Ansbach: Syrer baute Bombe unbehelligt im Flüchtlingsheim – Arbeit und Taktik eines IS-Profis

Der Selbstmordattentäter von Ansbach baute seine Bombe über Monate hinweg unbemerkt in seinem Zimmer im Hotel "Christl". Die Unterkünfte wurden aus Integrationsgründen nicht vom Sicherheitsdienst bewacht. Möglicherweise wollte man den Flüchtlingen zeigen, dass man ihnen vertraute. Offenbar um von sich abzulenken, denunzierte der Syrer andere Mitbewohner als Terroristen und bot sich den Behörden sogar als Spitzel an. Zu diesem Zeitpunkt baute er aber schon an seiner Bombe ...

Der 27-jährige Syrer Mohammed Daleel, der sich am vergangenen Sonntagabend vor einem Musikfestival in Ansbach in die Luft sprengte und dabei fünfzehn Menschen verletzte, hatte die Bombe in seiner Flüchtlingsunterkunft, dem Hotel „Christl“ in Ansbach gebaut.

In seinem Zimmer wurde ein Kanister mit Diesel, Salzsäure, Alkoholreiniger, Lötkolben, Drähte, Batterien und Kieselsteine gefunden.

Drei Monate soll der Syrer an der Bombe gebastelt haben, ohne entdeckt worden zu sein. Selbst bei einem Polizeieinsatz im Flüchtlingsheim wurde nichts Auffälliges entdeckt.

In der Unterkunft in Ansbach war Meldungen der „Bild“ zufolge kein Sicherheitsdienst beschäftigt. „Jetzt kann nicht mehr jeder rein, der will. Vorher waren die Flüchtlinge sich selbst überlassen. Das sollte der Integration helfen“, erklärte der Chef der Security-Firma „Pro Tect Weidenbach“, Andreas Schmidt (42), gegenüber dem Blatt.

Jetzt wird die Unterkunft von Sicherheitsmitarbeitern der Firma bewacht.

Ein „extremer Geist“ aus Syrien

Ein psychologisches Gutachten nach einem möglicherweise gefakten Selbstmordversuch bescheinigte dem Syrer einen „extremen Geist“:

„Herr Daleel erwähnte, selbst auch Suizid bezogene Gedanken zu haben, und sogar schon Vorbereitungen für den Fall der Abschiebung nach Bulgarien getroffen zu haben, weil er das Gefühl hat, keinen Einfluss mehr über sein eigenes Leben zu haben. Herr Daleel ist ein extremer Geist und es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord noch spektakulär in Szene setzt. Er hat nach dem Tod seiner Frau und seines sechs Monate alten Sohnes nichts mehr zu verlieren“, zitiert „Bild“ aus dem Gutachten.

Daleels Weg scheint der eines Profis

Als Mohammad Daleel beantragte am 21. August 2014 von Syrien aus Asyl in Deutschland. Offenbar folgte sein Weg nach Deutschland einem exakt geplanten Ablauf.

Daleel kam über Bulgarien nach Österreich und nutzte dort eine Gelegenheit, nach München weiterzureisen. Hier wurde festgestellt, dass er bereits einen Asylantrag in Bulgarien gestellt hatte. Der Syrer sollte abgeschoben werden.

Wegen einer Knieverletzung wurde das aufgeschoben. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg setzte sich für eine Aussetzung der Abschiebung Daleels ein, bis die medizinische Behandlung abgeschlossen sei.

Auch klagte der Syrer gegen die Abschiebung, die aufgehoben wurde, weil er angeblich zwei Selbstmordversuche unternommen hatte.

„Dabei ritzte er sich oberflächlich die Arme“, erklärte Polizei-Vizepräsident Roman Fertinger.

Dabei stand er vermutlich unter Alkoholeinfluss, vielleicht musste er sich betrinken, um die Schmerzen besser ertragen zu können. Er kam daraufhin in psychiatrische Behandlung ins Bezirksklinikum Ansbach.

Der Arzt diagnostizierte: „In jedem Fall ist aktuell bei dem Patienten ein schwer depressives, mit anhaltender Suizidalität verbundenes Zustandsbild bis auf Weiteres gegeben, welches aus unserer Sicht dringend der fortgesetzten psychiatrischen Behandlung bedarf“, berichtet „Bild“ weiter.

Tarnung durch Offensiv-Taktik

Den befragenden Beamten in Deutschland versicherte er: „Ich fürchte mich vor dem Tod und Demütigung. Ich will keine Waffen gegen Menschen tragen. Ich habe Angst vor einer Rückkehr nach Syrien, weil ich zu einem Mörder werden könnte“, so „Bild“ über Daleels Angaben.

„Ich will keine Waffen gegen Menschen tragen.“ (Ansbach-Bomber bei Asylbefragung)

Der Syrer soll der Polizei auch im Mai seine Dienste als Spitzel angeboten haben. Zu jenem Zeitpunkt baute er aber schon an der Bombe.

Zusammen mit einem Dolmetscher sei er vorstellig gewesen und hatte einen Nachbar, den Flüchtling Abdulsatar A. (48) aus Bagdad, gemeldet, der angeblich Mitglied der Hisbollah sei. Dies erwies sich nach einer Überprüfung als haltlos.

IS-Kontakte und Hintermann

Auf seinem Laptop befanden sich zahlreiche Propaganda-Bilder mit IS-Bezug.

Die Terrormiliz veröffentlichte in ihrem Propaganda-Blatt „An Naba“ angebliche Details zum Ansbacher Bombenbau. Demnach sei der Syrer ein erfahrener IS-Mann gewesen, der auf Sprengstoffanschläge spezialisiert gewesen sei und auch in Syrien gekämpft habe.

Ebenfalls wurde veröffentlicht, dass Mohammed Daleel einen Tag vor dem Anschlag das Gelände des Festivals ausgekundschaftet hatte – im Kontakt mit einem „Soldaten des Islamischen Staates“, so die Meldung.

Die Überprüfung der Behauptungen wird von Ermittlern unter Führung des Generalbundesanwalts vorangetrieben.

Bei der Leiche des Selbstmordattentäters wurde deutlich mehr Geld gefunden, als ein Flüchtling als Hilfe erhält. Das Bündel 50-Euro-Scheine könnte demnach aus anderen Quellen stammen.

Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU), glaubt: „Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat.“ Es habe einen intensiven Chat bis unmittelbar vor den Anschlag gegeben.

Ermittler gehen wegen des plötzlichen Abbruchs des Chats davon aus, dass der Anschlag nicht nach Plan verlief und die Bombe zu früh hochging, so „Bild“. Obwohl das Bekennervideo des IS davon sprach, dass der Attentäter ins Paradies käme, wollte Daleel dies offenbar eher nicht riskieren. Den Rucksack trug er nicht mehr am Körper, als die Bombe zündete. Trotzdem konnte der Daleel nicht entkommen. (sm)