Als Tourist in Aleppo – Syrien 2017: „Der Alltag in Aleppo ist ziemlich normal – der Wiederaufbau hat bereits begonnen“

Nachdem ich 3 großartige Tage in Damaskus verbracht hatte, war es an der Zeit nach Aleppo zu reisen. Ich reiste entlang der gefährlichsten Straße der Welt, der Salamiyah - Ithriya - Khanasser Straße, die dafür berüchtigt ist, von Daesh (ISIS) und Al Qaida angegriffen und tagelang stillgelegt zu werden.

Früher dauerte die Fahrt zwischen den 2 größten Städten Syriens nur 5 Stunden. Heutzutage benötigt man 7-9 Stunden. Dies ist hauptsächlich auf den Umweg zurückzuführen, den man entlang der Salamiyah – Ithriya – Khanasser Straße nehmen muss (die Hauptstraße ist gesperrt, da sie durch tiefes Al-Qaida-Gebiet führt).

Zudem gibt es einige obligatorische Militärkontrollpunkte mit freundlichen Soldaten, die die Papiere kontrollieren. Dies dauert selten länger als ein oder zwei Minuten.

Daesh (ISIS) griff die Straße am selben Tag an, weniger als eine Stunde nachdem ich sie passiert hatte.

Wenn man schließlich Aleppo erreicht, kommt man zunächst durch die zerstörten Stadtteile Ost-Aleppos, wo einige der heftigsten Kämpfe des Krieges stattgefunden haben.

 Jede Geschichte hat drei Seiten: Deine, ihre und die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Es dauert nicht lange, bis man bemerkt, dass nur ein kleiner Teil von Aleppo zerstört ist. Sobald man das Zentrum erreicht, ist die Stadt voller Leben, genau wie Damaskus. Auch die Geschäfte, Restaurants, Supermärkte und Parks sind voller Menschen.

Ein kurzes Video von meiner Reise durch Syrien, gefilmt mit meiner GoPro:

Dennoch gibt es viel Zerstörung in Aleppo, vor allem die historische Altstadt mit dem Souq (Markt) und ihre Umgebung sind größtenteils zerstört. Jedoch hat der Wiederaufbau bereits begonnen.

Es gibt weitaus weniger Zerstörung in Aleppo, als die Medien berichtet haben. Etwa 20 Prozent der Stadt sind zerstört oder beschädigt. Das Stadtzentrum ist weitgehend unversehrt.

Die Universität und Schulen sind geöffnet. Die Nahverkehrszüge fahren und es gibt sieben öffentliche Verkehrswege rund um die Stadt.

Als Ausländer in Aleppo könnte man meinen, dass der Zugang zu großen Teilen der Stadt tabu ist. Dies ist in keinster Weise der Fall! Mir wurde der uneingeschränkte Zugang zu der Aleppo-Zitadelle, zum alten Souq (Markt), als auch zu den zerstörten Überresten der historischen Umayyaden-Moschee gewährt. Auch die Besichtigung von Ost-Aleppo war unbeschränkt möglich.

Ich durfte sogar eine Schule besuchen, die Daesh (ISIS) und Al Qaida als Hauptquartier benutzten.

Mir wurde niemals gesagt, dass ich keine Fotos machen, oder irgendein Gebiet nicht besichtigen dürfte.

Vor dem Krieg zählte die Altstadt von Aleppo zu den Höhepunkten jeder Syrien-Reise. 1986 wurde sie bereits in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Auf der UNESCO-Webseite ist zu lesen: „An der Kreuzung mehrerer Handelsrouten aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. gelegen, wurde Aleppo nacheinander von den Hethitern, Assyrern, Arabern, Mongolen, Mameluken und Osmanen regiert. Die Zitadelle aus dem 13. Jahrhundert, die Große Moschee aus dem 12. Jahrhundert und verschiedene Madrasas (Koranschulen), Paläste, Karawansereien und Hammams (Dampfbäder) aus dem 17. Jahrhundert formen das Gesamtbild der Stadt.“

Es ist herzzerreißend durch die Altstadt von Aleppo zu spazieren und all die Zerstörung zu sehen, die hier geschehen ist. Doch wo es Kummer gibt, da gibt es Hoffnung. Ein paar Ladenbesitzer im alten Souq arbeiten Tag und Nacht daran, ihre Geschäfte wieder aufzubauen (im Original-Stil), um sie wieder zu eröffnen. Steinmetze arbeiten am Eingang der Aleppo-Zitadelle, dem Juwel des Nahen Ostens.

Die Überreste des alten Souqs

Umayyad Moschee – Die große Moschee von Aleppo

Die Umayyaden-Moschee war die größte und älteste Moschee in Aleppo. Sie stammt aus dem Jahr 715 und war eine der schönsten Moscheen der Welt. Ihr Minarett wurde als Nationalschatz betrachtet. Leider wurde sie am 24. April 2013 von Al Nusra (Al Qaida) gesprengt. Die gesamte Moschee soll nun wieder aufgebaut und in ihrer ursprünglichen Pracht wiederhergestellt werden.

Die Aleppo-Zitadelle

Die Zitadelle war vor dem Krieg ein stolzer Schatz des gesamten Nahen Ostens. Sie gilt als eine der ältesten und größten Burgen der Welt. Die Nutzung der Zitadelle geht mindestens auf die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. zurück. Sie wurde von vielen der größten Kulturen der Geschichte genutzt, wie beispielsweise den Griechen, Römern, Mongolen, bis hin zu den Osmanen.

All diese Zivilisationen hat sie überlebt und steht auch heute noch nach dem Krieg. Innen ist sie stark beschädigt, aber ihre Restaurierung hat bereits begonnen. Es sollte nicht allzu viele Jahre dauern, bis sie wieder zu ihrer alten Pracht zurückkehrt und sich wieder für Touristenscharen öffnet.

Mir wurde der uneingeschränkte Zugang zum Inneren der Zitadelle gewährt.

Das tägliche Leben in Aleppo 2017

Der Alltag in Aleppo ist heute wieder ziemlich normal, nachdem die Regierung die Kontrolle über die Stadt zurückerlangt hat. Bei einem Spaziergang durch das Zentrum wundert man sich, dass hier jemals ein Krieg stattgefunden hat.

Paare gehen einkaufen und genießen eine Shisha in der Öffentlichkeit, junge Mädchen tanzen in den Parks.

Zur nationalen Fußballzeit versammeln sich alle, um die Spiele der syrischen Mannschaft mitzuverfolgen. Ich habe mir das Fußballspiel zwischen Syrien und Australien beim Public-Viewing auf einem Basketballplatz angesehen.

Ost-Aleppo

Die meisten Zerstörungen haben in diesem Gebiet stattgefunden, aber auch hier wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Wir erinnern uns alle daran, über die letzte Schule gelesen zu haben, die bombardiert wurde. Sie sieht aus wie eine normale Schule, in der man im Keller ISIS-Fahnen findet.

Glaubst du immer noch, dass Aleppo eine Stadt in Trümmern ist? Ich habe einige hundert weitere Fotos von meinem Besuch in der Stadt, und ich werde in naher Zukunft weitere Fotos veröffentlichen.

Ich werde auch die Fotos von der Schule, die von Daesh (ISIS) und Al Qaida als Hauptquartier benutzt wurde, in einem allgemeinen Beitrag über meinen Besuch in Syrien veröffentlichen.

Nachdem mir in 3 Tagen in Aleppo die Augen geöffnet wurden, war es an der Zeit wieder zurück nach Zentralsyrien und Homs zu fahren.

Reisebericht und Fotos mit freundlicher Genehmigung von Christian Lindgren AS A TOURIST IN ALEPPO, SYRIA 2017.

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Siehe auch:

„Willkommen in Syrien mein Freund“: Ein Reisebericht aus Damaskus – „Es ist ganz anders als von den Medien berichtet“

Als Tourist in Homs – Die zerstörteste Stadt Syriens kehrt ins normale Leben zurück

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