Christen-Verfolgung in China „nach Taliban-IS-Art“: Behörden reißen Kirche ab – Gläubige inhaftiert

Von 13. January 2018 Aktualisiert: 13. Januar 2018 16:15
Im Norden Chinas haben die Behörden eine riesige christliche Kirche abgerissen. Das Gotteshaus wurde in die Luft gesprengt. Zudem wurden mehrere Gläubige verhaftet. In China kommt es immer wieder zur Christen-Verfolgung.

Im Norden Chinas haben die Behörden eine riesige christliche Kirche abgerissen, deren Bau bereits 2009 kurz vor der Vollendung gestoppt worden war.

Die Zerstörung des Gotteshauses in Linfen in der Provinz Shanxi begann am Dienstag, wie die Zeitung „Global Times“ unter Berufung auf die örtlichen Behörden berichtete. Nach dem Baustopp seien mehrere Mitglieder der protestantischen Jindengtai-Kirche inhaftiert worden.

Der Präsident der in den USA ansässigen ChinaAid Association, Bob Fu, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag, es handele sich um eine „Verfolgung einer friedlichen Kirche nach Taliban-IS-Art“.

Militärpolizisten hätten die Kirche mit großen Mengen an Sprengstoff zerstört, sagte der Chef der Organisation, die sich für Religionsfreiheit einsetzt.

Die protestantische Kirche sei hauptsächlich abgerissen worden, weil sie sich geweigert habe, sich bei den „kommunistischen Behörden registrieren zu lassen“, sagte Fu. Seinen Angaben zufolge hat die Gemeinde 50.000 Mitglieder.

Christentum erlaubt – aber nur das vom Regime zensierte

In dem kommunistisch regierten Land gebe es zwar „seit einigen Jahrzehnten eine Öffnungspolitik gegenüber dem Christentum, aber der christliche Glaube muss sich dem Staat unterordnen – und vorauseilenden Gehorsam leisten“, sagt der Berliner Professors Christian Meyer .

„Man kann in Peking durch die Stadt gehen und christliche Kirchen sehen“, so der Sinologe. Allerdings würden neben den christlichen Symbolen kommunistische Flaggen hängen, um dem Staat seine Treue zu versichern.

Meyer, der neben Chinawissenschaften auch Theologie studiert hat und an der Freien Universität Berlin lehrt, erzählte in einem Vortrag Mitte Dezember: er habe Professoren-Freunde in China, die ihre Kinder nicht taufen lassen würden, um ihre Karrieren nicht zu gefährden.

In China gebe es keine offene Gesellschaft wie im Westen, so Meyer.

Es ist ein autokratisches und atheistisches Staatssystem, in dem Religionen nicht von unten aus der Bevölkerung heraus gegründet werden können.“

Religionen müssten sich in der Einheitsfront der kommunistischen Partei einfinden. Die Verfassung garantiere zwar Glaubensfreiheit, aber keine Religionsfreiheit.

Es gibt keine garantierte Freiheit der Ausübung von Religionen. Der Staat definiert „normale religiöse Tätigkeiten“, welche „die öffentliche Ordnung nicht stören“ oder das „Erziehungssystems des Staates nicht beeinträchtigen““, so Meyer.

Der Experte sprach auch von „einem vorauseilenden Gehorsam“ der christlichen Religionen in China, was die Anpassung an das sozialistische System angeht. Die Verbote in China würden häufig die evangelischen Hauskirchen betreffen. „Diese wollen sich nicht der staatlich anerkannten evangelischen Kirchen anschließen“, so Meyer.

Christen-Verfolgung in China keine Seltenheit

In China kommt es immer wieder vor, dass Christen zu Haftstrafen verurteilt werden. Im März letzten Jahren wurden fünf Christen zwischen drei und sieben Jahren verurteilt. Die Anklage warf ihnen vor, „verbotene christliche Andachtsbücher“ verbreitet zu haben. Über den Fall berichtete die österreichische Organisation „Christenverfolgung“.

Demnach hat ein Gericht in der Provinz Liaoning im Nordosten des Landes vier Frauen und einen Mann schuldig gesprochen: „Li Dongzhe und Piao Shunnan wurden zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt, Zhao Chunxia und Li Yuan zu je fünf Jahren und Shi Jinyan zu drei Jahren.“ Die Verurteilten gehörten offenbar zu einer koreanischen ethnischen Minderheit in der Volksrepublik.

Die kommunistische Regierung hat 2017 ihre antikirchlichen Kurs deutlich verschärft. Behörden in der Provinz Zhejiang ließen Kreuze von rund 1.800 Kirchen entfernen. Die Kampagne wurde mit „Bauvorschriften und der Erhaltung eines einheitlichen Straßenbildes“ gerechtfertigt.

Nach Einschätzung von Menschenrechtlern jedoch, sollte so der wachsende Zuspruch für christliche Gemeinden eingedämmt werden. Betroffen waren Kirchen aller Konfessionen, auch die staatlich kontrollierten Gemeinden. Laut „Christenverfolgung“ leben Schätzungen zufolge in der fast 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China bis zu 130 Millionen Christen. Damit übertreffen sie die Zahl der 83 Millionen kommunistischen Parteimitglieder.

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