Diplomat: „Viele Muslime schotten sich unter Berufung auf den Islam von Gesellschaft ab“

Die Integration muslimischer Einwanderer klappt nur bedingt in Deutschland. Während sich einige der Gesellschaft anpassten, gibt es immer noch viel zu viele die "beschränkt seien in ihrer wörtlichen Gläubigkeit an Aussagen des siebten Jahrhunderts", so Alfred Schlicht, Autor des Buches "Gehört der Islam zu Deutschland?"

Wir können nicht einfach sagen, „es gibt viele Muslime und damit gehört der Islam zu Deutschland. Sondern wir müssen sehen, dass wir den Islam und die Muslime zu deutschland-kompatiblen Mitmenschen hier machen. Denn sie sind es nicht immer.“

Diese Worte stammen von Alfred Schlicht, Autor des kürzlich erschienenen Buches „Gehört der Islam zu Deutschland?“ Der „Deutschlandfunk“ hat ihn zum Thema interviewt und wollte dabei wissen, ob man diese Frage angesichts von mindestens viereinhalb Millionen Muslimen in der Bundesrepublik überhaupt stellen könne.

Ganz einfach ließe sich hier keine Antwort finden, sagt Schlicht, dafür habe er ja das Buch geschrieben. Man könne aber sagen, dass wir eine ganz große Anzahl von Muslimen haben, die hier angekommen sind. Muslime, die sich mit dem modernen Leben, mit der modernen Gesellschaft, mit dem Rechtsstaat, mit der Demokratie sehr gut arrangiert hätten. Und wir hätten natürlich leider immer noch Muslime, die beschränkt seien in ihrer wörtlichen Gläubigkeit an Aussagen des siebten Jahrhunderts. Und die müssten wir erst in unsere Realität hineinführen, meint der Autor.

Im Buch stehe viel über mangelnde Integration vieler Muslime in Deutschland, über ihre Weigerung, demokratische Werte anzuerkennen, über Parallelgesellschaften, Ehrenmorde, Radikalisierung. Was hat das mit der Religion zu tun, fragt Dlf? Schlicht:

„Die Religion schottet die Menschen ab. Da gibt es sehr viele Aussagen im Koran, in der Sunna, in der Rechtsliteratur. Zum Beispiel: „Nehmt Juden und Christen nicht zu Freunden“, steht in Sure 5 des Korans. „Tötet die Heiden, wo ihr sie findet“, in Sure 9, „Die Ungläubigen sind Schmutz“, auch in Sure 9. „Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott glauben, bis sie kleinlaut Tribut bezahlen“ – und derartige Äußerungen, wenn sie wörtlich genommen werden, so wie sie im siebten Jahrhundert gemeint waren, sind natürlich ein Hindernis für Integration.“

Trotz allem hätten viele Muslime in unserer Gesellschaft schon bewiesen, dass sie konstruktive Elemente unserer Rechtsstaaten seien, erklärt der Diplomat, der schon in islamisch geprägten Ländern gelebt hat. Aber es gebe eben noch viel zu viele Muslime, die das nicht tun würden, sagt er.

„Das sehen wir an den Parallelgesellschaften, den Familienclans, die kriminell sind. Gerade in der letzten Woche kam im RBB-Fernsehen hier in Berlin wieder ein Beitrag über Schwerstkriminalität in Berlin, wo wir gesehen haben, wie weit viele Muslime noch entfernt sind. Und da gehen Kriminalität und Radikal-Islamismus oft ineinander über.“

Inwiefern er sicher sein könne, dass dieses Beispiel Kriminalität oder mangelnde Integration tatsächlich mit der Religion zu tun habe, will der Dlf weiter wissen. Es könne ja auch an einem Bildungsdefizit liegen oder an mangelnden Sprachkenntnissen?

Schlicht meint, dass da sehr viel zusammenkomme:

„Viele Muslime glauben, dass sie der hiesigen Gesellschaft weit überlegen sind. Es gibt ja auch im Koran, Sure 3, Vers 110, die Aussage: „Ihr seid die beste Gemeinschaft“. Und viele Muslime glauben auch, dass sie, egal wie die Realität um sie herum ist, eigentlich von uns nichts lernen können und dass die einzige Möglichkeit, Probleme unserer Zeit zu lösen, im Koran sei. Und insofern ist es traurige Realität, dass viele Muslime sich unter Berufung auf den Islam von unserer Gesellschaft abschotten.“

Der Islam sei deshalb keine Religion der Gewalt, so der Autor weiter, hätte aber Gewaltpotential. Während die sehr konservativen Muslime eine sehr wörtliche Auslegung praktizierten, seien die modernen Muslime so weit gekommen, Aussagen, wie sie im Koran vorkommen oder in der Sunna, als zeitbedingt zu sehen, als historisch einzuordnen und in der Interpretation jeweils anzupassen, so Schlicht.

„Zum Beispiel ‚Dschihad‘, das wird sehr häufig als Krieg im Namen Gottes verstanden, kann aber natürlich auch ein ganz normales, moralisches Bemühen im Namen Gottes sein, muss nicht militärisch gesehen sein. Das ist eine Frage der Interpretation. Und wer bereit ist zu interpretieren und den Islam im Licht der Moderne zu sehen, kann ihn durchaus verändern. Wer ihn aber natürlich nur wortwörtlich verstanden wissen will, der bleibt befangen in den Konzepten des siebten Jahrhunderts.“

Und deshalb dürften die friedlichen Muslime auch nicht passiv sein, fordert der Diplomat. Diese müssten versuchen, die konservativen, salafistischen, gewaltbereiten Muslime aus ihrer selbstgewählten Isolation holen und auch eben aus dieser Befangenheit. Das könnten nur die Muslime tun, nicht wir, sagt Schlicht.

(mcd)

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