Unfassbar: Hirngeschädigte, die plötzlich vor dem Tod zurückkommen

Von 28. Juli 2015 Aktualisiert: 28. Juli 2015 11:45
David hörte bereits Wochen vor seinem Tod auf zu sprechen und sich zu bewegen ... in der Nacht bevor er starb, war er 5 Minuten bei vollem Bewusstsein und verabschiedete sich von seiner Familie.

Menschen, die unter Schizophrenie, Alzheimer oder anderen Beschwerden leiden, bei denen die Hirnfunktion stark beeinträchtigt wird, erlangen manchmal kurz vor ihrem Tod auf unerklärliche Weise ihre Erinnerung und Klarheit zurück. Ihr Bewusstseinszustand ist erstaunlich gut, sogar wenn das Gehirn einem kontinuierlichen Zerfallsprozess ausgesetzt war.

Patienten, die seit Jahren nicht mehr in der Lage sind sich an ihren Namen zu erinnern, erkennen plötzlich ihre Familie wieder und führen normale Gespräche mit ihnen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Niemand kann sich das erklären.

Zum Beispiel schrieb Scott Haig, M.D. in einem Artikel für das Time Magazine über einen jungen Patienten namens David, der trotz seines von Tumoren durchlöcherten Gehirns, kurz vor seinem Tod einen klaren Moment erlebte. David hörte bereits Wochen vor seinem Tod auf zu sprechen und sich zu bewegen. „Beim letzten Scann seines Gehirns, war kaum mehr Hirnsubstanz vorhanden“, erklärt Dr. Haig. Aber in der Nacht bevor er starb, war er 5 Minuten bei vollem Bewusstsein und verabschiedete sich von seiner Familie.

Es war sein Geist, der ihn erweckte

Es war nicht Davids Gehirn, das ihn wach machte, um „Auf Wiedesehen zu sagen“, sagte Haig. „Sein Gehirn war bereits völlig zerstört. Tumor-Metastasen nehmen nicht nur Platz weg, drücken auf umliegendes Gewebe und lassen das Gehirn intakt, sondern sie ersetzen Gewebe. Das Gehirn ist einfach nicht mehr da.

„Was meinen Patienten erweckte … war einfach sein Geist, der sich seinen Weg durch ein zerstörtes Gehirn bahnte – die letzte Tat eines Vaters, der seiner Familie Trost spenden wollte.

Für Haig steht es fest, Geist und Gehirn existieren getrennt voneinander. Es gibt andere, die nach einen möglichen physiologischen Erklärung für dieses als Terminale Luzidität bekannte Phänomen suchen.

Menschen im Zustand der Terminalen Luzidität können in sehr unterschiedlichen physiologischen Zuständen sein. Das bedeutet, es müssten entsprechend mehrere Mechanismen für diesen Zustand verantwortlich sein. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität von Virginia und der Universität von Island, die 2012 ein Paper mit dem Titel veröffentlichten: „Terminale Luzidität: Ein Review und eine Fallsammlung.“ (Erschienen in den Archives of Gerontology and Geriatrics)

„Zur Zeit halten wir es nicht für möglich einen bestimmten Mechanismus für Terminale Luzidität zu formulieren“, schreiben die Forscher Dr. Michael Nahm, Dr. Bruce Greyson, Dr. Emily Williams Kelly – von der University of Virginia und Dr. Elendur Haraldsson von der Universität von Island. „Sicher könnte Terminale Luzidität bei verschiedenen Krankheiten durch verschiedene Prozesse ausgelöst werden, abhängig von der Ursache der Krankheit. Zum Beispiel verursacht Kachexie bei chronisch kranken Patienten das Schrumpfen des Gehirngewebes. Indem es schrumpft, gibt das Gehirn dem Druck nach, was selbst eine flüchtige Rückkehr der Gehirnfunktion verhindert.“

Nicht erklärbare Gehirn-Aktivität

Sie schrieben auch: „Einigen Patienten denen die Lebenserhaltung abgeschaltet wurde, zeigten eine nicht erklärbare flüchtige elektrische Aktivität des Gehirns, da der Blutdruck kurz vor dem Tod völlig zusammenbricht. Obwohl von diesen Patienten keine klinischen Belege von Bewusstsein bekannt sind, zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Zustände kurz vor dem Tod komplexerer Natur zu sein scheinen, als bislang angenommen wurde.

Sogar wenn manche Teile des Gehirns wieder reaktiviert oder elektrisch aktiv werden, wenn der Druck nachlässt, ist schwer vorstellbar, wie solch ein schwer verletztes oder kaum mehr existierendes Gehirn, wie im Fall von David, dazu in der Lage sein kann, geordnet Erinnerungen abzurufen und zu kommunizieren. In manchen Fällen scheint der Patient vollständig zurück zu sein. Epochtimes sprach mit den Wissenschaftlern der Virginia University von der Abteilung für Wahrnehmungsforschung einschließlich Dr. Greyson, dem Coautor der Studie. Auf die Frage danach, wie ein beschädigtes Gehirn, diesen Eindruck eines vollständigen Wachheitszustands zeigen kann, sagte er, dies sei eine gute Frage, aber auch eine, die sie nicht beantworten können.

Terminale Luzidität ist seit dem 19. Jahrhundert in der Medizin bekannt, schrieb Nahm, einer der Co-Autoren. Taucht aber weitestgehend nicht mehr in der Fach-Literatur des 20. Jahrhunderts auf. Sie untersuchten 83 Fälle, die in der Literatur der letzten 250 Jahre Erwähnung fanden. Die Studie zielte darauf ab das Verhältnis zwischen Gehirn und Geist besser zu verstehen. Ein besseres Verständnis dieses Phänomens könnte bei der Entwicklung von Behandlungsmethoden helfen, hoffen die Wissenschaftler.

Zum Beispiel, der österreichische Arzt Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) beobachtete die Symptome mentaler Störung, das manchmal unter hohem Fieber zunahm. Er entwickelte eine Fieber-Therapie gegen paralytische Demenz (eine neuropsychatrische Störung die das Gehirn beeinträchtigt), die ihm einen Nobelpreis einbrachte.

Dr. Alexander Batthyany, ein Professor für Kognitionswissenschaft, an der Universität von Wien hat seine letzten Jahre dem Studium der Terminalen Luzidität gewidmet. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie von ihm wurden während der International Association for Near-Death Studies (IANDS) 2014 Conference präsentiert.

Studie mit Zeugen von Terminaler Luzidität

Über 10 Prozent der Patienten hatten eine plötzliche oder kurze Wiederkehr des Bewusstseins. Er untersuchte 800 Betreuer, von denen lediglich 32 antworteten. Zusammengenommen haben diese 32 Betreuer 227 Alzheimer- oder Demenzpatienten gepflegt. Über 10 Prozent dieser Patienten hatten eine plötzlichen Rückkehr in einen klaren Zustand (Luzidität). Batthyany warnte allerdings davor, dass er die Auswahl der Betreuer selbst unternommen hatte. Die geringe Feedback könnte auf die Seltenheit des Phänomens schließen lassen. Vor allem habe er von jenen eine Antwort erhalten, die dieses Phänomen bei ihren Patienten beobachten konnten. Außerdem soll das Erleben Terminaler Luzidität bei manchen Betreuern einen tiefen Eindruck hinterlassen haben.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Ein Betreuer berichtet, bevor das passierte, hatte er eine eine ziemlich zynische Haltung gegenüber den "Pflanzenmenschen", die er pflegte. "Jetzt verstehe ich, dass ich für Säuglinge der Unsterblichkeit Sorge trage. Hätten sie gesehen, was ich sah, würden sie verstehen, dass Demenz den Geist beeinflusst aber nicht zerstört.“

Es folgen einige der Fälle von Batthyany und den Forschern der University of Virginia.

Verschiedene Fälle Terminaler Luzidität

„Eine ältere Dame mit Demenz, fast taub, erkannte keine Menschen mehr. … Eines Tages, völlig unerwartet, rief sie nach ihrer Tochter und dankte ihr für alles … [sie] führte ein Telefonat mit den Enkelkindern mit Worten der Wärme und Freundlichkeit. Sie verabschiedete sich und kurz danach starb sie“, berichtete Batthyany auf einer Präsentation auf der IANDS Konferenz.

Nahm und seine Kollegen erwähnten einen Fall aus der Medizin-Literatur von 1840: „Einer Frau im Alter von 30 Jahren mit “umherschweifender Melancholie“ (melancholia errabunda) wurde aufgenommen, worauf sie kurz danach manisch wurde. Vier Jahre lang hatte sie einen ausschließlich konfusen und zerstreuten Geisteszustand. Wenn sie Fieber bekam, lehnte sie die Einnahme jeglicher Medikamente ab. Ihre Gesundheit nahm geschwind ab, aber je schwächer ihr Körper wurde desto besser ging es ihr geistig. Zwei Tage vor ihrem Tod war sie vollkommen klar. Sie sprach mit einem Intellekt und einer Klarheit, die über ihre Bildung hinausgingen. Sie fragte nach ihren Verwandten und bereute unter Tränen nicht die Medikamente eingenommen zu haben. Kurz danach starb sie.“

Ein anderer historischer Fall, der von Nahm entdeckt wurde entstammt einem Buch von A. Marshall aus dem Jahr 1815 “The Morbid Anatomy of the Brain in Mania and Hydrophobia”. Dort wird über folgenden Fall berichtet: Einer seiner Patienten, der sehr gewalttätig war, litt unter so starkem Gedächtnisverlust, sodass er sich nicht einmal an seinen Namen erinnern konnte. Als er schwer erkrankte, wurde er auch ruhiger. Am Tag vor seinem Tod wurde er vernünftig und fragte nach einem Pfarrer. Er schien ihm aufmerksam zuzuhören und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Gott Gnade seiner Seele gnädig ist. Obwohl Marschall den Geistes-Zustand seines Patienten nicht im Detail beschrieb, ist seinem Bericht zu entnehmen, dass der Patienten sich wieder an sein Leben erinnern konnte.“ (dk)