Allensbach-Umfrage: Deutsche haben Angst, die Wahrheit zur Migrantenkrise zu sagen

Über 40 Prozent der deutschen Bürger trauen sich nicht, offen ihre Ängste und Sorgen bezüglich der Flüchtlingskrise auszusprechen. Sie befürchten als "Rechte" abgestempelt zu werden: "Man muss vorsichtig sein...", eine Antwort, die man sonst nur in Diktaturen bekommt.

Zu einem erschreckenden Ergebnis gelangte das Allensbach Institut bei einer Umfrage über die Flüchtlingskrise in Deutschland. Rund 45 Prozent der deutschen Beölkerung würde sich demnach nicht trauen ihre wahre Meinung über den starken Zustrom an Migranten offen zu sagen. 

Unter der Hand: 70 Prozent gegen mehr Flüchtlinge

"Für uns war es regelrechte Detektivarbeit, an die wirkliche Meinung der Bevölkerung heranzukommen. Noch vor zwei, drei Monaten waren wir überrascht, wie gelassen die Reaktionen waren. Bis wir dann plötzlich das Gefühl hatten, irgendwas stimmt an den Antwortmustern nicht, und tiefer gebohrt haben. Dieselben Leute, die uns mehrheitlich sagten, sie fänden es gut, wenn in ihrer Region weitere Flüchtlinge aufgenommen würden, sagten zu rund 70 Prozent, in ihren privaten Gesprächen sei völlig klar, dass die meisten dagegen seien, mehr Flüchtlinge aufzunehmen," sagte die Chefin des Allensbach-Forschungsinstituts Renate Köcher im Interview mit der Zeitung "Die Welt". 

"Man muss vorsichtig sein…" – Antworten, wie in einer Diktatur

Das Institut habe geprüft, "wieweit die Bürger Hemmungen haben, ihre Meinung offen zu sagen, ob sie den Eindruck haben, man müsse in Deutschland vorsichtig sein, sich zur Flüchtlingsfrage zu äußern. Und da hatten wir 45 Prozent der gesamten Bevölkerung, die sagten, man muss vorsichtig sein," so Köcher.
Rund 60 Prozent gaben an, sich große Sorgen über die derzeitigen Entwicklungen in Deutschland zu machen. 
"Man muss sich doch fragen, wieso mehr als 40 Prozent der Bürger das Gefühl haben, dass man seine Meinung nicht offen sagen darf. Und das sind ganz normale Bürger, die teilweise SPD-affin sind, teilweise Grün-affin, teilweise CDU-affin. Die auch mit großer Mehrheit nicht ausländerfeindlich sind", sagte die Instituts-Leiterin zur "Welt". 
Die Menschen hätten Angst ihre Meinungen und Sorgen offen zu sagen, da sie dafür ganz schnell in die rechte Ecke gestellt werden könnten. Und aus diesem Grund würde mit der öffentlichen Diskussion etwas nicht mehr stimmen, kritisiert Köcher. 

Vertrauen in Haupt-Medien sinkt rapide

Auf die Frage des "Welt"-Reporters wie sie mit dem Begriff "Lügenpresse" umgehe, sagte die Allensbach Chefin: "Das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien ist eigentlich hoch. Das gilt insbesondere für das Fernsehen und die Tagespresse. Wir haben in den vergangenen Jahren auch bei unterschiedlichen politischen Themen immer wieder gefragt, ob man die Berichterstattung insgesamt als angemessen empfand, und ich fand die Bewertung der Bevölkerung manches Mal fast zu unkritisch. Jetzt allerdings ist die Situation anders: Die Berichterstattung über das Flüchtlingsthema wird von knapp der Hälfte der Bevölkerung als nicht angemessen und ausgewogen eingestuft." 
Sie fügte hinzu, dass die Mehrheit der deutschen Bürger den Eindruck hätten, die Regierung habe die Kontrolle in der Asylkrise verloren und dass die Sorgen vieler Menschen in manchen Medien und von manchen Politikern nicht ernst genommen würden. (so) 

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