Drogenszene auf Campus „schlimm wie nie“: Uni Essen investiert massiv in Sicherheit

Von 22. November 2016 Aktualisiert: 2. Dezember 2016 0:41
Die Drogenszene von Essen hat ein Problem: Übliche Umschlagplätze wurde zugebaut. Deshalb weichen Dealer und Kunden auf den Campus der Universität aus. Die Uni ist dadurch zu teuren Sicherheitsmaßnahmen gezwungen.

Der Kampf gegen Drogenkriminalität zwingt die Universität Duisburg-Essen zu völlig neuen Maßnahmen. „Eine Drogenszene gab es damals schon, aber so schlimm war es noch nie“, berichtet Uni-Vertreterin Eva Zeppenfeld. „Der Unmut an der Hochschule ist groß“, sagt die Vorsitzende des wissenschaftlichen Personalrats.

Das Drogenproblem verschärfte sich nach der Fertigstellung des neuen Universitätsviertels. Durch die Bebauung einer Brache zwischen Berliner Platz und Rheinischem Platz hat die Drogenszene einen Rückzugsraum verloren. Deshalb weichen Dealer und Kunden auf den Uni-Campus aus, berichtet „Der Westen“.

Zeppenfeld kann den Drogenhandel jetzt von ihrem Arbeitsplatz aus beobachten. Einer nimmt das Geld entgegen, ein anderer gibt den Stoff aus…

Nun läuft die Planung eines Kamerasystems für den Rheinischen Platz auf Hochtouren. Am Montag steckten Spezialisten das Sichtfeld der Kameras ab. Ende des Jahres sollen die Objektive der Polizei messerscharfe Bilder rund um den dortigen U-Bahnhof liefern. Dieser ist mittlerweile einer der größten Drogen-Umschlagsplätze in Essen.

Immer mehr Spritzbesteck auf Fluren und Toiletten

Auf dem nahe gelegenen Uni-Campus werden in letzter Zeit immer wieder gebrauchte Spritzbestecke auf Toiletten und Fluren gefunden. Studierende und Mitarbeiter müssten damit rechnen, Junkies zu begegnen, die sich gerade einen Schuss gesetzt haben, so die Sprecherin der Hochschule, Beate Kostka.

Deswegen hat die Hochschule nun auch ihren privaten Sicherheitsdienst verstärkt. Zudem wurde in Treppenhäusern des Parkhauses blaues Licht installiert. Diese Beleuchtung soll Junkies erschweren, sich die Nadel zu setzen. Auch wurden Sträucher zurückgeschnitten, die Dealern als Drogenversteck dienen.

Der finanzielle Aufwand der Hochschule ist erheblich, sagt Kostka – nennt aber keine konkreten Zahlen. Weitere Maßnahmen seien geplant, aber noch nicht spruchreif. Laut Zeppenfeld sollte man auch „darüber nachdenken“ Mitarbeiter von Sicherheitspersonal zum Auto begleiten zu lassen. An der Ruhr-Uni Bochum gibt es bereits diese Option, berichtet „Der Westen“.

Ob die Einrichtung der Überwachungskameras die Situation verbessern wird, bleibt abzuwarten. Im schlimmsten Fall könnte die Szene dadurch noch weiter auf den Campus gedrängt werden. Experten versprechen jedoch, dies werde nicht passieren. Koska hofft, sie behalten damit Recht.

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