Ur-Staat-Gründer Adrian Ursache: Zeugenbericht und Hintergrund zu SEK-Schüssen

Wer schoss zuerst? Adrian Ursache, einstiger "Mister Germany", wurde letzten Donnerstag vom einem 200 Mann starken SEK auf seinem Grundstück mit einigen Schüssen niedergestreckt. Offiziell ging es um eine Grundsteuerschuld. Doch Ursache hat auch seinen eigenen Staat - den Staat "Ur" - ausgerufen. Er lehnt das BRD-System gänzlich ab. Nach Angaben der Polizei hat Ursache das Feuer auf die Beamten eröffnet. Laut Zeugen haben die Polizisten zuerst geschossen. Ursache überlebte den Vorfall und wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Mittlerweile gebe es einen Haftbefehl gegen den 41-Jährigen. Hier die Hintergrundstory zu dem Vorfall.

Adrian Ursache gründet einen Staat auf seinem Grundstück und nennt ihn Staat „Ur”. Er will sich vollständig vom herrschenden System der BRD lösen. Auf seinem Anwesen will er sich und seine Familie selbst versorgen. Doch so einfach ist das nicht.

Nach eigenen Angaben forderte Ursache, der 1998 zum „Mister Germany“ gekürt wurde, die Bundesregierung im Jahr 2015 auf, ihn komplett vom Versorgungssystem abzukoppeln. Er brauche keinen Strom, kein Erdgas, keinen Anschluss zum Abwassersystem, nichts. Denn, „Staaten existieren für sich alleine, Staaten brauchen keinen Strom von der BRD,” sagt Ursache (siehe erstes Video unten). Er brauche den deutschen Staat nicht. Er versorge seine Familie alleine. Doch die Regierung lasse ihn sich nicht selbst verwalten. „Denn wenn sie das tun, erkennen sie den Staat an”, erklärt der einstige Schönheitskönig. Ein anderes Problem, das die Regierung mit seiner Forderung nach Selbstverwaltung hätte: „Wenn einer so anfängt, das macht die Runde”.

Ursache erkennt die BRD als Rechtskonstrukt nicht an, „da sie aus mehreren Gründen kein Rechtskonstrukt ist”, sagt Donatus, ein gleich Gesinnter Ursaches (Interview im Video unten ab Minute 15). Die Bundesrepublik Deutschland sei noch immer besetztes Gebiet, fährt er fort. „Zumindest teilbesetzt und nicht vollständig souverän. Das heißt, wir sind nach wie vor eine ‚Kolonie‘ der Vereinigten Staaten.“ Dies erkläre laut Donatus auch, warum Deutschland der amerikanischen Politik gegenüber „so hörig“ sei.

Diese Aussagen machten die „Ur“-Staat-Bewohner am Mittwoch dem 24. August, genau einen Tag, bevor das Spezialeinsatzkommando (SEK) mit 200 Mann das Anwesen von Adrian Ursache stürmte und den einstigen Schönheitskönig mit mehreren Schüssen niederstreckte.

Einen Tag vor dem Übergriff

Eine Menschengruppe und mehrere Journalisten, darunter auch Medienvertreter vom „MDR”, versammelten sich am Mittwoch (24.08.2016) auf dem Anwesen von Adrian Ursache. Gemeinsam wartete man auf den Gerichtsvollzieher, der sich für 9.00 Uhr angekündigt hatte. Nach Angaben der Behörden ging es um eine offene Grundsteuerschuld von 4.000 Euro, die Ursache nicht bezahlt hätte. (Dazu gibt es widersprüchliche Angaben). Deswegen sollte das Haus von Ursaches Schwiegereltern am besagten Tag beschlagnahmt werden. Doch Ursache wehrte sich gegen den Beschluss und einige Unterstützer versammelten sich auf seinem Grundstück.

Bei Gesprächen mit Journalisten verweist Ursache immer wieder auf die Verfassung von 1949. Er behauptet, der Gerichtsvollzieher würde bei einer Beschlagnahmung gegen die Verfassung verstoßen. Er zeigte den Journalisten auch die Papiere zu dem Fall und meinte, wenn ihm jemand das Gegenteil seiner Argumentation beweisen und vorlegen könne, würde er kooperieren.

„Da kommt angeblich ein Amtsgericht Naumburg und hat einen Strafbefehl erlassen,“ sagt Ursache zu einem Reporter. Doch Richter Spötter, der den Befehl erlassen habe, sei bereits seit 2011 nicht mehr als Richter im Amtsgericht tätig. „Wer hat den (Kraftausdruck) dann erlassen, wenn es den (Richter) nicht mal mehr gibt?“, fragt Ursache.

Der Gerichtsvollzieher ist letztendlich nicht zum vereinbarten Termin bei Ursache erschienen und die Reporter verließen das Anwesen.

Für die Freiheit…

Ursache betonte vor den Journalisten auch, er werde für seine Freiheit kämpfen, auch seiner Kinder wegen: „Ich bin ein Mann, der für seine Familie kämpft. Alle anderen müssen für sich stehen, weil sie haben auch Familien, sie haben alle Familien.” Nur darum würde es gehen. Und weiter: „Wir sind alle Menschen, wir gehören der selben Gattung an, der selben Rasse. Und was passiert hier? Dann bringen sie Ausländer rein… Was wollen sie denn, einen Bürgerkrieg anzetteln? Die wollen doch, dass wir auf die anderen losgehen, damit sie ihre feine EU umsetzen können. Mit Besatzern, mit Waffen, mit allem.” Er betonte, er habe nichts gegen die Leute, die herkommen, aber die Regierung solle mit der Propaganda aufhören.

Darüberhinaus würde der Staat die Leute in die Großstädte locken. Sie mit Handys und moderner Technik „versklaven”. Dafür werde den Menschen ihre „Energie und ihre Freiheit” geraubt. Man stecke die Leute in einen „Käfig aus Regeln und Konventionen” und „dann steckst du drin”, sagt Ursache zu einem Reporter. „Und dann willst du existieren? Du kannst ja nicht mehr existieren. Wenn sie dir das Geld entziehen, wovon willst du leben?” Diese Menschen würden dann alleine in ihren Wohnungen sterben und niemand würde sich um sie kümmern. Auch die Regierung nicht.

Er sagte, es sei kein Problem, wenn Menschen die Hilfe bräuchten, nach Deutschland kämen. „Aber seht das Unrecht”, betonte er. Alle anderen Europäer würden aufstehen für ihre Rechte. ”Warum die Deutschen nicht?”, fragte Ursache. „Was ist passiert, dass sie ihren Willen verloren haben, für ihre Familien gerade zu stehen? Was ist passiert mit diesem Volk?”

Aber nicht nur in Deutschland, sondern überall würde man versuchen, die Menschen zu versklaven, man behandle sie wie Tiere. „Sie werden alle eingepfercht. Im Grunde mundtot gemacht.” Sobald irgendwas passiere, schreie man „Terrorismus, Terrorismus”. In Deutschland höre man nur noch von Terroristen, „von früh bis spät”. Weiter spricht Ursache davon, dass sich die Menschen darauf besinnen sollten, was sie könnten. Auf Tausch und Handel. Es gebe auch keinen Dissens zwischen den Menschen, „der wird erzeugt. Der ist künstlich erzeugt“. Von früh bist spät würde nur Gewalt gezeigt, meint Ursache weiter.

Tag des Übergriffs durch 200 SEK-Beamte

Nachdem der Gerichtsvollzieher am Mittwoch den Termin mit Ursache platzen ließ, erschien am Donnerstag, dem 25. August, eine 200 Mann starke SEK-Truppe und stürmte ohne Vorwarnung das Privatgelände der Ursaches.

Daraufhin ereigneten sich chaotische Szenen, die damit endeten, dass Adrian Ursache von den SEK-Beamten mehrmals angeschossen und mit einem Hubschrauber schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Nach Angaben der Polizei sind bei dem Vorfall drei Polizisten leicht verletzt worden.

Zu dem Übergriff gibt es aber widersprüchliche Aussagen. Unklar bleibt auch, warum die Zwangsenteignung, die eigentlich hätte stattfinden sollen, nach dem Zugriff der Beamten nicht stattgefunden hat.

Zeuge berichtet über Angriff der Polizei

Ein Zeuge Namens Arnold und Unterstützer von Adrian Ursache gaben am Tag nach dem Übergriff dem „Kulturstudio“ ein Interview.

Im Video (siehe unten) sagte Arnold im Wortlaut: „Adrian und seine Frau waren auf dem Gelände am Hof. Adrian sagte: „Die kommen, die kommen!“ Und er lief auf den Hof zur Hausnummer 5. Ich stand ganz günstig da und konnte auch einiges sehen. Polizisten, bzw. Angreifer, Terroristen, wie man das jetzt auch immer nennen möchte, sprangen über die Zäune. Sie sind an dem schmalen Gang, der zur Hausnummer 5 führt, mit gezogenen Waffen hochgerannt. Sie haben die kampierenden Zeugen, die freien Menschen, die dort zu Besuch waren, niedergerungen und teilweise geschlagen, teilweise sofort gefesselt. Es war alles sehr hektisch.“

„Ich muss ehrlich sagen, es ist ein bisschen hart für mich, darüber zu so zu reden, weil es noch sehr, sehr tief sitzt. Fakt ist aber, soweit ich mich erinnern kann, an der Hausnummer 5 um das Grundstück, um was es eigentlich ging gestern, sind vier dieser Angreifer mit gezogener Waffe durch den Zaun, durch das Gartentor durchgebrochen. Adrian kam in dem Moment gerade um die Ecke auf dieser Geraden, auf dieser Strecke und zog seine Waffe als er sozusagen schon selbst anvisiert wurde. Es wurde viel geschrien. Adrian sagte „erschießt mich“ und „verpisst euch von meinem Grundstück, verpisst euch von meinem Besitz“, alles so wie er es angesagt hat, beziehungsweise wie es auch nach Völkerrecht gültig ist, dass er seinen Staat verteidigen darf und muss. Dann ging es ziemlich schnell.“

Dann fragt der Reporter den Zeugen, ob Ursache eine echte Waffe hatte. Dazu Arnold: „Ich gehe davon aus, dass es eine Schreckschusswaffe war”. Er fügte aber hinzu, dies nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen zu können. Aber er gehe davon aus, dass es eine Schreckschusswaffe gewesen sei. Es sei auch kein Polizist verletzt und mit einem Krankenwaagen abgeholt worden, sagt Arnold. Die von der Polizei Festgenommenen hätten im Polizeifunk mitbekommen, dass es keine verletzten Polizisten gegeben hatte.

„Insgesamt sind fünf Schüsse gefallen“, so Arnold weiter. Mit zwei Schüssen hintereinander wäre Ursache niedergestreckt worden. Im Fallen hätte er einen Schuss zurückgefeuert, sagt der Zeuge. Arnold zufolge seien die ersten Schüsse von den SEK-Beamten abgefeuert worden. Die Polizei gab ihrerseits an, Ursache habe das Feuer eröffnet.

Adrian Ursache überlebte den Vorfall durch den raschen Einsatz der Ärzte und mit viel Glück. Vor zwei Tagen wurden die ersten Bilder von ihm aus einem Krankenhaus in Leipzig im Internet verbreitet.

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Haftbefehl gegen Ursache

Gegen Ursache gebe es nach Angaben der „Mitteldeutsche Zeitung“ bereits einen Haftbefehl. Die Staatsanwaltschaft habe sich dazu zunächst nicht äußern wollen, heißt es. Der Haftbefehl sei noch nicht verkündet.

Einer der Unterstützer des 41-Jährigen sitzt derzeit in Untersuchungshaft, berichtet „Focus-Online“. (Er wurde in den Videos oben als vermisst erwähnt). Der Verdächtige soll bei dem Großeinsatz in Reuden im Burgenlandkreis Steine auf Polizisten geworfen und einen Beamten gebissen haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag zur Zeitung. Wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung sei er verhaftet worden.

Die Aufarbeitung der Geschehnisse würde noch andauern. Die Polizei wolle nun die Zeugen befragen. Es soll auch geklärt werden, von wem die Schießerei ausging und ob der Polizeieinsatz angemessen war. (so)