Amphetamine, Ritalin und Energy Drinks: 7 Prozent der Deutschen nutzen „Hirndoping“ zur Leistungssteigerung

Um einen "klaren Kopf" zu bekommen und die Leistung zu steigern, greifen Erwachsene und auch schon Jugendliche zu Aufputschmitteln. Nebenwirkungen und die Gefahr einer Abhängigkeit sind nicht ausgeschlossen.
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Ein Automat mit Energy Drinks (Symbolbild).Foto: EARL S.CRYER/AFP/Getty Images
Epoch Times14. August 2017

Ob im Job, im Studium oder in der Freizeit: Um sich wacher zu fühlen und die Leistung anzukurbeln, greifen Erwachsene und auch schon Jugendliche zu Aufputschmitteln. Verbreitet sind etwa Energy Drinks, das sind koffeinhaltige Erfrischungsgetränke. Eine Virtelliterdose enthält 80 Milligramm Koffein, so viel wie eine Tasse Kaffee. Das klingt zunächst harmlos, oft bleibt es aber nicht bei einer Dose.

Für gesunde Erwachsene stellen 200 Milligramm Koffein, die innerhalb kurzer Zeit getrunken werden, kein gesundheitliches Risiko dar. Das entspricht zwei bis drei Tassen Kaffee oder zweieinhalb Dosen eines Energy Drinks. Über den Tag verteilt gelten 400 Milligramm Koffein als unbedenklich, wie die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) ermittelte.

Werden mehrere Energy Drinks hintereinander getrunken, können allerdings unerwünschte Wirkungen auftreten wie Nervosität, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Wahrnehmungsstörungen und Herzrasen bis hin zu Herzrhythmusstörungen und Kreislaufkollaps. Es gab bereits mehrere Todesfälle, die in Zusammenhang mit Energy Drinks gebracht wurden, meist in Verbindung mit Alkohol und intensiver Bewegung. Einen direkten Nachweis zwischen dem Getränkekonsum und den Todesfällen gibt es bisher aber nicht.

Um ihre Leistung zu steigern, greifen manche auch zu Koffeintabletten, zu verschreibungspflichtigen Mitteln wie Amphetaminen oder auch Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin. Das Mittel wird vor allem zur Behandlung der sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (kurz ADHS) verordnet.

Auch frei verkäufliche Schmerzmittel, vor allem koffeinhaltige Mischpräparate, werden nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zur Leistungssteigerung eingesetzt. Aber auch Monopräparate wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) hinterlassen  manchmal ein Gefühl von „klarem Kopf“ und vermehrter Leistungsfähigkeit.

Zu den sogenannten Psychostimulanzien gehört auch Ephedrin. Der Wirkstoff wird in Erkältungs- und Asthmamitteln und manchmal auch in Appetitzüglern angewendet. Der Wirkstoff kann ebenfalls Herzrasen auslösen.

Zumindest für Studenten gibt es genauere Untersuchungen über die Nutzung von Aufputschmitteln. Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) schluckten insgesamt 14 Prozent der Studierenden im Wintersemester 2014/15 schon einmal Substanzen gegen Stress und zur Leistungssteigerung.

Das waren zwei Prozentpunkte mehr als vier Jahre zuvor. Sechs Prozent davon nahmen verschreibungspflichtige Medikamente oder illegale Drogen zum „Hirndoping“, acht Prozent konsumierten frei erhältliche Mittel wie Koffeintabletten oder Vitaminpräparate.

Nach einer Studie der Krankenkasse DAK Gesundheit von 2015 schluckten knapp drei Millionen Arbeitnehmer in Deutschland schon einmal verschreibungspflichtige Pillen, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein. Der Anteil lag bei 6,7 Prozent.

Die Dunkelziffer beim „Hirndoping“ schätzte die Studie allerdings auf bis zu zwölf Prozent. In allen Fällen gilt: Nebenwirkungen und die Gefahr einer Abhängigkeit sind nicht ausgeschlossen. (afp)

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