Abschiebung von Flüchtlingen – „extrem harter“ Job: Von Selbstverletzungen bis hin zu Übergriffen

Bei der Abschiebung von Flüchtlingen muss die Polizei mit vielen Situationen zurecht kommen. Einige Menschen die nicht abgeschoben werden wollen schlucken aus Verzweiflung Rasierklingen, andere beschimpfen oder treten die Beamten.

Während die unkontrollierte Masseneinwanderung nach Europa weitergeht, versucht man in Deutschland nun die ersten Flüchtlinge abzuschieben. Vor allem alleinstehende Migranten sind von der Abschiebung betroffen.  

Doch bei dem Vorhaben die Leute wieder in ihre Heimat zurückzubringen, sieht sich die Polizei mit vielen Problemen konfrontiert. Es ist eine undankbare Arbeit die niemand gerne erledigen will. Es ist ein psychischer Stress, sowohl für die Migranten als auch für die Beamten. 
"In diesem Moment werden alle Hoffnungen zerschlagen", sagt Jörg Radek, Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Gespräch mit "Focus-Online".

Gegen Abschiebung: Selbstverletzungen und Übergriffe 

Die Flüchtlinge wehren sich mit allen Mitteln gegen eine Abschiebung. Das führt von Selbstverletzungen bis hin zu Übergriffe auf die Beamte.  
Die schlimmsten Fällen der Selbstverletzung waren, dass eine Frau Shampoo trank, oder ein Mann der sich aus dem Fenster stürzte, und den er nur noch an den Füßen zu packen bekam, berichtet der Berliner Polizist Ahmet Karakas der Zeitung Zeit. Ein anderer Mann rammte sich eine abgebrochene Flasche in den Hals.

Solche Szenerien erschwert es den Beamten die Menschen wieder in ihr Herkunftsland zu schicken. Viele Polizisten hätten mit der Abschiebungen aus humanitärer Sicht Probleme. 
"Natürlich bin ich nicht stolz drauf, eine Familie aus Bosnien aus dem Bett zu holen und zum Flughafen zu bringen, das sind ja keine Verbrecher," beschreibt der Polizist Stipo Vrdoljak seine Empfindungen gegenüber der "Zeit". Bei Migranten die eine Straftat begangen haben, mache es ihm aber nichts aus. 

GdP-Vizechef fordert schnelle Abschiebung 

Wegen der emotionalen Belastung aller Beteiligten fordert GdP-Vizechef Radek eine schnellere Abschiebung. 
Die Rückführung wäre besonders schwierig wenn Menschen, bei denen die Integration in Deutschland schon weit vorangeschritten sei, aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen würden. 

Dabei kommt es zu heftiger Gegenwehr und es besteht die Gefahr, dass sich die Betroffenen selbst verletzten, beschreibt Radek die Reaktionen der Flüchtlinge. Denn, fügt er hinzu, wenn jemand schwer verletzt ist kann er nicht Abgeschoben werden. 

Bei Familien komme es weniger zu solchen Vorfällen, erklärt der Polizist Karakas, da sich die Eltern vor ihren Kindern stark zeigen und ruhig bleiben wollen. Bei Alleinstehenden müssen die Beamten aber vorsichtig sein, so der Polizist: "Da haben wir immer einen Arzt dabei."
Karakas arbeitet in einer Sondereinheit der Berliner Polizei (AGIM). Diese Einheit ist unter anderem für die Rückführung der Flüchtlinge zuständig. Aus Sicherheitsgründen seien die Beamten mit kugelsicheren Westen ausgestattet. "Für mich ist das Entscheidende, dass meine Kollegen und ich da heil rauskommen", so Karakas.

Auch andere Polizisten berichten im Interview mit "Focus-Online" von ihren Erlebnissen mit Flüchtlingen. "Es passiert immer wieder, dass Beamte Tritte und Schläge abbekommen oder angespuckt werden", sagt Klaus Borghorst, GdP-Vorstand.
Um der Abschiebung zu entgehen würden manche Menschen, bevor sie zum Flugzeug gebracht werden, Rasierklingen in Klebeband eingewickelte schlucken, um diese nach der Kontrolle herauszuwürgen und sich die Pulsadern aufzuschneiden, so der Polizist. So etwas sei aber nicht die Regel, fügte er hinzu.
"Von 100 Passagieren, die wir zum Flugzeug bringen, machen vielleicht drei oder vier Probleme." Aber trotzdem, beton Borghorst, "ist die Abschiebung der Migranten ein extrem harter Job". (so)