Altenessen: Anwohner fühlen sich „nicht mehr sicher“ – No-Go-Area oder nicht – eine Podiumsdiskussion mit viel Hitze

Die Polizei sagt, sie habe alles im Griff. Der Oberbürgermeister sagt, alles in Ordnung. Der Sozialarbeiter sagt, es gebe eine Parallelwelt der Clans. Die Anwohner sprechen offen über Drogendealer und Kriminalität. Wer hat recht? Serge Dash Menga, der Essener, der aus dem Kongo kam, fordert Tacheles zu reden.

Donnerstagabend, 14. Oktober: Im Festsaal der Zeche Carl wurde zur Podiumsdiskussion geladen, 400 Menschen drängten sich dicht an dicht, nicht jeder bekam einen Sitzplatz, viele mussten draußen im Foyer bleiben. Der WDR 5 übertrug die Debatte live – das Thema: No-Go-Area in Altenessen.

Im Vorfeld der Debatte berichtete der Sender schon von einem der „heißesten Pflaster“ im Land. Hier herrsche das Gesetz der Straße, das Recht des Stärkeren. Viele Anwohner sehen das genauso. Andere beschweren sich, als eine Art Bronx-Bewohner stigmatisiert zu werden, berichtet „Der Westen“.

No No-Go laut Polizeichef und OB

„Ich kann es nicht mehr hören“, wehrt sich Polizeipräsident Frank Richter. Er hält nicht von dem Vorwurf gegen den nördlichen Essener Stadtbezirk. Auch Essens OB Thomas Kufen bläst ins selbe Horn: „Altenessen ist keine No-Go-Area, die Leute hier haben einen dicken Hals.“

Doch was sagen die Anwohner, jene, die täglich hier leben müssen? Das Lager ist gespalten: Ein Mann berichtet: „Ich bin hier geboren und fühle mich nicht mehr sicher. Auch wegen der Clans“, sagt er. Ein anderer spricht von Drogendealern und Süchtigen am Ellernplatz und einer Polizei, die erst nach 40 Minuten am Ort einer Schlägerei anrückt, berichtet der „Focus“. Der Polizeichef dementiert, der Saal lacht schallend.

Awo-Sozialarbeiter Thomas Rüth versucht, beim Thema No-Go-Area eher zu beschwichtigen: Ja es gebe die Parallelwelt der Clans, doch dagegen gehe man gemeinsam mit der Polizei vor.

Polizeirealität in Hessen, auch nicht anders …

O-Ton: Alltagsbeispiel von Tania Kambouri

Der WDR spielt auch einen O-Ton von einem Gespräch des Senders mit Tania Kambouri, einer Streifenpolizistin und Autorin aus Bochum ein, die mit ihrem Buch „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“ zu einer Zeit gewisse Dinge ansprach, in der das politisch noch ziemlich unkorrekt war.

Sie brachte als typisches Beispiel einen Verkehrsverstoß mit einem Türken, der sie dann fragte, was sie, „Alte“, denn nun von ihm wolle. Die Situation spielte sich in der Nähe von Dönerläden und Shisha-Bars ab. Der Mann sei sehr laut geworden, damit ihn jeder hören kann und es kamen immer mehr Personen, die die Polizisten umstellten, näher und näher heranrückten.

Dies sei auch so ein psychischer Druck, dass man der Polizei Angst machen wolle, so Kambouri über die Situation. Es werde sich ins Gespräch eingemischt und die meist nur zu zweit anwesenden Beamten stünden dann zwanzig Leuten gegenüber. Dann überlege man sich, ob man wegen eines Verkehrsverstoßes von zehn Euro riskieren wolle, verletzt zu werden. Dies wüssten die Gegenüber auch ganz genau, weshalb es auch immer zu so großen Ansammlungen komme.

Klartext und politische Polemik

Grünen-Ratsherr Ahmad Omeirat, selbst libanesischer Herkunft, plädiert gar dafür, den einstigen Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Libanon einen sicheren Aufenthaltsstatus zu geben – und Arbeit, so der „Westen“ weiter. Dann eskaliert die Situation.

Der afrikanischstämmige Essener Serge Dash Menga, der nach dem Kölner Silvester-Mob mit einer Wutrede gegen kriminelle Zuwanderer bekannt wurde, findet es eine Farce, dass hier nicht Klartext gesprochen werde. Es gebe Probleme, dass sich Menschen in Altenessen nicht mehr auf die Straßen trauen.

„Es geht hier nicht nur um die Libanesen, es geht hier auch um die Afrikaner, die hier Drogen verkaufen, es geht hier um die Romas“ und es gehe hier um Menschen, die in dieses Land gekommen seien, wegen bestimmter Versprechen, die nicht erfüllt werden konnten.

Dann fragt der Mann aus dem Kongo, der in Essen lebt, an die Politik auf dem Podium gerichtet „von Mensch zu Mensch“:

„Was wollen Sie dagegen tun, dass die AfD immer stärker wird und immer mehr deutsche Bürger Angst haben in diesem Land?“

(Serge Dash Menga)

Zur Antwort von der Bühne hat sich Grünen-Politiker Ahmad Omeirat zu Wort gemeldet:

„Tatsächlich sind es diese Personen, wie Serge Menga, selber Schwarzafrikaner, und dann ins Mikro sagen, schwarzafrikanische Drogendealer, libanesische Drogendealer, … Das ist zu einfach, Herr Menga. Das ist zu einfach“, so Omeirat, dessen Stimme immer Lauter wird. „Das ist Populismus und ein Stück weit auch Rassismus“. Omeirats Stimme beginnt sich zu überschlagen, das Publikum buht und pfeift.

[Hier zur Debatte: Audio, WDR5, Stadtgespräch]