Euskirchen: Gewaltbereiter Mitschüler trat Eric (12) wegen Yu-Gi-Oh-Karten gegen den Kopf – Opfer weiterhin im künstlichen Koma – Weitere Zeugen gesucht

Die Polizei sucht nach weiteren Zeugen des Vorfalls: Der tatverdächtige Mitschüler (12) wurde gestern Nachmittag im Beisein seiner Eltern vernommen. Schüler hatten ausgesagt, dass die Jungen Yu-Gi-Oh gespielt hätten. Weil Eric ständig gewonnen habe, flippte der als gewaltbereit geltende Mitschüler aus. Im Schulhaus trat er ihm gegen den Kopf. Kurz darauf wurde Eric von einer Lehrerin taumelnd im Schulflur angetroffen und ins Lehrerzimmer gebracht, wo er zusammenbrach. Der alarmierte Notarzt brachte ihn ins örtliche Marien-Hospital, von wo aus es per Rettungshubschrauber in eine Kölner Spezialklinik ging.

+++UPDATE+++Wie Schüler der Gesamtschule berichteten, hätte der schwer verletzte Eric (12) mit den anderen drei Jungs mit japanischen Yu-Gi-Oh-Sammelkarten gespielt. Dabei habe Eric ständig gewonnen. Der mutmaßliche Täter habe sich dann an ihm gerächt, indem er den 12-Jährigen attackierte und brutal gegen den Kopf getreten haben soll. Die Tat ereignete sich offenbar im Hauptgebäude der Schule.

Faßbender machte klar: Auch wenn sich der Verdacht weiter erhärten sollte, müsste sich der junge Täter nicht vor Gericht verantworten. Allerdings sei das Jugendamt eingeschaltet worden, so der Oberstaatsanwalt.

Die Mordkommission bittet weitere Schüler, die etwas beobachtet haben, sich mit ihren Eltern mit den Ermittlern in Verbindung zu setzten: Telefon 0228/150 oder 02251/7990.

12-jähriger Tatverdächtiger vernommen

Im Beisein seiner Erziehungsberechtigten wurde der 12-jährige Tatverdächtige am Samstagnachmittag in der Kreispolizeibehörde Euskirchen vernommen, wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender bestätigte. Dabei soll sich der als gewaltbereit geltende Schüler nicht sehr einsichtig gezeigt haben.

Dem Schüler wird vorgeworfen, einen gleichaltrigen Mitschüler während der Schulzeit so brutal geschlagen zu haben, dass dieser mit schweren, von außen nicht sichtbaren Kopfverletzungen letztendlich in eine Spezialklinik geflogen werden musste. Eine Lehrerin hatte den Schüler taumelnd im Schulflur entdeckt, berichtet „Bild“.

Derzeit soll der Junge in der Neurologischen Klinik Köln-Mersheim im künstlichen Koma liegen. Oberstaatsanwalt Robin Faßbender sagte auch am Samstag laut „Kölner Express“:

Er befindet sich weiterhin in intensivmedizinischer Behandlung.“ (Robin Faßbender, Oberstaatsanwalt)

Über das Tatmotiv ist weiterhin nichts bekannt. Wähend der Ermittlungen durchsuchten Polizisten sämtliche Mülleimer des oberen Schulhofs. Ob sie dabei nach einer möglichen Tatwaffe oder anderen Dingen suchten, wurde nicht veröffentlicht. Auch über die Nationalität des verdächtigten Schülers wurde nichts ausgesagt.

Nach deutschem Recht ist der mutmaßliche Täter wegen seines Alters schuldunfähig.

Tatmotiv noch unklar – offenbar wegen Kleinigkeit

„Es sind ganz, ganz massive Verletzungen, die nicht anders erklärbar sind als mit massiver Gewalteinwirkung in den Körper”, erklärte Staatsanwalt Robin Faßbender am Freitag, wies aber darauf hin, dass noch unklar sei, was genau passiert sei.

Die schweren Kopfverletzungen des Jungen aus der 7F der Gesamtschule Euskirchen waren äußerlich nicht sichtbar. Offenbar konnte der Schüler noch etwas über beteiligte Personen sagen, bevor er von den Ärzten in künstlichen Schlaf versetzt wurde.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, während der Junge in der Neurologischen Spezialklinik in Köln-Merheim um sein Leben kämpft.“

Bald schon nach dem Beginn der Ermittlungen soll es einen engen Kreis von Tatverdächtigen im selben Alter wie das Opfer gegeben haben, berichtete der „Kölner Express“. Offenbar kam es im  Vorfeld der Prügel-Attacke zu Unstimmigkeiten zwischen Opfer und Tätern, keine unter Kindern unübliche Angelegenheit, eine Kleinigkeit eigentlich. Jedoch schockte die daraus resultierende Brutalität der Gewalttat sogar erfahrene Ermittler.

Freitag: Krisenstab und große Schweigen

Die Untersuchungen der Behörden konzentrieren sich derzeit insbesondere auf den Bereich der Schule, so Staatsanwalt Faßbender. „Wir meinen zu wissen, wo es war.” Es würden noch Vernehmungen stattfinden, diese seien aber noch nicht abgeschlossen, teilte die „Aachener Zeitung“ mit.

Am Freitag wurde gegen 13.30 Uhr im Lehrerzimmer der Euskirchener Gesamtschule ein Krisenstab aus mehreren Beamten der Mordkommission, der Inklusionsfachberaterin der Schule, einem Abteilungsleiter, der stellvertretenden Schulleiterin und der Schulsekretärin gebildet.

„Wir sind noch in der Findungsphase und können aus ermittlungstechnischen Gründen nichts sagen“, sagte Kriminalhauptkommissar Wolfgang Giesen auf Nachfrage der „Kölner Rundschau“. Der Fall werde sehr ernst genommen, die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.

Merkwürdigerweise wurden dabei auch sämtliche Mülleimer auf dem oberen Schulhof nach Beweismaterial durchsucht.

Doch weder die Sprecherin des Bürgermeisters Dr. Uwe Friedl, Silke Winter, noch Schulleiter Thomas Müller konnten oder wollten Details zum Fall sagen: „Ich kann und darf leider auch nicht wirklich etwas sagen“, so Müller.

Auch Polizeisprecher Frank Piontek verwies auf eine bewusste Informationszurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit vor Abschluss der Ermittlungen. „Im Zuge der Ermittlungen“ habe es Hinweise gegeben, „dass andere Schüler den Zwölfjährigen verletzt haben könnten“, so Piontek. Da es sich um ein Umfeld minderjähriger Personen handeln könne, seien deren Persönlichkeitsrechte besonders geschützt.

Donnerstagnachmittag in der Gesamtschule Euskirchen

Am Donnerstagnachmittag fand eine Lehrerin den Jungen in einem der Schulgebäude. Er wirkte benommen und klagte über starke Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Die Lehrerin brachte ihn ins Lehrerzimmer, wo er betreut und mit einer Kühlmanschette erstversorgt wurde, so die „Kölner Rundschau“. Dann sei der Schüler plötzlich kollabiert.

Die Lehrerin alarmierte daraufhin gegen 14.30 Uhr den Notarzt, der den 12-Jährigen stabilisieren konnte und ihn sofort ins örtliche Marien-Hospital brachte, berichtete der „WDR“.

Dort wurden nach ersten Untersuchungen lebensgefährliche Verletzungen festgestellt, worauf der Weitertransport per Rettungshubschrauber in die Spezial-Klinik nach Köln-Merheim angeordnet wurde. Aufgrund der Art der von außen kaum sichtbaren schweren Kopfverletzungen wurde die Polizei alarmiert.

Erste Hinweise auf Gewalteinwirkung

Ein Polizeisprecher klärte dem zum WDR-Studio Bonn gegenüber auf, dass sich der Schüler nicht bei einem Sturz verletzt habe.

Es haben sich Hinweise darauf ergeben, dass andere Schüler den 12-Jährigen verletzt haben könnten.“

(Polizeisprecher Frank Piontek)

Die Polizei setzte eine Mordkommission ein. Deren Leiter, Kriminalhauptkommissar Dietmar Kaiser hat bereits einen möglichen Täter im Visier. Laut Staatsanwaltschaft sei der Junge zunächst ansprechbar gewesen und habe entsprechende Aussagen gemacht, offenbar, bevor er notoperiert wurde.

Psychologische Betreuung für Schüler

Die stellvertretende Schulleiterin der Gesamtschule Euskirchen sagte der „Bild“: „Da die Ermittlungen laufen, dürfen wir zu der Sache nichts sagen.“ Nach Informationen des Blattes erlitt der Schüler unter anderem schwere Kopfverletzungen.

Freia Johannsen, Sprecherin der Kölner Bezirksregierung sagte: „Wir wurden von der Polizei informiert, haben uns direkt mit dem Schulleiter zusammengesetzt.“ Weiterhin wurde ein Krisenbeauftragter sowie der schulpsychologische Dienst eingeschaltet, falls Schüler oder Lehrer über die Tat sprechen wollten.

Wie „Bild“ weiter berichtet, war selbst der erfahrene Bonner Oberstaatsanwalt Robin Fassbender über den Fall verwundert: „So ganz zu verstehen ist das alles nicht. Einen 12-Jährigen als Opfer eines Gewaltangriffs hatte ich auch noch nicht.“

Siehe auch:

Euskirchener Prügel-Täter unter 14 Jahren – § 19 StGB und die „Schuldunfähigkeit des Kindes“