AfD-Stellungnahme nach Berlin-Wahl: Warum das „linke“ Berlin uns gewählt hat

Georg Pazderski erklärt, welche Rolle die AfD in Berlin als Oppositionspartei spielen wird und benennt die Probleme der Stadt. Frauke Petry schaut in die finanzielle Zukunft Berlins und Georg Meuthen ergänzt, wo der Erfolg in Berlin bundesweit aus seiner Sicht tatsächlich einzuordnen ist.

AfD-Spitzenkandidat Georg Pazderski sieht Berlin als eine Stadt in der sich viele Bewohner als „links“ bezeichnen. Wenn hier die AfD so einen Erfolg habe, „dann denke ich, hat das auch eine große Strahlkraft auf Deutschland“. Im Osten Berlins hat die Partei 17 und im Westen 12 Prozent geholt. Aber deswegen sei die AfD kein Ost-Deutsches Phänomen.

Ein weiterer Erfolg: Die AfD habe es geschafft, 11 Prozent Nicht-Wähler an die Urne zu bringen. Die Wahlbeteiligung wurde damit erhöht. Dies sei allein der AfD zu verdanken, meint Pazderski.

Bei der Wahl sei der Bevölkerungsanteil unter den Arbeitern bei der AfD bei 27 Prozent, 18 Prozent davon haben die SPD, 16 Prozent die Linken gewählt. „Ein tolles Ergebnis“, das zeige, man spreche doch die Sprache der Leute auf der Strasse und die der Arbeiter, so Pazderski.

Berlin ginge es „nicht so toll“, wie immer gesagt wird, fährt der AfD-Mann fort. Wie er in den TV-Talkrunden am Montag bemerkte, werde dem Bürger derzeit permanent Sand in die Augen gestreut. Tatsache sei aber, dass Berlin ein Problem der inneren Sicherheit und ein Bildungsproblem habe. Berlin sei zum zweiten Mal auf dem letzten Platz im Bildungsmonitor gelandet. Berlin habe auch ein Wohnungsproblem. Daran hätten fünf Jahre CDU-SPD-Regierung wenig geändert. Rot-rot-grün werde so weiter machen, oder die Situation noch verschlimmern, befürchtet der AfD-Politiker.

Die AfD werde keine Fundamentalopposition sein, betont Pazderski. Wer aber versuche ein „weiter so“ hier in Berlin zu machen, der werde Probleme mit der AfD bekommen, „und zwar in der Opposition“. Man werde den Finger in die Wunde legen und Problem ansprechen, so der AfD-Spitzenkandidat. Man strecke allerdings auch die Hand zur Zusammenarbeit aus und hoffe die anderen Demokraten würden das verstehen.

Petry: Sorge um weitere Schäden im Berliner Finanzsektor

AfD-Frontfrau Frauke Petry konstatiert aus Bundessicht man sei nur noch drei Landestagswahlen von der Bundestagswahl entfernt. Die SPD und CDU haben historische schlechte Ergebnisse in Berlin eingefahren. Die Große Koalition sei nicht mehr groß, sondern schrumpfe weiter, so Petry. In Berlin sei man nur noch zu einer Dreierkoalition fähig. Es sei hier weiterer Schaden für den Finanzsektor der Landesführung zu erwarten.

Berlin sei schon jetzt massiv von Bundes- und Zuschüssen aus dem Länderfinanzausgleich abhängig, kritisiert die AfD-Politikerin. Dies würde sich unter Rot-rot-grün bestimmt nicht ändern – könne sogar schlimmer werden. Hier werde die AfD „rigorose Haushaltkontrolle“ betreiben und auf Missstände hinweisen.

Dies sei es, was der AfD allgemein als „schlechter Populismus“ angekreidet werde, nämlich die Benennung von Problemen. Es wäre aber normal, dass in der Politik Probleme benannt würden und dass Bürger darauf emotional reagieren, so Petry weiter.

Offenbar habe es die AfD auch in Berlin geschafft zu zeigen, dass es alternative Politikansätze gebe. Die AfD sei die Partei die Lösungen kreiere und nicht wie die Union „neuerdings kopieren, wofür sie dann aber trotzdem nicht gewählt wird“.

Meuthen: „Grandioser Erfolg“ gemessen an Hamburg und Bremen

AfD-Politiker Meuthen erklärt, das Wahlergebnis solle nicht an Meklenburg-Vorpommern, sondern an Städten wie Hamburg und Bremen gemessen werden. Konservative Parteien hätten es traditionell schwer in den Städten, so auch die AfD. Insofern sei das ein grandioser Erfolg für die AfD und für Georg Pazderski. Berlin sei ein schweres Milieu, deswegen sei das Ergebnis als „grandioser Erfolg“ zu werten.