Bautzen: Großeinsatz der Polizei – Ausschreitungen zwischen Asylbewerbern und Einheimischen eskalieren

Am Mittwochabend gegen 20.50 Uhr gingen mehrere Notrufe bei der Polizei Bautzen ein. Auf dem Kornmarkt standen sich rund 20 Asylbewerber und 80 einheimische Männer und Frauen gegenüber, zwischendrin rund 100 Polizisten. Zwischen den Lagern kam es zu verbalen und tätlichen Übergriffen, es gab Körperverletzungen und es flogen auch Flaschen. Zeugenaussagen zufolge soll der Streit durch die Asylbewerber ausgelöst worden sein, berichtete Polizeisprecher Thomas Knaup.

Zuvor hatte es laut „Sächsischer Zeitung“ einen Angriff eines Asylbewerbers mit einer Flasche auf einen 32-jährigen Mann aus Bautzen gegeben. Dieser wurde durch eine geworfene Bierflasche am Hals verletzt. „Anschließend wurde er offenbar mit einer abgebrochenen Bierflasche auch am Rücken verletzt“, so Polizeisprecher Thomas Knaup. Der Mann kam ins Krankenhaus, die Identität des Täters blieb ungeklärt.

Wie die „SZ“ berichtet, gebe es am Kornmarkt schon seit Wochen lautstarke Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern und Bautznern. Beide Gruppen würden sich am Abend hier versammeln und reichlich Alkohol trinken. Erst am Montag waren 30 Personen miteinander in Streit geraten. Auch am Dienstag kam es zu einem Polizeieinsatz an der Bushaltestelle am Kornmarkt wegen Auseinandersetzungen von Einheimischen mit Asylbewerbern.

Am Mittwochabend eskalierte die Situation dann mit rund 80 Einheimischen und 20 Asylbewerbern.

 

Mittwochabend: Schlagstock und Pfefferspray

Die Beamten trennten die beiden Gruppen durch eine Polizeikette und forderten die Menge auf, den Platz zu verlassen. Dabei wurden sie angegriffen.

Aus der Gruppe der Asylbewerber wurden die Polizisten mit Flaschen, Holzlatten und anderen Gegenständen beworfen, worauf die Beamten Pfefferspray und den Einsatzmehrzweckstock einsetzten.“ 

(Polizei Sachsen)

Die Migrantengruppe zog sich vom Kornmarkt zurück und „zog durch die Innenstadt in Richtung der Friedensbrücke“. Die Einheimischen teilten sich dann auf und folgten ihnen auf verschiedenen Wegen, verfolgt von den Polizisten, die weiterhin versuchten, beide Gruppen voneinander zu trennen.

Die Einsatzkräfte forderten Verstärkung an: „Über das Führungs- und Lagezentrum wurden alle verfügbaren Streifen der Polizeireviere in den Landkreisen Bautzen und Görlitz nach Bautzen beordert. Zusätzlich wurden Einsatzkräfte der Bundespolizeidirektion Pirna sowie der Polizeidirektionen Dresden, Leipzig und Zwickau alarmiert.“

Rückzug ins Asylbewerberheim

Der Rückzug der Migranten endete in einer Asylbewerberunterkunft an der Dresdener Straße. Hier hielten sich insgesamt 32 Jugendliche und junge Männer unterschiedlicher Nationalitäten auf, so die Polizei. Diese wurden aufgefordert, das Gebäude nicht zu verlassen, was sie angesichts der Situation auch taten.

Das Großaufgebot der Polizei positionierte sich vor der Unterkunft und verhinderte Übergriffe. Streifen patrouillierten durch die Stadt. Auch vor drei weiteren Asylheimen in Bautzen und Niedergurig wurden Polizeikräfte zusammengezogen.

Verletzt – von wem?

Im Asylheim wurde ein 18-jähriger Marokkaner mit Schnittwunden am Arm gesichtet. Über die Herkunft der Verletzungen ist bisher nichts bekannt.

Ein angeforderter Rettungswagen wurde von aufgebrachten Einheimischen an der Anfahrt gehindert und mit Steinen beworfen, worauf der Einsatz abgebrochen wurde. Ein weiterer angeforderter Rettungswagen erreichte dann unter Polizeischutz die Asylunterkunft. Der junge Marokkaner wurde zur Versorgung ins Krankenhaus gebracht.

„Später wurde bekannt, dass sich ein 20-jähriger libyscher Staatsbürger mit einer Bierflasche offensichtlich selbst am Kopf verletzt haben soll. Hierzu sind der Polizei gegenwärtig keine weiteren Informationen bekannt“, so der Polizeibericht.

Einsatzabbruch gegen 2.30 Uhr

Die große Polizeipräsenz sorgte dafür, dass sich die aufgebrachte Menge vor dem Asylheim schließlich zerstreute. Die Polizei blieb jedoch den weiteren Verlauf des Abends und in der Nacht „mit starken Kräften im Stadtgebiet präsent“. Derzeit sind keine weiteren Auseinandersetzungen bekannt. Gegen 2.30 Uhr wurde der Einsatz beendet.

Die Kriminalpolizei ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Hinweise werden im Polizeirevier Bautzen unter Telefon 03591-356-0 entgegengenommen. (sm)