Dresden: Nordafrikanische U-Bahn-Schubser doch noch verhaftet – Bahngast ins Gleisbett gestoßen – Vollbremsung verhindert Tragödie

Die beiden U-Bahn-Schubser von Dresden-Zschachwitz kommen nun doch in Haft. Weitere Ermittlungen gegen die Männer aus Marokko und Libyen hätten diese Wende im Fall ergeben. Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch das Land, als die Staatsanwaltschaft die gefassten Täter zunächst wieder auf freien Fuß setzte - kein Haftgrund.

Ein Aufschrei ging durch die Republik: Zwei Asylbewerber aus Marokko und Libyen stoßen am frühen Freitagmorgen des 17. März einen 40-jährigen Fahrgast auf dem Weg zur Arbeit an der S-Bahn-Station Zschachwitz ins Gleisbett und lassen ihn nicht mehr hoch, wie „Tag24“ aus Dresden berichtet. Doch die Staatsanwaltschaft lässt sie wieder laufen, da wegen des festen Wohnsitzes kein Haftgrund bestünde.

Todesgefahr – Kein Feuer für Nordafrikaner

Der Vorfall ereignete sich am frühen Freitagmorgen des 17. März 2017 an der S-Bahn-Haltestelle Dresden-Zschachwitz. Gegen 4.41 Uhr stieg Renè J. aus der S-Bahn, steckte sich noch schnell eine selbstgedrehte Zigarette in den Mund, zündet sie an. Nur noch wenige Minuten hat er auf dem Weg zur Arbeit. Zwei betrunkene Männer steigen mit ihm aus.

Sie kamen auf mich zu, zeigten auf meine Zigarette, sprachen kein Deutsch. Ich sagte Nein, wollte los. Da trat der Haupttäter mit voller Wucht gegen mein Fahrrad. Ich packte ihn, drückte ihn gegen einen Pfosten. Der andere schubste mich weg. Es gab eine Rangelei, aber die Aggressivität ging nicht von mir aus.“

(Renè J., 40)

Einer der beiden stößt sein Fahrrad gegen ihn, worauf er einen Meter in die Tiefe auf die Bahngleise stürzte.

Im Anschluss versuchte der 40-Jährige, wieder mit seinem Fahrrad auf den Bahnsteig zu gelangen, dabei wurde er von einem der Angreifer permanent mit Fußtritten daran gehindert.“

(Holger Uhlitzsch, Sprecher der Bundespolizei)

Renè J. sagte, dass er sein Fahrrad wieder auf den Bahnsteig hinaufwarf, doch einer der Angreifer warf es wieder auf ihn hinab, trat mit dem Fuß nach ihm.

Doch die tödliche Gefahr nahte bereits. Der 40-Jährige hörte eine laute Hupe, die S-Bahn in Richtung Dresden fuhr ein.

Ich war wie gelähmt, hörte nur das Quietschen der Bremsen, sah Funken fliegen – ich dachte, das war’s. Ende.“

(Angriffsopfer)

Der Lokführer reagierte geistesgegenwärtig und brachte den Zug zum Stehen, wenige Meter, bevor er den 40-Jährigen erreichte. Ihm ist nicht nur Renè J. von Herzen dankbar, sondern auch dessen Frau und dessen Stieftochter.

Die beiden Angreifer flüchteten, wurden jedoch kurz darauf von der Bundespolizei in einer anderen S-Bahn festgenommen.

Keine Fluchtgefahr – Staatsanwaltschaft lässt laufen

Bei den beiden Tätern handelt es sich um zwei polizeibekannte Personen, einen jungen Marokkaner (23) und einen 27-jährigen Libyer. Einen Fahrausweis hatte keiner von beiden, dafür waren beide mit zwei Promille reichlich alkoholisiert. Einer der Männer hatte zudem vier Haschischstücke bei sich.

Das Unglaubliche: Die Staatsanwaltschaft Dresden lässt die beiden Asylbewerber noch am selben Tag auf freien Fuß. Die Ermittlungen beziehen sich nur auf gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr, so „Tag24“ weiter.

Die Begründung:

Wir sind zu der Einschätzung gekommen, dass ein dringender Tatverdacht für ein versuchtes Tötungsdelikt nicht vorliegt.“

(Lorenz Haase, Oberstaatsanwalt)

Wie der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, bestehe keine Fluchtgefahr, da die Flüchtlinge feste Wohnsitze hätten. Ein Haftgrund sei deshalb nicht gegeben.

Vor der Arbeit dem Tod ins Auge geschaut

Das Opfer ist da anderer Ansicht: „Für mich war das ein Mordversuch!“, sagte der 40-Jährige. „Die wollten mich nicht wieder hoch lassen. Ihre Gesichter werde ich nie vergessen …“, so der Familienvater, der die Strecke seit sechs Jahren zur Arbeit fährt.

„Täter, die so etwas tun, egal welcher Nationalität, gehören hinter Gitter“, so René J., der diesen Freitagmorgen wohl nie vergessen wird: Gerade noch war er auf dem Weg zur Arbeit, um sich plötzlich um kurz vor 5 Uhr morgens im Gleisbett des einfahrenden Zuges wiederzufinden.

Ich war panisch, wollte einfach nur wieder hoch klettern und zurück auf den Bahnsteig. Ich habe nicht an andere Möglichkeiten gedacht.“

(René J., Angriffsopfer)

Für die Staatsanwaltschaft war das offenbar unerheblich: „Es bestand für das Opfer eine Fluchtmöglichkeit über das Nachbargleis. Diese Fluchtmöglichkeit war für die Beschuldigten klar erkennbar“, rechtfertigt Sprecher Lorenz Haase die Freilassung.

Doch auch dieser scheinbare Ausweg hätte schnell zur Todesfalle werden können, da über das benannte Nachbargleis regelmäßig Güterzüge ohne Halt donnern. Ohnehin ist es fraglich, dass sich das Opfer der Attacke rechtfertigen muss, dass es versucht hatte, wieder auf den Bahnsteig zu klettern, als der Zug kam, anstatt auf gut Glück über die anderen Gleise zu rennen.

Staatsanwaltschaft revidiert Entscheidung

Die Entscheidung der Justizbehörde sorgte bundesweit für Entsetzen, so „Tag24“ im Folgebericht. Am heutigen Dienstagmorgen dann die Entscheidung, die beiden Asylbewerber aus Marokko und Libyen zu verhaften.

Die Haftbefehle wurden wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr erlassen.“

(Lorenz Haase, Oberstaatsanwalt)

„Die weiter geführten Ermittlungen haben ergeben, dass ein dringender Tatverdacht hinsichtlich des versuchten Totschlags vorliegt. Daher hat die Staatsanwaltschaft die Haftbefehle beantragt“, erklärt der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft.