Berlin: Tatverdächtiger im Mordfall Susanne Fontaine in Polen verhaftet – Ehemann bezweifelt Tiergarten als Tatort

Nach einem Treffen mit Freundinnen in einer Gaststätte verschwand am späten Mittwochabend letzter Woche die 60-jährige Susanne F. spurlos. Am Freitag wurde ihre Leiche in einem Gebüsch am Schleusenweg gefunden. Nun wurde ein Tatverdächtiger festgenommen - in Polen.

+++UPDATE+++Im Zuge der Fahndung nach dem Mörder der in der Nacht des 5. September 2017 verschwundenen und drei Tage später tot aufgefundenen Susanne Fontaine (60), einer charlottenburger Kunsthistorikerin und Kastellanin, wurde jetzt ein Tatverdächtiger in Polen festgenommen.

Die polnischen Behörden haben bei der Festnahme entscheidend mitgewirkt.“

(Martin Steltner, Staatsanwaltschaftssprecher)

Wie „RBB24“ berichtet, gab die Behörde keine weiteren Details preis.

Weiterhin rätselhaft bleibt, warum die verschwundene Frau erst drei Tage nach ihrem Verschwinden tot aufgefunden wurde, obwohl der priorisiert infrage kommende Bereich überschaubar klein war und die Leiche sich offenbar nur wenige Meter vom Weg entfernt befand. Zudem soll sich der Fundort nur rund 50 Meter von einer Polizeistation entfernt befunden haben.+++

Traurige Gewissheit

Susanne F. lebte in Charlottenburg und arbeitete als „Kastellanin der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“. Sie verwaltete sowohl das Schloss Glienicke als auch das Jagdschloss auf der Pfaueninsel.

Nun ist die Kunsthistorikerin tot, Opfer eines Gewaltverbrechens, erwürgt und ausgeraubt von einem oder mehreren Unbekannten im Tiergarten.

Über 40 Jahre waren sie zusammen, sagte ihr Ehemann, Klaus Rasch, dem „Berliner Kurier“.

Es tut so furchtbar weh. Sie wird hier nie wieder mit mir frühstücken. Die Räume unserer Wohnung sind so kalt ohne sie.“

(Klaus Rasch, 66, Ehemann)

Dem „Focus“ sagte der Ehemann, dass seine „Susa“ sich immer sicher in Berlin gefühlt habe: „Sie war absolut angstfrei“.

Doch diesmal kam sie von dem Treffen mit ihren Freundinnen nicht zurück. Als der Wecker morgens klingelte und „Susa“ nicht da war, rechnete Klaus Rasch sofort mit dem Schlimmsten:

Das passte überhaupt nicht zu ihr. Ich wusste, hier ist ein Verbrechen passiert!“

Das Rätsel der verlorenen Spur

Die Polizei suchte gleich mit zahlreichen Beamten und einer Hundestaffel nach der Vermissten.

Es ist merkwürdig, dass unzählige Polizisten mit Spürhunden daran vorbeilaufen – und dann findet sie ein Spaziergänger zufällig im Gebüsch.“

(Klaus Rasch, Ehemann)

Doch weder Suchhunden noch Polizisten noch Ehemann entdeckten eine Spur der Leiche.

Ich selbst bin durch jedes Gebüsch gekrochen.“

(Ehemann)

Nichts.

Als Klaus Rasch Suchplakate am Weg aufhängte, war er auch in der Nähe des Fundortes. Doch auch dann fiel ihm nichts auf, obwohl der spätere Fundort nur wenige Meter vom Weg entfernt war.

Für Rasch steht fest, dass der Fundort nicht der Tatort gewesen sein kann. Er vermutet sogar:

Vielleicht wurde meine Frau mehrere Tage irgendwo festgehalten und hat grausam gelitten.“

Obdachlose abseits des Weges

Am Freitagmittag wurde die Leiche entdeckt, in einem Gebüsch beim Verbindungsweg zwischen Hardenbergplatz und Tiergarten, nur rund 300 Meter vom „Schleusenkrug“ entfernt. Dort hatte die 60-Jährige sich am Dienstagabend mit Freundinnen getroffen. Gegen 22.20 Uhr machte sie sich auf den Heimweg. Ihr Weg führte am Bahndamm entlang.

Sie hätte noch 50 Meter gehabt, bis zu ihrem Bus M49 am Bahnhof Zoo, um nach Hause in die Kantstraße zu fahren.

Wie der „Tagesspiegel“ schreibt, würden entlang des Weges mehr als ein Dutzend Obdachlose campieren. Vom Weg aus sei dies aber nicht zu sehen. Ein weiteres Dutzend unterhalb der Bahnbrücke an der Hertzallee.

Das Ergebnis der Obduktion der 60-Jährigen ergab, dass sie gewaltsam zu Tode kam.“

(Polizeimeldung)

Laut dem „Berliner Kurier“ wurde Susanne F. erwürgt und die Spuren würden auf einen Raubmord hindeuten. Auch der „Morgenpost“ nach starb die Frau „durch Gewalt gegen den Hals“. Einen Bericht, wonach sie erschlagen worden sei, bestätigte die Polizei jedoch nicht, so die „Morgenpost“ weiter.

 

Merkwürdig: Am Donnerstagvormittag bekam der Ehemann der Ermordeten eine SMS vom Handy seiner Frau, dass sie nun wieder erreichbar sei. Das bis dahin ausgeschaltete Handy war angegangen. Klaus Rasch rief an, da ging das Handy wieder aus.

  • Wurde Susanne F. möglicherweise erst nach der Tat am Fundort abgelegt?
  • Wenn der Fundort auch Tatort war: Hörte denn niemand die Frau schreien?

Weiterhin Zeugen gesucht

Vier Hinweise sollen bisher aus der Bevölkerung eingegangen sein, berichtet der „Berliner Kurier“.

Die Polizei sucht weitere Zeugen, die auf dem Parkweg in der Nähe des Bahnhofs Zoo am Dienstag, 5. September 2017, gegen 22.20 Uhr Verdächtiges beobachtet oder verdächtige Personen gesehen haben und Angaben zu deren Aufenthaltsort machen können.

[Telefon Polizei: 030 / 4664 – 91 13 33]

  • Wer hat die Getötete in der Nacht vom 5. auf den 6. September 2017 gegen 22.20 Uhr im Bereich des Schleusenweges gesehen?
  • Wer hat in dem genannten Zeitraum auf dem Verbindungsweg parallel zur Bahntrasse verdächtige Wahrnehmungen oder Personen gesehen und kann Angaben zu deren Aufenthaltsort machen?

Freitag: Passant entdeckt Frauenleiche

Am Freitag gegen 13 Uhr wurde eine Frauenleiche von einem Passanten in einem Gebüsch am Schleusenweg im Tiergarten entdeckt. Der Verbindungsweg wurde für Fußgänger gesperrt, Schutzzelte aufgebaut. Die Spurensicherung war im Einsatz, so der „Tagesspiegel“.

Die Frau hatte typische Verletzungen, die auf ein Tötungsdelikt hinweisen. Staatsanwaltschaft und Mordkommission wurden verständigt, eine Obduktion angeordnet.

Inzwischen klärte sich auch die Identität der Frauenleiche. Die „B.Z.“ sprach mit dem Ehemann der seit Dienstagnacht vermissten Susanne F. (60):

Es ist die bittere und tieftraurige Wahrheit: Es ist meine Frau, die heute Nachmittag im Schleusenweg gefunden wurde. Die Polizei hat mir vorhin Bilder gezeigt von ihr: Ich habe Susanne eindeutig an ihrem Ring erkannt, den sie über dem Ehering trägt. Mit einem schwarzen, eingefassten Stein. Und die Bluse war eindeutig auch ihre.“

(Klaus Rasch, Ehemann)

 

Suchmeldung:

Mittwochabend, 6. September 2017: Die 60-jährige Susanne F. aus Berlin-Charlottenburg trifft sich mit drei Freundinnen in einer Gaststätte in der Müller-Breslau-Straße in Tiergarten.

Gegen 22.20 Uhr verabschiedete sich Susanne F. von ihren Freundinnen und machte sich zu Fuß auf den Weg in Richtung Hardenbergplatz. Dort kam sie jedoch nie an.

Die anderen Frauen sahen sie zuletzt auf dem Verbindungsweg im Großen Tiergarten.“

(Polizeibericht)

Die Polizei Berlin bittet dringend um Mithilfe der Bevölkerung und fragt:

  • Wer hat Susanne F. gesehen?
  • Wer kann Angaben zu ihrem derzeitigen Aufenthaltsort machen?
  • Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben?

Hinweise erbittet die Polizeidirektion 2 in der Charlottenburger Chaussee 75 in Berlin-Spandau unter Telefon 030/ 4664 – 271 100 oder jede andere Polizeidienststelle.

Personenbeschreibung:

Name: Susanne F.
Alter: 60 Jahre
Statur: 1,70 Meter
Aussehen: halblange, gewellte, dunkle Haare
Bekleidung: schwarze Jacke, schwarze Hose

Letztmals gesehen:
Mittwoch, 06. September 2017, kurz nach 22.20 Uhr
Verbindungsweg am Großen Tiergarten, Berlin

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