16 Euro pro Tag und Person: Warum Catering im Asylheim so knifflig ist

Eine Herausforderung für Caterer: Verschiedene Esskulturen, verschiedene Glaubensrichtungen mit speziellen Essgewohnheiten und zusätzlich die deutschen Lebensmittelvorschriften - Doch letztendlich bekommt meist der Preis den Zuschlag. Wen wundert's, dass billig nicht unbedingt satt macht.

Die Essensversorgung der Migranten in den Asyllagern ist eine knifflige Angelegenheit, weil die Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen kommen und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Geliefert wird die Nahrung von großen europäischen Anbietern, aber auch von kleineren lokalen Firmen.

Deutsche Willkommenskultur auf Behördendeutsch

Die bisherigen Caterer können den immer neuen Strömen von Migranten nicht mehr Herr werden. Immer wieder werden neue Caterer gesucht, die sich dieser Aufgabe stellen. Doch die Anforderungen sind hoch. Selbst die Behörden tun sich schwer, die gesuchten Vorgaben für Caterer in verständliche Sätze zu packen. 
Die "Welt" brachte jetzt ein Beispiel für eine Kieler Erstaufnahmeeinrichtung, die in der Ausschreibung für die Verpflegung der 450 Migranten schrieb: "Aufgrund der unterschiedlichen untergebrachten Personen und Nationalitäten ist auf religiöse und ethnische Belange Rücksicht zu nehmen." Dabei würde dem zukünftigen Lieferanten die Gewährleistung eines "humanen Vollzugs des Aufenthaltsrechts" zur Aufgabe gemacht. Auch das "Ziel einer gelungenen Integration für alle Aufzunehmenden" deute auf die oberste Priorität, die deutsche Willkommenskultur hin.

Und so soll es in der Praxis sein…

In der Praxis bedeutet das einfach flexible Essenszeiten! Hierbei werden die vorgegebenen zwei Stunden für die Mahlzeiten um zusätzliche Variablen ergänzt: "In bestimmten Fällen sind variable Öffnungs- und Ausgabezeiten vorzusehen, um zum Beispiel den Vorgaben des Ramadan (islamischer Fastenmonat) gerecht zu werden."
Dabei werde in Kiel auch Wert auf "vegetarische Kost, Babynahrung sowie Diätkost aufgrund einer ärztlichen Anordnung bzw. Sonderverpflegung bei akuten Erkrankungen" gelegt.

Auch die Stadt Wiesbaden hat strenge Vorschriften für die Caterer. Auf der Suche nach den richtigen Lieferanten, werden die Bedingungen im Vorfeld deutlich gemacht. Die Produkte dürfen keinen Alkohol, nicht einmal Alkoholaromen enthalten. Auch des Deutschen bester Schnitzellieferant ist verpönt: "Es müssen ausschließlich schweinefleischfreie Gerichte bereitgestellt werden. Dazu gehört auch der Verzicht auf Schweinefleischbestandteile in Bratenfett u.ä. Es ist auch darauf zu achten, dass die Speisen weitgehend laktosefrei sind."
In Leipzig wird frisches Obst vertraglich eingefordert. Dies sollte natürlich ohnehin auf einem ausgewogenen Speiseplan stehen. Auch hier wird auf Schweinefleisch verzichtet und als Ersatz Huhn, Rind, Truthahn und Fisch angeboten. Für bestimmte Ethnien und Personen gebe es ebenfalls eine fleischlose Option gereicht.

Billig oder satt?

Weiterhin würde es Vorgaben für die Beschaffenheit des verwendeten Trinkwassers geben. Spezielle Forderungen werden an mikrobiologische Untersuchungen der Produkte und eine mengen-, energie- und nährstoffspezifische Aussagefähigkeit der Speisepläne gestellt.

Dies alles sollte nach deutscher Sparsamkeit natürlich möglichst wenig kosten. Bei der Auswahl des Caterers erhalte oft derjenige den Zuschlag, der am billigsten sei. Am Beispiel Schweinfurt, würden dies 80 Prozent der Entscheidungsrate ausmachen und nur 15 Prozent mit Qualität gepunktet. In anderen Orten sieht es etwas ausgewogener aus.
In Cleve werde beispielsweise der Preis nur zu 40 Prozent gewichtet. Hier spielen auch der Gesamteindruck (20 %), Qualität (15 %) und Hygiene/Anlieferung/Ausgabe (15 %) eine Rolle. Die Quantität und damit die Menge, die letztendlich auf dem Teller landet, spielte jedoch nur mit zehn Prozent eine Rolle. Dies allerdings spiele eine große Rolle, ob die Menschen satt werden oder nicht. Allerdings weiß doch ein jeder, dass ein hungriger Bauch auf die Stimmung schlägt. Vielleicht sollten hier gestandene Hausfrauen besser bei der Auswahl des Essens mitsprechen, anstatt Diätassistenten. 
Dabei handelt es sich keineswegs um Low-Budget-Aufträge. Im Fall Cleve erhielt der örtliche Anbieter Maternus Mobil aus der Clivia-Gruppe einen Großauftrag mit 222.000 Euro. Dafür soll der Caterer drei Mahlzeiten pro Tag für 150 Personen im Zeitraum von Anfang November bis Ende Januar 2016 liefern, was rechnerisch 16 Euro pro Tag und Person ausmacht. 
(Bei 1 Million Asylbewerber, die mit diesem Tages-Etat ein Jahr lang verköstigt würden, ergäben sich bereits 5,8 Milliarden Euro an Kosten.)

Andere Länder andere Geschmäcker

Manche Wünsche und Forderungen sind allerdings schwer umzusetzen. Neben der Schweinefleischphobie muslimischer Migranten, gibt es auch noch das Problem mit dem Geschmack. "Leute aus dem Irak oder Afghanistan essen anders als Afrikaner oder Syrer", klagte ein Caterer im Asylheim Offenbach Anfang des November. (sm)
Siehe auch: 
"Asylpolitik wird 900 Milliarden Euro kosten"
Essen schmeckt nicht, keine Gebetsräume, kein WLAN – im Asylheim Offenbach brodelt’s