„Dann wandern wir halt aus“ – Ist ein Leben von der Rente in Deutschland noch möglich?

Während Deutschland Wunschziel vieler Menschen aus fernen Regionen geworden ist, zieht es deutsche Rentner immer mehr zum Altersruhesitz ins Ausland. Zu gering ist oftmals die verbleibende Rente, um in der Heimat einigermaßen über die Runden zu kommen.

Am Mittwoch erklärte der Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD): "Rund 536.000 Rentner sind bereits heute auf Grundsicherung angewiesen", daran ändere auch die Rentenerhöhung nichts, so Adolf Bauer.

Und der deutsche EU-Kommissar und ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger will zur Beseitigung des Fachkräftemangels gar die Rente erst ab 70 sehen, ebenso der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU).

"Viele Menschen fragen sich, ob sie ihren Beruf überhaupt bis zum Rentenalter ausüben können und ob ihre Rente dann zum Leben reicht", kritisierte derweil SPD-Generalsekretärin Katarina Barley gegenüber den Zeitungen der Funke-Gruppe.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer glaubt, dass die Renten zu hoch sind. In der "Rheinischen Post" sagte Kramer: "Manche scheinen vergessen zu haben, dass die schlimmsten demografischen Veränderungen erst vor uns stehen. Ein Rentenniveau von 50 Prozent vor Steuern würde die Beitragszahler im Jahr 2030 gegenüber heute um mehr als 60 Milliarden Euro zusätzlich belasten."

Dies könne man aber der jüngeren Generation nicht zumuten. Deutschland habe eh schon die höchste Steuer- und Abgabenbelastung auf Löhne und Gehälter, weltweit.

ARD-Umfrage zu Rente und Altersarmut

Die Mehrheit der Bürger, die noch nicht Rentner oder Pensionäre sind, fühlt sich laut ARD-Deutschlandtrend nicht genügend für das Alter abgesichert. 57 Prozent der 1011 Befragten äußerten sich in der Infratest-dimap-Erhebung entsprechend.

Laut der am Freitag veröffentlichten Umfrage glauben zwei Drittel (67 Prozent) der Bürger nicht, dass die schwarz-rote Koalition eine mögliche Altersarmut verhindern kann. Lediglich gut ein Viertel (28 Prozent) vertrauen der Regierung bei dem Thema.

Optimistische 39 Prozent

39 Prozent gehen davon aus, dass ihre Absicherung für das Rentenalter ausreicht.

Je jünger die Menschen sind, desto größer ist dabei die Furcht vor Altersarmut. Bei den 18- bis 34-Jährigen sehen sich 62 Prozent als nicht ausreichend abgesichert, bei den 35- bis 49-Jährigen 58 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen 51 Prozent. (dpa/dts/epd)

Zum Dank für jahrelange Arbeit und vier aufgezogene Kinder in Deutschland: Ruhestand in Bulgarien

Siehe auch:

Kabinett beschließt Rentenerhöhung: Problem der steigenden Altersarmut bleibt

EU-Kommissar Oettinger für Rente mit 70

Arbeitgeberchef warnt vor 60 Milliarden Euro Mehrkosten für Rente