Berliner Anschlag: „Dokument“ in Todes-Lkw gefunden – Fahndung nach Anis A., Tunesier, 8 Identitäten

In NRW wird derzeit nach dem Tunesier Anis A. gefahndet – einem Mann, der acht verschiedene Identitäten und Kontakt zum IS haben soll. Ein "Dokument" zu seiner Identität sei „im Fußraum des Führerhauses“ des Berliner Todes-LKWs gefunden worden. Diese Nachricht kam fast 40 Stunden nach dem Anschlag.

„Im Fußraum des Führerhauses“ des Berliner Todes-LKWs sei ein „Dokument“ gefunden worden: Es handele sich um eine Duldung mit den Personalien, berichtet der „Focus“. Laut „Bild.de“ waren die Papiere unter dem Fahrersitz versteckt.

Nun steht laut Sicherheitsbehörden eine Polizei-Aktion in NRW kurz bevor, berichtet die Dpa.

Aus den gefundenen Ausweisdokumenten geht laut „Spiegel“-Informationen folgendes hervor: Der Verdächtige heiße Anis A. und sei 1992 in Tataouine geboren worden. Die Ermittler sollen beim Generalbundesanwalt bereits eine Öffentlichkeitsfahndung beantragt haben. Die Fahndung läuft mittlerweile bundesweit mit zwei Bildern des Mannes.

Die Dokumente, die im LKW gefunden wurde, sollen im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen ausgestellt worden sein, berichtet die „Bild“. Der betreffende Tunesier, sei der Polizei wegen Körperverletzung bekannt, habe aber nicht angeklagt werden können, weil er untergetaucht sei, schreibt „Bild.de“. Der Mann gelte als Gefährder, der eingebettet sei in ein großes Islamisten-Netzwerk.

Kontakt zur „Nummer 1 des IS“ in Deutschland

Der „Berliner Kurier“ weiß mehr über die unterschiedlichen Identitäten, die Anis A. benutzt – insgesamt sollen es acht verschiedene sein, laut RP-Bericht sogar zehn:

Er nannte sich zum Beispiel auch Ahmed A. und gab verschiedentlich auch an, dass er am 1.1. 1995 in Alexandria (Ägypten) geboren worden sei. Außerdem verkehrte er unter der Personalie Mohammed H., angeblich geboren im Oktober 1992.

Weil der Mann als gefährlich gilt, sind die Polizisten angehalten, vorsichtig zu sein. Ahmed A. sei polizeibekannt, unter anderem wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung.

„Tagesschau.de“ berichtet, Anis A. unterhielt Kontakte zum Netzwerk des unlängst verhafteten Abu Walaa – der „Nummer 1 des IS in Deutschland“.

Er reiste 2012 über Italien ein

Über den Weg von Anis A. nach Deutschland wird folgendes berichtet: Der Gesuchte reiste 2012 nach Italien ein und kam 2015 hier. Im April 2016 erhielt er Asyl in Deutschland. Er habe sich in Nordrhein-Westfalen und Berlin aufgehalten, schreibt „Tagesschau.de“. Laut „Focus“ hatte er Wohnsitze in Berlin und Dresden.

RP-Online schätzt sein wahres Alter auf 21-23 Jahre.

Nach Informationen des „RBB“ soll Anis A. verletzt sein, weswegen die Ermittler alle Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg durchsuchten. Gleichzeitig wurden umfangreiche Polizeimaßnahmen in NRW angekündigt.

Sein Handy wurde überwacht

„Süddeutsche Zeitung“, WDR und NDR berichten, dass die Polizei die Telekommunikation des Terrorverdächtigen überwacht habe. „Unklar ist, wie A. aus dem Blickfeld der Sicherheitsbehörden geraten konnte“, schreibt „Spiegel Online“.

Er sollte abgeschoben werden

„Spiegel Online“ berichtet, wie Anis A. die Asylbehörden mit seinen vielen Identiäten an der Nase herumgeführt habe: Im Sommer 2016 schließlich hatten die Behörden genug. Vertrauliche Unterlagen belegen, dass Anis A. abgeschoben werden sollte. Nach einem Beschluss des Amtsgerichts Ravensburg soll A. am 30. Juli in Abschiebehaft in die örtliche Justizvollzugsanstalt gebracht worden sein. Ob die Abschiebung durchgeführt wurde, ist unklar.“

Anis A. hatte engen Kontakt zu radikalen Predigern in Hildesheim und Duisburg. Deren Räumlichkeiten waren erst vor wenigen Wochen durchsucht worden, meldet „Report München“. Die Prediger stehen unter Verdacht, junge Menschen für den IS rekrutiert zu haben.

Über 500 Hinweise nach Anschlag

Laut „Bild“ arbeite die Polizei derzeit 500 verschiedene Hinweise ab: „Viele Dinge können wir jetzt nicht verraten“, sagte dazu André Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. „Aber wir haben sehr viele Ansatzpunkte, viele Zeugen, viele Vernehmungen, DNA-Spuren, Fingerabdrücke, Telekommunikationsspuren. Da habe ich großes Vertrauen in die Polizei in Berlin und in das BKA.“