Blut, Urin, Kot, Sperma: Skandal-Unterkunft tritt Debatte über Ausbeutung von Polizisten los

Die Ekel-Unterkunft, in der die Polizeibeamten beim Besuch des US-Präsidenten Barack Obama untergebracht werden sollten, machte Schlagzeilen. Blut, Urin, Kot und Sperma befanden sich in den Zimmern der Beamten. Diese Unterkunft brachte das Fass zum überlaufen. Die Beamten sind frustriert und am Limit ihrer Kräfte.

Die "Junge Polizei" hatte vergangenes Wochenende einige Bilder veröffentlicht, die eine große Debatte auslösten. Auf den Fotos war das Ekel-Quartier, die Hamelner Kaserne, zu sehen, in dem Polizeibeamte aus NRW, die den Staatsbesuch von US-Präsident Obama in Hannover absichern mussten, untergebracht werden sollten. 

Die Kaserne dient auch als Flüchtlingsunterkunft. Einige Zimmer wurden den Beamten über die Dauer des Obama-Besuches zur Verfügung gestellt. Die veröffentlichten Bilder lassen erkennen, dass die Unterkunft vor Ankunft der Polizisten nicht gereinigt wurde. Es befand sich Kot, Blut, Urin und Sperma in den Betten, auf den Böden und an den Wänden der Zimmern in denen die Beamten übernachten sollten. (Siehe dazu: Kot, Blut und mehr: Ekel-Unterkunft für Polizei in Landeserstaufnahmeeinrichtung beim Obama-Besuch)

So werden Deutschlands Polizisten ausgebeutet 

Die Ekel-Unterkunft war aber offenbar nur die Spitze des Eisberges: Die NRW-Einsatzhundertschaften seien schon längst völlig überlastet, sagte Arnold Plickert, NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der "WAZ"-Redaktion. "Hannover hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Kollegen haben den Kaffee auf".

Plickert gab an, die Beamten hätten das Quartier in "unfassbaren hygienischen Zuständen" vorgefunden. Dies habe noch zusätzlich zum bereits vorhandenen Frust der Polizisten beigetragen. "Ob Pegida-Demos, Bundesliga-Wochenenden oder Einsätze in anderen Bundesländern – auf die Beamten der Hundertschaften kommen immer neue Belastungen zu. Der Frust ist groß und hat sich hier Luft gemacht", so Plickert.

Laut GdP hat jeder der 2300 Beamten die in den 18 Einsatzhundertschaften des Landes beschäftigt sind derzeit 400 bis 600 Überstunden. Besonders problematisch seien Großeinsätze am Wochenende, berichtet die WAZ weiter. Die Beamten sollten nach Arbeitszeitverordnung 13 freie Wochenenden pro Jahr haben. Doch schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres habe das Innenministerium fast die Hälfte dieser einsatzfreien Tage wieder gestrichen, so der GdP-Mann zur Zeitung. 

Plickert fordert, die Einsätze der Hundertschaften außerhalb von NRW zu reduzieren. Allein in 2015 mussten die Beamten 39 Mal über die Landesgrenzen hinaus ausrücken, kritisiert er.

Land wollte Hotelrechnung für Einsatzkräfte nicht bezahlen

Auch beim Einsatz auf dem G7-Gipfel im bayrischen Elmau im Juni 2015 kam es zu einem Zwischenfall. Das Land wollte anfangs die Hotelrechnung der rund 2000 NRW-Polizisten nicht übernehmen. Die Übernachtungen im Hotel wurden als "Freizeitvergnügen" gewertet. Letztendlich bezahlte das Land für die Übernachtungskosten.

Laut WAZ entschuldigte sich das Land Niedersachsen nun bei den Beamten für die Unannehmlichkeiten vom Wochenende. (so)