Angekommen in Deutschland: Terror-Forscher warnt vor „Homemade“-Terroristen

Was Köln für die Sex-Mob-Attacken war, wird Würzburg für Attentate islamistischer Einzeltäter sein: das erste Mal - ein Symbol der Veränderungen, welche der arabische Islamismus der sogenannten freien Welt brachte. Professor Peter Neumann, Terrorismusexperte an der Universität London sprach über die neue Gefahr im Land und warnte zugleich davor der IS-Strategie auf den Leim zu gehen.

Das Entsetzen nach dem Würzburger Axtangriff eines islamistischen Flüchtlingsjungen sitzt tief. Doch wirklich überrascht war wohl kaum jemand, der 1 und 1 zusammenzählen kann. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, wann der erste Terrorakt dieser Art begangen wird. Ähnlich wie die Kölner Silvester-Übergriffe wir der Würzburger Anschlag Deutschland verändern

Professor Neumann leitet am King’s College der University of London den Wissenschaftsbereich Radikalisierung, Terrorismus und politische Gewalt. Am Mittwoch sprach er, aus Washington zugeschaltet, im Interview mit dem ZDF-„Morgenmagazin“ darüber, dass der IS seit zwei Jahren versuche, sogenannte Einzeltäter zu inspirieren.

Töten im Namen des IS

Seitdem fährt die islamistische Terrororganisation die Strategie einer Art Einladung zum Töten: „Wenn ihr im Westen seid, wenn ihr uns enthusiastisch unterstützt, dann sind wir bereit, euch die Lizenz zu geben, unsere Marke zu benutzen“, so Terrorismusforscher Neumann. Direkt gesagt: „Ihr könnt tun, was ihr wollt, und wir nehmen es in Anspruch.“

Das Bekennervideo des jungen Terroristen kam jedoch direkt vom Islamischen Staat. Es muss also eine Verbindung vom Täter zum IS geben, vermutet der Experte, eine Verbindung, „die jetzt noch entdeckt werden muss“.

Die Wege der Kommunikation mit dem IS sind offenbar kaum zu überwachen.

Der Islamische Staat sei im Internet sehr aktiv, so Neumann. „Es gibt unglaublich viele Leute, die mit dem Islamischen Staat verbunden sind und die über das Internet kommunizieren.“

Über Nacht zum Terrorist

„Wirklich überraschend“ sei dagegen die „sehr sehr schnelle“ Radikalisierung der Täter von Würzburg und Nizza, so der Experte. Neumann habe immer die Position vertreten, dass niemand über Nacht zum Terroristen werde. Doch in diesem Fall scheint dies „mehr oder weniger so gewesen zu sein“, räumt der Terrorismusforscher ein, berichtet der „Focus„und zitiert den Kriminologen Christian Pfeiffer aus seinem Interview mit der „Rheinischen Post“ am Dienstag: „Wir haben es hier ja mit jungen Männern zu tun, die entwurzelt sind und auch noch nicht richtig integriert.“

Ein „Riesenproblem“, so Pfeiffer, der Nachahmungstäter befürchtet: „Nach dem Massenmord von Nizza und nun der Gewalttat bei Würzburg sehe ich eine deutliche Wiederholungsgefahr.“

Laut Professor Neumann plane der IS von Syrien aus komplexe Anschläge, wolle aber auch, dass seine „Unterstützer im Westen auf eigene Faust Dinge unternehmen“. Diese kleinen Anschläge würden Schock und Terror auslösen. Ihr Zweck sei es, Angst zu machen, Misstrauen zu säen und Polarisierungen zu verursachen.

In diesem Sinn warnte der Experte davor, Teil der Strategie der Terroristen zu werden. Er rät der Bevölkerung deshalb, nicht ihr Leben zu verändern und nicht auf die Falle des Islamischen Staates hereinzufallen. (sm)