwiegend unter der Oberschicht Dänemarks verteilt.

Lutz Ilisch, Münzexperte aus Tübingen konnte den Schatz nun zeitlich einordnen. Er fand heraus, dass die älteste Münze, eine Damaskus Dirham, 714 geprägt wurde. Die jüngsten Münzen und somit die Schlussmünzen des Schatzes sind Otto-Adelheid-Pfennige. Diese wurden erst ab 983 geprägt, was bedeutet, dass der Schatz frühestens 983, nach der Prägung dieser Münzen niedergelegt werden konnte.

Parallelen zu einem weiteren Schatzfund

Laut Schriftquellen ließ sich Harald Blauzahn 960 taufen, was zu einem großen Streit mit seinem Sohn Sven Gabelbart geführt haben soll. Denn dieser hielt nicht viel vom Christentum und so kam es zu einem Krieg zwischen den beiden. Der Krieg endete mit der Niederlage Haralds, der 986 über die Ostsee nach Pommern ins Exil floh.

Während seiner Flucht könnte er nicht nur den Schatz bei Schaprode vergraben haben, sondern auch den berühmten Goldschatz von Hiddensee. Der 1872 entdeckte Schatz besteht aus einem 16-teiligen filigran gearbeiteten Schmuckensemble, das mit absoluter Sicherheit Blauzahn beziehungsweise seinem nahen Umfeld zugeschrieben werden konnte.

Doch nicht nur die zeitliche und geografische Lage in Übereinstimmung mit schriftlichen Quellen lassen eine Verbindung der beiden Schätze vermuten. So gibt es auch stilistische Gemeinsamkeiten zwischen dem Schmuck aus den beiden Hortfunden. Denn beide weisen eine feine Punzenverzierung und Granulationen auf, die typisch für den Terslev-Stil sind.

Weiterhin ist der Ort, an dem der Schatz vergraben wurde, typisch für einen Versteckfund, oder Hortfund. Denn um den Schatz später möglicherweise wieder bergen zu können, bedarf es einen markanten Punkt in der Landschaft. Und so wählte die Person einen bronzezeitlichen Grabhügel als wiederauffindbares Versteck aus.

Doch wer war dieser Harald Blauzahn?

König Harald ließ dieses Denkmal zur Erinnerung an König Gorm, seinen Vater, und seine Mutter Thyra errichten. Jener Harald, der ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte“, lauten die Runen auf einem etwa zehn Tonnen schweren Fels, der im dänischen Jütland von einem einst mächtigem König zeugt.

Dänemark, ein Land in dem die Menschen an Elfen und andere Wesen glauben ist geprägt von einer eher heidnischen Kultur. Ihre Treue gilt allein Odin, dem Gott des Krieges und der Magie und so missachteten die Menschen andere Religionen.

So ist aus schriftlichen Quellen bekannt, dass Geistliche auf Geheiß des Königs verfolgt und zu Tode gefoltert wurden. Der Versuch das Christentum in Skandinavien zu verbreiten war schwierig. Erste Kirchen wurden gebaut und lokale Fürsten und Könige nutzten das Christentum zu ihrem Vorteil, doch blieben sie ihren Göttern treu.

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Auch Haralds Vater, Gorm, lehnte vermutlich das Christentum ab. Es ist nicht viel über ihn bekannt, doch weiß man, dass er aus dem Süden des Landes stammte und aus politischen Gründen eine Prinzessin heiratete, die später für ihre Schönheit bekannt wurde.

15 Jahre regierten Vater und Sohn Seite an Seite

930 wird Blauzahn, als zweiter Sohn Gorms und Thyras unter dem Namen Harald Gormson geboren. Als sein älterer Bruder bei einem Überfall starb, regierte Harald an der Seite seines Vaters 15 Jahre lang das Land. Im Winter 958/59 starb auch der regierende König und so übernahm Harald die Herrschaft über Dänemark.

Doch bereits zum Beginn seiner Herrschaft hat der neue König mit einem Konflikt zu kämpfen. Vor seinen Toren stehen die Soldaten von König Otto I. Mit militärischer Macht will Otto I. die Dänen zur Anerkennung seiner Vorherrschaft und zum Glauben an das Christentum zwingen. Doch Harald kam ihm zuvor und soll sich im Jahre 960 taufen lassen haben.

Allerdings gibt es keine Dokumente die dieses Ereignis bezeugen. Lediglich ein Relief auf einem Goldstück soll Harald Blauzahn bei der Taufe zeigen. Ob der Dänenkönig aus Überzeugung oder doch eher aus politischen Gründen zum Christentum konvertierte kann nicht mehr gesagt werden. Doch steht fest, dass wenig später Münzen mit Kreuzen geprägt und Kirchen errichtet wurden.

Ein Krieg geführt von seinem eigenen Sohn bringt Blauzahn zu Fall

Die politische Beziehung zwischen Harald und Otto I. entspannt sich jedoch nicht. So geht der dänische Herrscher nicht auf eine politische Heirat mit einer Frau aus dem Ottomanischen Reich ein, sondern heiratet stattdessen die Tochter eines slawischen Abodriten. Die Abodriten lebten im heutigen Norddeutschland und waren Feinde von König Otto I.

Doch auch in Haralds eigenen Königreich herrscht kein Frieden: 986 kommt es zu einem Aufstand gegen ihn, angeführt von seinem eigenen Sohn Sven Gabelbart. Er verliert den Kampf und soll laut schriftlichen Überlieferungen von einem Pfeil tödlich verwundet nach Pommern geflohen sein, wo er verstarb.

Bis heute konnte die Herkunft des Namens „Blauzahn“ nicht eindeutig geklärt werden. Die Wissenschaftler halten es für unmöglich, dass sich der Name auf die Farbe seines Zahnes bezog. Sicher ist jedoch, dass zu Ehren des ersten christlichen Königs in Dänemark eine skandinavische Firma die Funktechnik Bluetooth nach ihm benannte. Das Logo zeigt die Initialen Harald Blauzahns als Runen. (ftx/cfm/tls)