Berlin: Angriff beim 3sat-Interview vor Dönerladen – „Identitären“-Regionalchef Timm mit Reizgas und Fäusten attackiert

Bei einem Interview zu einer 3sat-Doku wurde der Leiter der "Identitären Bewegung" in Berlin-Brandenburg von Linksextremisten angegriffen. Der Staatsschutz ermittelt.

Dienstagabend, 27. Juni 2017 in Berlin-Kreuzberg: Der Berlin-Chef der „Identitären Bewegung – Deutschland“, Robert Timm, befindet sich mit einem Filmteam von 3sat vor einem Kreuzberger Dönerladen im Interview für eine Dokumentation.

Plötzlich kommt es laut Polizei zu einem Streit mit weiteren Gästen des Ladens:

Ersten Ermittlungen zufolge habe sich das Opfer, bei dem es um ein 26 Jahre altes Mitglied der ‚Identitären Bewegung Deutschland‘ handeln soll, gegen 20.30 Uhr an einem Imbiss in der Wrangelstraße befunden und einem Fernsehteam ein Interview gegeben. Hierbei soll es zwischen dem Fernsehteam und Gästen des Dönerladens zunächst zu einem Streit gekommen sein.“

(Polizeibericht)

Anschließend hätten sich dann drei Unbekannte eingemischt und dem 26-Jährigen ins Gesicht geschlagen und ihn mit Reizgas besprüht. Das Trio flüchtete auf Fahrrädern in unbekannte Richtung.

Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.“

(Polizei Berlin)

Wie die „Identitären“ auf Facebook veröffentlichten, soll es sich bei dem Trio um Linksextremisten gehandelt haben. Bei deren Eintreffen wollten das Kamerateam und Timm den Rückzug antreten. Dann schlugen die Angreifer zu. Beim Eintreffen der Polizei waren sie bereits geflüchtet.

Sowohl Timm als auch die Journalisten erlitten Haut- und Augenreizungen. Der „Identitären“-Regionalleiter für Berlin-Brandenburg trug zudem leichte Gesichtsverletzungen davon.

Die betroffenen Personen wurden von Rettungssanitätern behandelt.

Demo am 17. Juni abgebrochen

In den letzten Monaten sorgten die „Identitären“ mit mehreren Aktionen für öffentliche Aufmerksamkeit.

Erst am 17. Juni, dem Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR, organisierten sie in Berlin eine Demo für Tradition und kulturelle Identität. Diese wurde jedoch von linken Sitzblockaden nach weniger als einem Kilometer gestoppt.

Die Berliner Polizei hatte an diesem Tag offenbar Samthandschuhe angezogen und war nicht in der Lage, die Blockierer zu entfernen und den sicheren Ablauf der Demonstration zu gewährleisten. Daraufhin wurde die Veranstaltung abgebrochen.

Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilte die Demo im Vorfeld und nannte die „Identitären“ eine „extrem radikale und rassistische Minderheit“.

Protest vor Justizministerium

Spätestens seit dem 19. Mai sind die „Identitären“ dem Minister ein Dorn im Auge, als sie vor seinem Amtssitz im Bundesjustizministerium gegen ein ihrer Meinung nach „Zensurministerium“ protestierten, teils in Volkspolizei-Uniformen gekleidet. Mit „Alles schon vergessen?“ wollten sie auf einem Banner an die Zeit der sozialistischen Diktatur in der DDR erinnern.

Diverse Medien meldeten einen rechten „Aufmarsch“, die Polizei eine unangemeldete Demonstration von 25 Personen. Laut Polizei habe es auch einen Versuch gegeben, sich Zutritt zum Gebäude zu verschaffen, was jedoch verhindert worden sei. Dabei sei eine Person wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht festgenommen worden.

Video der „Identitären“ von der Aktion.

Siehe auch:

Berlin: „Identitäre“ Demo für Tradition und kulturelle Identität abgebrochen – Polizei versagt kläglich gegen linke Blockierer

„Zensurministerium“: Identitäre Bewegung blockiert Amtssitz von Heiko Maas