Berliner Flüchtlings-Jugend auf dem Weg zum Crime-Horizont – Jugendgewalt nimmt wieder zu

Sie sind inzwischen in Deutschland angekommen und haben sich integriert, wenn auch nicht so, wie viele es erwartet hätten. Während die Zahlen der deutschen und migrationsdeutschen Tatverdächtigen leicht fielen, stieg die Zahl der ausländischen jungen Tatverdächtigen von 2015 auf 2016 rasant an.

Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf und Spandau, aber auch Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg – hier haben die neuen Berliner Jugendlichen, junge Flüchtlinge, ihr kriminelles Terrain gefunden, wie die am Dienstag, 21. November, aktuell vorgestellte Studie „Berliner Monitoring Jugendgewaltdelinquenz

2017“ der „Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention“ belegt. Die Studie enthält dazu genaue Porträts der Berliner Bezirke mit zahlreichen Details.

Um der kiezorientierten Gewalt und Kriminalität präventiv entgegenzutreten, stellt die Landeskommission Berlin gegen Gewalt den Bezirken jährliche Mittel zur Verfügung, in 2017 beispielsweise je 135.000 Euro pro Bezirk.

Jugendgewalt in Berlin

Jahrelang konnte eine Abnahme der Jugendgewalt in der Bundeshauptstadt verzeichnet werden. Das Jahr 2016 brach jedoch mit diesem günstigen Trend und schob die Zahlen der Zielgruppe im Alter von 8 bis unter 21 Jahren wieder nach oben und damit die betrachteten Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Raubdelikte, Nötigung oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Die Grundlage der Erhebung bildeten die Angaben der Polizei Berlin.

Eine Tendenz war dahingehend deutlich zu sehen, dass die Zahl der deutschen Tatverdächtigen, mit und ohne Migrationshintergrund rückläufig, jedoch die der ausländischen Tatverdächtigen seit 2015 jedoch entsprechend anstieg.

Obgleich auf schwer vergleichbaren Erfassungssystemen beruhend, deuten die Daten darauf hin, dass sich die Zahl der jungen Tatverdächtigen mit unsicherem Aufenthaltsstatus, denen Rohheitsdelikte zur Last gelegt werden, im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hat.“

Begrenzt noch auf bestimmte Viertel, Hochhaussiedlungen am Stadtrand, Partymeilen und große Umsteigebahnhöfe, werden insgesamt 35 Problemgebiete genannt: Hellersdorf Nord, Tiergarten Süd, Kurfürstendamm, Marzahn Nord, Hellersdorf Ost, Charlottenburg Nord und der Alexanderplatz, schreibt die „B.Z.“, um damit nur einige zu nennen.

Die Herkunftsfrage

Insgesamt auffällig waren vor allem die Zahlen der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei den Rohheitsdelikten, die mit einem deutlichen Anstieg aufwarten konnten, während alle anderen Tatverdächtigenzahlen leicht rückgängig waren.

Von 6.931 Tatverdächtigen im Alter von 8 bis 21 Jahren in 2016 waren 2.506 Deutsche ohne Migrationshintergrund (36,2 %) und 1.638 Deutsche mit Migrationshintergrund (23,6 %). Weitere 323 Personen oder 4,7 Prozent waren Deutsche, ohne genaue Angaben zu ihrem Migrationshintergrund. Desweiteren wurden 2.464 nichtdeutsche Tatverdächtige (35,6 %) ermittelt.

Aus diesen Zahlen ergibt sich eine ungefähre Kriminalitätsquote von etwas über einem Drittel für deutsche Tatverdächtige ohne Migrationshintergrund. Fast zwei Drittel der Tatverdächtigen waren Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aber Personen mit nichtdeutschen Staatsbürgerschaften.

Zudem hätten sich die Zahlen der jungen Verdächtigen mit unsicherem Aufenthaltsstatus, also hauptsächlich Asylbewerber, von 2015 auf 2016 fast verdoppelt. Waren 2015 noch 392 Tatverdächtige aus dieser Untergruppe zu verzeichnen, gab es im Folgejahr schon 817 Fälle.

Wer übt Gewalt an den Schulen aus?

Und die Schulen? Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe sind an der Tagesordnung, fast zehn im Schnitt pro Tag. Waren es 2014 noch 2.061 Vorfälle, stieg die Zahl derer in 2016 auf 3.377 und damit um zwei Drittel innerhalb von zwei Jahren an.

Von diesen Fällen war 1.329 von solchem Ausmaß, dass sie der Polizei gemeldet werden mussten oder diese hinzugezogen wurde. Beachtlich ist auch, dass 741 der Fälle von Kindern im Alter von 8 bis unter 14 Jahren (55,8 %) begangen wurden und 568 von den 14- bis unter 18-Jährigen (42,7 %). Die restlichen 51 Fälle (3,8 %) handeln von jungen Männern zwischen 18 und unter 21 Jahren (Aufgrund von Mehrfachnennungen steigen die Summen über 100 %).

Die Studie besagt, dass von diese 1.329 polizeilich gemeldeten Fällen 1.064 von deutschen Tatverdächtigen begangen worden sind, was 80,1 Prozent ausmacht und 305 von nichtdeutschen Tatverdächtigen (22,9 %), inklusive der Mehrfachnennungen.

Erstaunlicherweise wurde in dieser Aufstellung der anteilige Migrationshintergrund der deutschen Tatverdächtigen nicht berücksichtigt, während dieser in der Gesamtaufstellung verdeutlicht wurde.

Meldesystem Schule

Diesen Umständen widmet die Studie besondere Aufmerksamkeit in einer eigenen Rubrik:

Sie verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit, weil das Ziel der Schulen, Kindern und Jugendlichen einen weitgehend geschützten Raum für ihre Entwicklung anzubieten, durch ein Klima schulischer Gewalt massiv beeinträchtigt würde.“

Die Berichterstattung über den „Tatort Schule“ greift auf folgende beiden statistischen Erfassungssysteme zurück:

  • die polizeiliche Verlaufsstatistik (erfasste Rohheitsdelikte, 8 bis unter 21 Jahre)
  • das zentrale Notfallmeldesystem der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie 23

Die Polizeistatistik ist dabei auf Rohheitsdelikte fokusiert, während das Schul-Notfallsystem ein breiteres Spektrum mit weniger strafrechtlicher Relevanz bedient, wie Beleidigungen, Drohungen oder Tätlichkeiten.

Eine schriftliche Meldung – und damit auch die Erfassung in der Meldestatistik – ist bei einem niedrigen Gefährdungsgrad bisher nur dann verpflichtend vorgesehen, wenn der Vorfall von öffentlichem Interesse ist oder
die schulinternen pädagogischen Lösungsversuche nicht ausreichen und externe Hilfe oder eine Meldung an die Polizei erforderlich ist.“

Doch genau hierbei kann es zu einer gewissen Dunkelziffer kommen, wenn Lehrkräfte aus Angst oder anderen Gründen keine Meldung machen bzw. sich der „Gewohnheitspegel“ entsprechend erhöht hat.

Ein Film aus dem Jahr 2009 macht deutlich, was schon vor acht Jahren ein Problem war und bis heute nicht besser geworden ist: deutsche Schüler als Minderheit an einer Berliner Schule. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Anmoderation durch Anja Reschke von der Panorama-Redaktion, die dem Zuschauer schon vorab die richtige Betrachtungsweise aufdrängt, es sei denn, man wolle mit der NPD in einem Atemzug genannt werden …

Die Ehre – das unerklärliche Ding

Laut dem Berliner Innen-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) sinke offenbar die Hemmschwelle, die ausgeübte Gewalt werde stärker. In der Stadt seien rund 500 Intensiv- oder Mehrfachtäter registriert, mehr als zehn Straftaten braucht es dafür.

Auffallend oft greifen junge Flüchtlinge und Einwanderer zur Gewalt, erklärt Gaebler und spricht die „archaischen Vorstellungen von Ehre“ an und die „hohe Akzeptanz von Gewalt in der Gesellschaft“, wie die „B.Z.“ schreibt.

Was ist Ehre? (ab 29:00)

Siehe auch:

Berlin: Gangs machen Alexanderplatz unsicher – Starker Anstieg von Brennpunkt-Gewalt – Polizei schweigt

Berlin: Raubüberfälle und weitere Schandtaten – Jugendbande „kontrollierte“ 16-Jährigen nach Bargeld

Berlin: Razzia und erste Verhaftungen gegen Jugendbande – Brutal auf zwei Männer eingeschlagen, weil sie einer Frau halfen

Jugendbande schikaniert Kunden und Personal in Berliner Einkaufszentrum