Amerikanische Rechtsprechung: Amisch-Bauer soll für Herstellung und Verkauf von Natursalben 68 Jahre ins Gefängnis (+Video)

Ein Bauer der traditionellen Amisch-Glaubensgemeinschaft in den USA soll jetzt für die Herstellung und Verkauf von hausgemachten Natursalben und Pasten zu 68 Jahren Gefängnis verurteilt werden. Die ersten Schwierigkeiten begannen für den Amisch-Bauern im Jahr 2013, als jemand seine hausgemachten Produkte an die staatliche Gesundheitsabteilung von Missouri schickte.

Ein Bauer der traditionellen Amisch-Glaubensgemeinschaft soll jetzt in den USA zu 68 Jahren Gefängnis für die Herstellung von hausgemachten Salben und Pasten verurteilt werden. Klingt seltsam, aber dieser Fall zeigt, wie absurd die amerikanische Rechtsprechung agieren kann.

Die Gemeinschaft der Amisch lebt noch heute wie vor 300 Jahren, kommt ohne Autos und Computer aus, ihre Hosen haben keine Reißverschlüsse. Sie sind eine streng christliche Gemeinschaft, haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas, vor allem der Schweiz und Süddeutschlands. Von der Hauptgruppe der Mennoniten spalteten sich die Amischen im Jahr 1693 ab. Viele sind dann in die USA ausgewandert. Ihre Art zu leben ist für viele unvorstellbar, so unvorstellbar, dass sich das amerikanische Gericht nun mit einem Fall in besonderer Weise auseinandergesetzt hat.

Für den 56-jährigen Samuel Girod endet diese Auseinandersetzung mit 68 Jahren Gefängnis, für das einfache Verbrechen, seine eigenen, ganzheitlichen, hausgemachten Produkte zu kreieren. Er ist Vater von 12 Kindern und Großvater von 25 Enkeln.

Die ersten Schwierigkeiten begannen für den Amisch-Bauern im Jahr 2013, als jemand seine hausgemachten Produkte an die staatliche Gesundheitsabteilung von Missouri schickte. Eine einstweilige Verfügung des Staates Kentucky wurde von einem Bundesrichter verfügt und verbot Girod seine Mittel selbst zu produzieren, bis bestimmte Bedingungen erfüllt waren. Einer dieser Bedingungen war eine Inspektion der Produktionsstätte, der Ort, an dem die Produkte von Girod hergestellt wurden. Die Produktion der natürlichen Produkte fand angeblich in Girod´s Familienheim statt, irgendwo entlang Satterfield Lane in Bath County.

Die Einwohner von Bath County waren entsetzt, als sie von ihres Nachbars Schicksal erfuhren. „Ich kann nicht einmal erkennen, was er denn falsch gemacht haben soll. Sie leben dermaßen gläubig und der Gedanke, dass einer von ihnen absichtlich etwas falsch gemacht haben soll, ist doch absurd!“, sagte Suza Moody, eine Mitarbeiterin des Bürgermeisters. Familienfreundin Sally Oh sagte nach der Verhaftung: „Sie sind alle völlig verstört. Als sie ihn mit Handschellen abführten, das war einfach nur schrecklich.“

Sally Oh berichtete weiter, dass der Bundesstaat mit der Art, wie einige der Produkte von Girod beschriftet worden waren, nicht einverstanden war. Girod’s Vogelmieren Salbe, eine Kräuterpaste, war allerdings ein Dorn im Auge der Konkurrenz. Nach Sally Oh bestand die Paste hauptsächlich aus Rosmarin, Bienenwachs und Olivenöl. Alles Naturzutaten, keine Chemie und keine Konservierungsstoffe. Zudem wies das erste Etikett auf, dass mit der Salbe Krebs verhindert werden könnte, wenn nicht sogar heilen, wenn man dieses Naturprodukt zu sich nimmt.

Für einige Menschen war dies sogar sicherlich der Fall, für andere wiederum nicht. Also änderte er auf Betreiben des Bundesstaates das Etikett und nannte es nur noch: „Heilende Vogelmiere“. Dann folgte die nächste Auflage, weil er das mit dem Heilen nicht beweisen könne, und so nannte er es nur noch: „Original Vogelmiere“.

Die Etiketten wurden zwischenzeitlich durcheinandergebracht, da die Verordnungen sporadisch ins Haus flatterten, das Familienunternehmen kam mit dem Ändern der Label nicht hinterher, worauf Girod ins Gefängnis wanderte.

Nun fragen sich die Bewohnen von Bath zu Recht, ob diese harte Strafe wirklich angebracht ist, weil Etiketten vertauscht wurden und die hausgemachte Kräuterpaste als Verbrechen an der Gesundheit angesehen werden kann?

„Ich dachte, du gehst ins Gefängnis, weil du etwas Schlimmes getan hast. Ich meine, er hat etwas falsch angegeben. Ich bezweifle, dass er das wirklich mit Absicht getan hat“, fügte Sally hinzu.

Girod wird allerdings auch für schuldig befunden, weil er Flyer verteilt hatte, auf denen er die Wirksamkeit bei der Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten bewarb. Wegen dieser Behauptungen wurden seine Produkte als Drogen deklariert. Nach diversen Tests stellte man allerdings fest, dass seine Produkte weder Drogen, noch irgendwelche andere fragwürdigen Substanzen beinhalteten.

Die Frage wäre allerdings, ob viele Produkte die heute in der Werbung angepriesen werden, nicht wirklich fatale Folgen nach sich ziehen und wirklich vom Markt genommen werden müssten. Aber hier steckt meist eine große Lobby dahinter und es ist wohl mittlerweile allen bekannt: Geld regiert die Welt.

Nun muss jeder, der Produkte verkaufen will, diese auch registrieren lassen. Und auch die dazugehörige Produktionsstätte. Es ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, dass die Farm der Familie Girod nicht registriert war und sie wussten wahrscheinlich auch nicht, dass die Salben und Pasten, die sie herstellen, als „Drogen“ ausgelegt werden konnten.

Ein anderes Produkt, namens TO-MOR-GONE, wurde ebenfalls beanstandet. Das Produkt soll „sehr gut bei der Beseitigung von Tumoren“ sein und enthält auch Blutwurzel. Die Blutwurzel ist sowohl Gift-, als auch Heilpflanze. Ihre Eigenschaft als Heilpflanze wurde zu medizinischen Zwecken bereits von nordamerikanischen Indianern verwendet. In der Volksmedizin wird die Blutwurzel traditionell gegen Atemwegserkrankungen genutzt, da ihr eine bakterizide Wirkung zugeschrieben wird, die durch den Alkaloidgehalt zu erklären ist. Der Saft kann aber auch ätzend sein und Narbenbildung verursachen. Dies, so die Behörden, macht viel mehr aus, als einen einfachen Etikettierungsfehler. Zudem soll Girod den Kontrolleur daran gehindert haben, das Familienhaus zu inspizieren.

Der Prozess

2015 hat Girod seinen bestellten Anwalt gefeuert und sich entschieden, sich selbst zu vertreten. Der Amischen-Landwirt reichte einen Antrag ein, um seinen Fall aufzuheben. Dieser Antrag wies formale Fehler auf, da er die Richtlinien für einen ordnungsgemäßen Prozess nicht kannte. Ein Richter verweigerte seinen Antrag, daraufhin verpasste er einen Anhörungstermin. Freunde glauben, dass er einfach nicht verstand, dass er dort sein musste. Ein Haftbefehl wurde daraufhin ausgestellt.

Aufgrund dieses radikalen Vorgehens, schrieb der Bath County Sheriff einen Brief an die beteiligten Behörden und zitierte seine Sorgen über den andauernden rücksichtslosen und unerbittlichen Angriff gegen einen seiner Bewohner. Für fünf Monate galt Girod als „Flüchtling“ und wurde in der Familienfarm im Januar verhaftet. Er wartet nun im Gefängnis ohne Kaution, bis sein Anhörungstermin geplant ist.

Die eigentliche Frage hier ist die Tatsache, dass die Behörden einen Mann verfolgt, der nichts verbrochen hat. Seine sogenannten „Verbrechen“, die er ohne böswillige Absicht begangen hatte, und seine Produkte haben niemandem Schaden zugefügt. Behörden genehmigen weltweit Medikamente, die schreckliche Nebenwirkungen mit sich bringen, die sogar auf dem Etikett aufgeführt sind.

Die extreme Bestrafung, die für Girod vorgeschlagen wird, ist weit entfernt von dem was er eigentlich „verbrochen“ hat, nicht, dass man es wirklich ein Verbrechen nennen kann; sein Fehler ist vielleicht sein Versagen, die innere Arbeit der Behörden zu verstehen. Das allerdings sollte nicht mit 68 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Ganz andere Verbrechen werden nicht so hart bestraft. Aber die Herstellung einer Kräuterpaste?

Und da soll man den Glauben in die Justiz nicht verlieren?

Quelle: NaturalNews: Amish farmer facing 68 years in federal prison for making homemade products