Vom Facebook-Gag zur Gefahr? 1,5 Mio. wollten zur Erstürmung von Sperrgebiet „Area 51“ – Militär warnt vor Betreten

Von 18. Juli 2019 Aktualisiert: 19. Juli 2019 13:08
Manchmal genügt ein unverantwortlicher Aufruf in den sozialen Medien, um unvorhersehbare Dinge in Bewegung zu setzen. Aktuell sollen sich 1,5 Millionen Facebook-Nutzer dazu bereit erklärt haben, bei der Erstürmung der legendären "Area 51" in der Wüste Nevadas mitzumachen. Ob Promotion-Wahnsinn oder reeller Plan: Die Luftwaffe steht bereit, das militärische Sperrgebiet zu schützen.

Das Geheimnis von Area 51 geht auf ein Ereignis aus dem Jahr 1947 zurück, in dem angeblich ein Unidentifiziertes Flugobjekt, ein UFO der Außerirdischen, in der Nähe der Kleinstadt Roswell in New Mexico abgestürzt sein soll. Seither ranken sich viele Gerüchte um das hermetisch abgeschirmte militärische Sicherheitsgebiet.

Nun haben die Facebook-Seiten „Shitposting cause im [sic!] in shambles“, „SmyleeKun“ und „The Hidden Sound“ für den 20. September auf Facebook in unverantwortlicher Weise zu einem „Event“ eingeladen, das den Titel „Storm Area 51, They Can’t Stop All of Us“ trägt. Handelt es sich dabei um einen gefährlichen Promotion-Gag oder wollen die Initiatoren durch Menschenmassen die Offenbarung des Geheimnisses erzwingen? Das Ziel sei es, „diese Aliens zu sehen“.

Mittlerweile haben 1,5 Millionen Nutzer zugesagt, an besagtem Tag beim Sturm auf das militärische Sperrgebiet mit dabei zu sein, weitere 1,1 Millionen zeigten sich zumindest interessiert. Wie ernst sind diese Zusagen gemeint und wie wird das Militär im Fall der Fälle darauf reagieren?

Militär warnt vor Eindringen in Sperrgebiet

Das Verteidigungsministerium warnte davor, sich weiter als bis zur äußersten Stelle vor der Absperrung des Komplexes zu nähern, die der Tikaboo Peak darstellt, der 26 Meilen vom eigentlichen Gelände entfernt liegt.

„Area 51 ist ein in Betrieb befindliches Trainingsgelände für die U.S. Air Force“, erklärt Luftwaffensprecherin Laura McAndrews gegenüber der Washington Post am 12. Juli.

Deshalb raten wir dringend jedermann davon ab, das Gelände zu betreten, wo wir amerikanische Streitkräfte trainieren. Die US-Luftwaffe steht immer bereit, Amerika und seine Güter zu beschützen.“

Auch UFO-Experte Nick Pope, der nach eigenen Angaben bereits für das britische Verteidigungsministerium an der Untersuchung unidentifizierter Flugobjekte mitgewirkt habe, warnt ebenfalls, die offenbar satirisch gemeinte Aktion sei „irgendwie aus dem Ruder gelaufen“ und sei ein „Rezept für eine Katastrophe“.

Er bezweifle zwar, dass die Massen, die auf Facebook zugesagt hatten, tatsächlich versuchen werden, unerlaubt auf das militärische Sperrgebiet zu gelangen, erklärt er bei „Fox & Friends First“, aber die Aktion könnte durchaus auch außer Kontrolle geraten. Er betonte zudem, dass es selbst für Leute, die tatsächlich eindringen würden, sehr unwahrscheinlich wäre, auf der Basis irgendwelche „kleine grünen Männchen“ zu finden.

„Natürlich werden sie nicht gehen“, erklärt Pope mit Blick auf die UFO-Begeisterten. „Ich denke, das zeigt nur das große Interesse an diesem Thema.“ Das Einzige, was in Area 51 zu finden wäre, könnten Drohnen und „Luftwaffenfahrzeuge der nächsten Generation“ sein. Ein illegales Eindringen auf militärisches Sperrgebiet würde er verurteilen, es sei „unverantwortlich, illegal und potenziell gefährlich“.

Alles nur Spaß. Sorry.

Das der „Spaß“ aus dem Ruder laufen könnte, hatte dann wohl auch einer der Initiatoren bald schon gemerkt. Der Australier Jack Barnes postete seinen „Schlachtplan“ vor zwei Wochen:

In einem Facebook-Post versucht er sich nun aus der Verantwortung herauszureden:

P.S. Hallo US-Regierung, das ist ein Witz, und ich habe eigentlich nicht die Absicht, diesen Plan fortzusetzen. Ich dachte nur, es wäre lustig und besorgte mir ein paar Daumen-Uppies im Internet.“

(Jack Barnes, Australien)

Area 51, Alien Center, 20. September, 3 Uhr morgens

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Während die meisten Nutzer einen nicht ganz ernst gemeinten Hintergrund des Aufrufs sehen, scheinen einige andere den Aufruf durchaus ernst zu nehmen. „Wenn wir einen Naruto-Lauf starten, können wir schneller sein als ihre Kugeln. Auf zu den Aliens!“, heißt es im Aufruf der Eventveranstalter unter Anspielung auf eine japanische Anime-Serie, und solche Einträge haben mittlerweile auch die Militärs und Behörden hellhörig werden lassen.

Treffpunkt für die Teilnehmer soll am 20. September um 3 Uhr morgens Ortszeit das Area 51 Alien Center sein, ein kleiner Shop für Souvenirs mit angegliederter Cafeteria an der US-95 im Ortsgebiet von Amargosa Valley.

Die Seiten hinter dem Aufruf werden einer Meme-Plattform mit Streamingvideos für Videogamer sowie einem professionellen Eventveranstalter zugeordnet.

Unterdessen nutzte auch Schauspieler Danny Trejo („Grindhouse“, „Machete Kills“) den Aufruhr rund um den Erstürmungsaufruf und postete ein Bild auf Facebook, auf dem er sich selbst mit einer Machete in Lichtschwertform zeigte und dazu erklärte, das Bild zeige ihn nach dem Verlassen der Area 51. Mit dem Beitrag, der mehr als 5000 Likes fand, wollte er für seinen nächsten Film „Machete Kills In Space“ werben.

Alles nur ein Werbe-Gag? Doch ähnlich einer öffentlichen Geburtstagseinladung über Facebook, könnte auch dies völlig aus dem Ruder laufen.

Zum Waffeneinsatz berechtigt, lange Haftstrafen möglich

Zwar wäre nicht damit zu rechnen, dass die US-Armee – obwohl sie dazu berechtigt wäre – gegen allfällige Eindringlinge aus der Ufologen-Gemeinde von ihren scharfen Waffen Gebrauch machen würde. Teilnehmern, die sich dem Betretungsverbot widersetzen, drohen jedoch die Festnahme und lange Haftstrafen.

Die US-Regierung hatte in den vorangegangenen Jahren von sich aus mehrere Schritte der Transparenz gesetzt, um der Öffentlichkeit einen Eindruck davon zu geben, was sich tatsächlich auf dem Gelände abspiele. Im Jahr 2013 veröffentlichte das Nationale Sicherheitsarchiv auf Anfrage von Lehrern der George Washington University ein 400-seitiges Konvolut der CIA über deren Erkenntnisse zur Area 51.

CIA gewährte Einblick in X-Akten

Demnach datierten die ersten Aktivitäten auf dem Gelände auf die 1950er Jahre, als man dort den Aufklärungsjet Lockheed U-2 testete. Auch andere später einsatzfähig gewordene, zuvor unter strenger Geheimhaltung getestete Gerätschaften wurden auf dem Übungsgelände Groom Lake, wie „Area 51“ offiziell heißt, getestet, etwa der Überschallaufklärer A-12, der unter dem Codenamen „Oxcart“ lief, oder der Tarnkappenbomber F-117.

Auch ein Einblick in die „X-Files“ und einen Katalog mit dem Titel „UFOs Fact or Fiction?“ gewährt. Darin finden sich tatsächlich eine Vielzahl an Akten, die mit unidentifizierten Flugobjekten zu tun haben. Allerdings, so heißt es aus dem Dienst, befassen sich „die meisten Dokumente mit CIA-Nachrichten über nicht substanziierte UFO-Sichtungen, von denen in der ausländischen Presse die Rede war, oder damit, wie die Behörde mit öffentlichen Anfragen über angebliche UFO-Sichtungen verfuhr“. Der Alien- und UFO-Gemeinde genügte dies allerdings bei weitem nicht als Beweis dafür, dass dort keine außerirdischen Lebensformen oder Technologien vor der Öffentlichkeit verborgen würden.

Gerüchte in Buch und Film – oder mehr?

Neben Neuschwabenland und dem Bermuda-Dreieck ist die „Area 51“ das wohl bekannteste Projektionsobjekt esoterisch orientierter Menschen. Manche nennen dies Fantasien und Verschwörungstheorien. Hollywood-Filme, Computerspiele und Serien nehmen auf das Areal am Groom Lake in der Wüste von Nevada Bezug.

Erst 1980 verarbeiteten Charles Berlitz und William L. Moore in ihrem Buch „Der Roswell-Zwischenfall: Die UFOs und die CIA“ dieses zuvor allenfalls in der lokalen Community gerüchteweise überlieferte Ereignis zu einer Legende, der zufolge damals ein außerirdisches Raumschiff mit außerirdischen Lebewesen an Bord abgestürzt wäre und die Regierung diese auf die Luftwaffenbasis verbracht hätte. Dort habe man mit den Außerirdischen Versuche durchgeführt und halte diese bis heute gefangen.

Berlitz hatte bereits zuvor populäre Bücher zu grenzwissenschaftlichen Themen veröffentlicht. Unter anderem schrieb er über das Bermuda-Dreieck, in dem mehrerer Schiffe und Flugzeuge verschwunden sein sollen, und über das „Philadelphia-Experiment“, das Stoff für einen erfolgreichen Hollywood-Film der 1980er Jahre gab.

Erklärungsversuche …

Untersuchungen der US Air Force und mehrerer Autoren zu dem Vorfall hatten in den 1990er Jahren zum Ergebnis, dass es Trümmer von Vorrichtungen an Ballons waren, die dem Aufspüren sowjetischer Atomtests dienen sollten und die in Alamogordo unter strengster Geheimhaltung getestet worden sein sollen.

Die Tests seien unter dem Titel „Projekt Mogul“ erfolgt. Dabei seien auch Fallschirmpuppen zum Einsatz gekommen. So wurden versucht, die Geschichten über die Aliens zu erklären und die Menschen zu beruhigen.

Pop-Kultur um das Geheimnis

Der Rest ist zum Teil der Popkultur geworden. Manche sagen, es seien Verschwörungstheorien, dass sich in dem militärischen Sperrgebiet extraterrestrische Lebensformen befänden. Gerüchte um eine Geheimregierung sind im Umlauf. In Filmstudios auf dem Gelände sollen die Mondlandungen zwischen 1969 und 1972 angeblichen inszeniert worden sein. Andere behaupten, dass sich dort verstorbene Musikgrößen wie Elvis Presley oder Jim Morrison befinden sollen.

Die Grenzen zwischen wohl behüteten Militärgeheimnissen, Gerüchten und wilden Fantasien verschwimmen im Nebel zu einem unförmigen Etwas. Doch für das Dorf Rachel, das die nächstgelegene zivile Siedlung zum Sperrgebiet darstellt, bedeutete der Area-51-Kult einen Tourismusboom.