2029 Euro monatlich pro Flüchtling: Warum ist Zelten so teuer?

Offenbar sind Unterbringungs-Kosten von 2029 Euro pro Flüchtling und Monat zu hoch. Wie setzen sich diese Kosten tatsächlich zusammen?

2029 Euro für einen Monat im Zelt? Das sind nicht nur auf den ersten Blick horrende Preise und bedeutet 50 Euro pro Tag und Person. Eine Familie kann sich davon einen ordentlichen Urlaub mit Vollpension leisten, schreibt "WAZ".

Zum Vergleich kostet die Unterbringung eines Senioren im deutschen Durchschnitt zwischen 77 und 110 Euro pro Tag, ist auf pflegekosten.de zu lesen. Die Unterbringung eines Jugendlichen in einem Heim 150 Euro pro Tag, so "WAZ". Das relativiert den Betrag zwar, trotzdem aber scheinen 50 Euro pro Tag und Person noch sehr hoch. Wie kommt der Betrag also zustande?

Die Stadt Essen hat die Rechnung offengelegt und sie enthält erstaunlicherweise nur drei Posten. 

Der erste, 284 Euro, macht die Zahlungen nach dem Asylbewerbergesetz aus und der zweite die umgelegten Kosten für die Beratung im Asylverfahren, zur Wohnungsvermittlung und den Anteil für den Sprachmittler. Das kostet 38,71 Euro pro Kopf und Monat. Der Rest 1.700,6 Euro kostet die Rundumversorgung durch den städtischen Vertragspartner.

"Rundum" bedeutet, in diesem Betrag sind die Miete für Sanitärcontainer, Heizung, Mobiliar und die Mensa-Ausstattung enthalten. Außerdem die Reinigung und der Sicherheitsdienst, die technische Aufsicht, die Betreuung der Flüchtlinge sowie die Vollverpflegung mit drei Mahlzeiten am Tag zuzüglich Getränken und Obst und eben die Anmietung der Zeltdörfer.

430.000 Euro monatlich für Zeltmiete 

Der Mietpreis (kein Kaufpreis) für die Zelte kostet allein für den Standort Mathias-Stinnes-Stadion in Karnap 430.000 Euro – monatlich. Diesen Mietpreis reicht der städtische Vertragspartner European Homecare 1:1 ohne Gewinnaufschlag weiter. Insgesamt aber gibt es sieben Zeltdörfer in Essen.

Im Mathias-Stinnes-Stadion haben 688 Menschen Platz, so die Pressemitteilung der Stadt Essen vom 22.1.2016. Das bedeutet einen rechnerischen Mietpreis von 625 Euro pro Person in diesem Lager. 

Die Mietverträge für Zeltlager seien Jahres-Verträge aus denen herauszukommen, kaum möglich sei, berichtet “WAZ”. Die Unter-Kontrakte von European Homecare mit den Zeltverleihern hätten, so heißt es, eine Laufzeit von sechs Monaten. Und die Stadt täte gut daran, keine Unterkünfte leichtfertig aufzugeben, ohne den Ersatz sicher zu haben.

Erst im Februar sollen mit dem Beschluss neuer Asylpläne Verträge der Reihe nach gekündigt werden. Zelte sollen dann durch Leichtbauten ersetzt werden, wo dies zulässig ist. (dk)