„Antänzer“ und Trickdiebe: Berlins Polizei will hart durchgreifen

Berlin sagt Trickdieben den Kampf an: Wegen Zunahme des Antänzer-Phänomens wurde am 1. April 2016 eine spezielle Ermittlungsgruppe der Polizei gegründet. Innensenator Henkel kündigte auch spürbare juristische Konsequenzen an.

Seit dem 1. April gibt es in Berlin eine eigene "Ermittlungsgruppe Antänzer", die speziell nach den Straftätern aus arabischen und nordafrikanischen Ländern fahndet. Das Ziel der sechsköpfigen Ermittlungsgruppe sei es laut Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), vor allem Mehrfachtäter zu überführen.

Berlin nehme das Problem der sogenannten Antänzer sehr ernst. "Wichtig ist, dass diese Täter dann auch juristische Konsequenzen spüren", so Henkel.

"Jedem Verdächtigen wird ein Beamter zugewiesen, damit wir bei mehreren Vergehen leichter nachweisen können, dass es sich um einen Serientäter handelt und Haftbefehl erwirken können", bestätigte Polizeisprecher Thomas Neudorf, wie die "Krone" berichtete.

Am Wochenende kam es unter anderem beim Karneval der Kulturen mehrfach zu sexuellen Übergriffen und Diebstählen durch Antänzer. "Dieses erniedrigende und frauenverachtende Vorgehen ist ebenso abstoßend wie kriminell", sagte der Innensenator laut "Berliner Morgenpost".

"High Five" am Kudamm

Samstagnacht fasste die Polizei zwei mutmaßliche Antänzer (18 und 29), als sie am Kudamm in Charlottenburg mit einem Touristen (27) zuerst "High Five" machten und ihn dann am Handgelenk und am Arm packten, um zu versuchen, ihm die Armbanduhr zu stehlen.

Ein Fahnder verfolgte die beiden flüchtenden Antänzer bis zum Bahnhof Zoo und nahm sie fest. Sie wurden dem Fachkommissariat für Taschendiebstahl beim Landeskriminalamt übergeben.

Bereits am Donnerstag wurde ein ähnlicher Fall gemeldet. In der Friedrichstraße wurde ein Passant (34) von zwei Männern nach Feuer gefragt. Als er ihnen sein Feuerzeug gab, wurde er plötzlich am Arm gepackt. Einer der Männer tanzte um ihn herum, während der andere ihm die Uhr vom Handgelenk riss.

Die Täter flohen daraufhin, verfolgt vom Opfer. Die Flüchtenden legten das Diebesgut auf einem Gehweg ab, wo es der Passant fand. Dies meldete die Polizei Berlin laut "Berliner Morgenpost".

https://youtube.com/watch?v=VCeV7CE91vQ

Die Tricks der Antänzer & Taschendiebe

Die Tricks der Antänzer und Taschendiebe sind vielfältig. Die wichtigsten Tricks der Diebe, um ihren ahnungslosen Opfern das Geld oder Wertgegenstände zu entwenden sind: 

Beschmutzer-Trick Oft nach dem Abheben vom Geldautomaten:  Das Opfer tritt ins Freie und wird scheinbar versehentliche mit Eis, Ketchup oder Flüssigkeiten beschmutzt und beim vermeintlichen Reinigungsversuch bestohlen
Wechsel-Trick Ein Fremder bittet, einen Geldschein oder Münzen zu wechseln. Beim Öffnen des Portemonnaies wird das Opfer abgelenkt und um Wechselgeld und weitere greifbare Scheine betrogen.
Blumen-Trick Der Dieb umarmt das Opfer scheinbar freundschaftlich oder steckt ihm eine Blume zu. Die Verwunderung wird zum Diebstahl ausgenutzt.
Waren-Trick Ein Fremder fragt einen Kunden im Supermarkt nach einer bestimmten Ware, während sein Komplize die Tasche im Wagen ausräumt.
Hochhebe-Trick Oft in Kneipen & Co.: Der Dieb behauptet, das Gewicht des Opfers durch Hochheben schätzen zu können. Dabei zieht er selbst oder ein Komplize die Geldbörse aus der Tasche.
Rempel-Trick Man wird im Gedränge angerempelt oder eingezwängt oder ein Täter bleibt plötzlich stehen und lässt das Opfer auflaufen. Der zweite Täter klaut die Wertsachen. Beliebte Orte: Züge, Rolltreppen, Drehtüren, Fahrstühle usw.
Drängel-Trick Bevorzugt in Bahnen und Geschäften: Der Dieb drückt sich unangenehm dicht an sein Opfer, bis dieses sich verärgert abwendet. In diesem Moment sind Handtaschen und Co. zum Zugriff bereit.
Taschenträger-Trick Der "hilfsbereite" Täter bietet Reisenden an, die Tasche/Koffer in den Zug zu tragen. Dabei eilt er absichtlich voraus oder verursacht einen künstlichen Stau im Einstiegsbereich des Zuges, wodurch das Opfer abgelenkt wird, während ein zweiter Täter in die Umhänge-/Handtasche greift.
Klopfer-Trick Im stehenden Zug: Opfer und Dieb sind im Zug, der ablenkende Täter klopft von außen an die Scheiben und verwickelt den Fahrgast in ein Gespräch, z. B. nach dem richtigen Zug, während der Dieb im Zug abgelegte Wertsachen entwendet.
Schlitzer-Trick Die Geldbörse wird mit einer Rasierklinge aus der hinteren Gesäßtasche geschnitten und deckt den Diebstahl mit seiner Jacke ab.
Nachtschwärmer-Trick Schlafende Partygänger in öffentlichen Verkehrsmitteln werden um Handys und Geldbörsen erleichtert. Einzelgänger greifen auch kurz vor Abfahrt und schließenden Türen von Zügen bei telefonierenden oder im Internet surfenden Passanten zu.
Antanz-Trick Siehe Video oben: Der Dieb tanzt sein Opfer unangenehm oder übertrieben freundlich an. Die Verwirrung des Opfers wird zum Diebstahl von Geld oder Handy genutzt.
Schutzmöglichkeiten Diebe erkennt man häufig am "suchenden Blick" bei der Ausschau nach Beute. Dabei meiden sie aber den direkten Blickkontakt. Handys, Geld, Schecks und Kreditkarten sollten an verschiedenen und möglichst verschlossenen/schwer zugänglichen Stellen am Körper getragen werden, rät die Polizei.

[Quelle: "Berliner Morgenpost"]

Ein Ermittler der Polizei: "Taschendiebstahl ist nicht mehr nur ein lokales Phänomen, sondern wird regelmäßig von Gruppen dominiert, die sich innerhalb kürzester Zeit von Stadt zu Stadt und von Land zu Land in ganz Europa bewegen." Dabei herrsche klare Aufgabenteilung unter den bis zu fünf Personen. Im Team gebe es "Blocker", Zieher, "Abdecker", "Transporteure" und "Gegenoberservanten", so der Beamte.

Siehe auch:

Sex-Attacken beim Berliner Karneval der Kulturen: Tatmuster wie in Köln – Sieben Nordafrikaner festgenommen