Neue Funde bestätigen: Der Mensch ist älter als gedacht!

Epoch Times1. December 2017 Aktualisiert: 7. Januar 2018 14:26
Bislang wurde angenommen, dass der moderne Mensch vor rund 200.000 Jahren in Afrika entstanden ist. Doch in jüngster Zeit wurden verhäuft Funde entdeckt, die immer mehr die "Out-of-Africa"-Theorie infrage stellen.

Weiteren Diskussionsstoff bieten die neuen Funde aus Marokko. Forscher entdeckten in dem nordafrikanischen Land vor Kurzem menschliche Überreste, Tierknochen und Steinwerkzeuge, die 100.000 Jahre älter sind und ohne Zweifel vom Homo sapiens stammen.

Diese frühen Vertreter unserer Art besaßen bereits erstaunlich moderne Gesichtszüge. Die Funde sprechen dafür, dass der Homo sapiens sich früher entwickelte als bislang angenommen.

Die Gene weisen nach Afrika

Für viele Archäologen ist eins klar: Die Wiege der Menschheit stand in Afrika. Eindeutige Hinweise darauf liefern genetische Daten von heute lebender Menschen und Fossilienfunde.

Außerdem ist es eindeutig, dass die neu entdeckten Funde die bisher ältesten bekannten Homo sapiens Fossilien ablösen. Die bislang ältesten Fossilien stammten von den Fundstellen Omo Kibish (195.000 Jahre alt) und Herto (160.000 Jahre) aus Äthiopien.

Die meisten Forscher waren davon überzeugt, dass alle heute lebenden Menschen von einer Population abstammen. Diese sei vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika entstanden. Von dort aus, so die aktuelle Theorie, zogen unsere Vorfahren zunächst in den Nahen Osten. Belege dafür wurden in Israel gefunden. Hier entdeckten Forscher rund 100.000 Jahre alte Knochen eines anatomisch modernen Menschen.

Unklar blieb bisher, wie sich der Homo sapiens vor der Wanderung nach Europa innerhalb Afrikas verbreitet hat. Zudem fehlen die Beweise, dass der Mensch in der Region um Ostafrika entstanden ist.

„Der genaue Ort und die Zeit der Entstehung des Homo sapiens bleiben im Dunkeln, weil es kaum Fossilien gibt und das Alter vieler Funde nicht genau bestimmt werden kann“, erklären Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und seine Kollegen.

Neue Funde aus einer alt-bekannten Fundstelle

Bereits in den 1960er Jahren entdeckten Forscher die ersten menschlichen Überreste im Jebel Irhoud-Massiv in Marokko. Die Zuordnung und das Alter blieben zunächst unklar, da die Fossilien von der Fundstelle entfernt wurden, ohne ihre genaue Lage zu dokumentieren. Bei späteren Datierungen wurden die Überreste auf 40.000 bis 160.000 Jahre datiert.

Die bei den erneuten Ausgrabungen entdeckten Fossilien in Jebel Irhoud umfassen versteinerte Knochen von Schädeln, Unterkiefer, Zähne und Langknochen. Nach anthropologischen Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Knochen von mindestens fünf Individuen stammen müssen. Gleichzeitig konnten Hublin und seine Kollegen nun erstmals die genaue Schichtenabfolge und Lage der Fossilien dokumentieren.

Die Datierung der Funde erfolgte mittels zwei Methoden

Die Wissenschaftler datierten die neu entdeckten Überreste mithilfe der Thermolumineszenzmethode und der Uran-Thorium-Datierung. Mit der sogenannten Thermolumineszenzmethode bestimmten sie das Alter erhitzter Feuersteine aus den archäologischen Fundschichten. Darüber hinaus ermittelte das Team das Alter eines in den 1960er Jahren gefundenen Knochens erneut mithilfe der Uran-Thorium-Datierung.

„Für die genaue Altersbestimmung in Jebel Irhoud haben wir die modernsten Datierungsmethoden eingesetzt“, erläutert Daniel Richter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Das Ergebnis: Sowohl die Steinwerkzeuge als auch der Kieferknochen sind mindestens 280.000 Jahre, wahrscheinlich sogar rund 300.000 Jahre alt.

„Das macht Jebel Irhoud zur ältesten und reichhaltigsten Fundstätte des steinzeitlichen Homo sapiens in Afrika“, so die Forscher.

Erstaunlich modernes Gesicht

Doch wie weit war dieser frühe Homo sapiens schon entwickelt? Die Schädel heute lebender Menschen zeichnen sich durch eine Kombination aus Merkmalen aus, die uns von unseren fossilen Vorfahren und Verwandten unterscheiden. So besitzen wir ein eher kleines, gerades Gesicht und einen großen, stark gewölbten Gehirnschädel.

Demgegenüber hatten die Neandertaler ein großflächiges Gesicht mit vorstehender Kieferpartie und eher flache Hirnschädel. Doch wo sind die aktuellen Funde aus Marokko einzuordnen?

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Das ermittelten Hublin und seine Kollegen, indem sie die Schädel mithilfe der Computertomografie durchleuchteten und an Hunderten von Punkten vermessen. Die Analysen ergaben: Die vor rund 300.000 Jahren in Jebel Irhoud lebenden Menschen waren uns bereits sehr ähnlich.

Ihr Gesichtsschädel unterschied sich kaum von dem heute lebender Menschen, wie die Forscher berichten. Nur die Gestalt des Hinterschädels der Jebel Irhoud-Fossilien ist eher länglich und nicht rund wie bei heute lebenden Menschen.

„Das bedeutet, dass sich die Form der Gesichtsknochen bereits zu Beginn der Evolution unserer Art entwickelt hat“, erklärt Hublins Kollege Philipp Gunz. Das Gehirn jedoch scheint sich erst während der Geschichte des Homo sapiens zu seiner heutigen Form entwickelt zu haben.

Nordafrika als Wiege der Menschheit

Nach Ansicht der Wissenschaftler sprechen Datierung und Anatomie der Fossilien aus Marokko dafür, dass Ostafrika möglicherweise doch nicht die Wiege des modernen Menschen ist.

„Nordafrika ist lange Zeit in der Debatte um den Ursprung unserer Spezies vernachlässigt worden“, sagt Koautor Abdelouahed Ben-Ncer vom Nationalen Institut für Archäologie Marokkos in Rabat.

Ob sich diese Theorie bestätigt, bleibt abzuwarten. Doch was meinst Du? Wo liegt Deiner Meinung nach die Wiege der Menschheit?

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