Facebook-„Wahrheitsprüfer“ Correctiv will nur Alternativmedien auf „Fake News“ prüfen – Was wird als „Fake News“ gekennzeichnet?

Die "Fake News"-Debatte erreicht mit dem Engagement der "Warheitsplattform" Correctiv wahrscheinlich ihren Höhepunkt. Die von Facebook beauftragten "Wahrheitsprüfer" sollen nun über "Wahrheit" und "Lüge" bestimmen. Unter welchen Kriterien Correctiv sogenannte "Fake News" aussieben wird, ist noch unklar.

Es gibt eine neue Zentrale für „Wahrheitsprüfung“ im Internet: Das Portal Correctiv. Das Komitee soll im Auftrag von Facebook gegen sogenannte „Fake News“ vorgehen.

Der Geschäftsführer ist David Schraven. Er kann auf eine langjährige Journalistenkarriere zurückblicken. Von der „Süddeutschen Zeitung“ über „Die Welt“ bis hin zu dem Blog „der Ruhrbarone“ hat er alles durch. An wohlhabenden Sponsoren – wie den Milliardär George Soros – mangelt es der Plattform nicht. Schraven hat rund zwanzig Mitarbeiter, die mit ihm nun über „Wahrheit“ und „Lüge“ in Berichten auf Facebook bestimmen werden.

Der Correctiv-Chef erklärte im Interview mit „Meedia“, dass sein Team wahrscheinlich nur die Alternativen Medien auf „Fake News“ prüfen werde.

„Grundsätzlich kann alles geprüft werden. Gerade bei den klassischen Pressemedien haben wir aber schon eine ziemlich gut wirkende Selbstkontrolle. Da gibt es den Presserat, in den einzelnen Häusern gibt es Ombudsmänner, Leser-Beiräte und sonstige Sachen. Jeder macht mal einen Fehler. Da würde ich grundsätzlich darauf vertrauen, dass diese erprobten Instrumente der Selbstkontrolle funktionieren. Deswegen kann man sich die Arbeit an dieser Stelle wohl sparen. Wenn da einer großen Mist baut, landet das in der Regel beim Presserat,“ so Schraven.

Doch welche Nachrichten werden auf Facebook künftig als „Fake News“ gekennzeichnet werden? Diese Frage kann der Chef der „Wahrheitsprüfer“ bislang nicht genau beantworten.

Am vergangenen Freitag beantwortete Schraven einige der „häufigst gestellten Fragen“ auf der Correctiv-Seite. Zur Frage „Zensiert ihr Inhalte?“ heißt es dort:

„Nein, das ist falsch. Zensur geht in der Regel von staatlichen Stellen aus. Wir sind uns der angesprochenen Problematik aber sehr bewusst. Wir sehen es als Gefahr, dass man Berichte, deren politische oder gesellschaftliche Haltung einem nicht passt, kritischer bewertet als andere. Aber erstens wählen wir die Artikel, die wir überprüfen, nicht beliebig aus (dies geschieht in der Testphase ausschließlich aufgrund von Meldungen von Facebook-Nutzer*innen, außerdem müssen die beanstandeten Posts eine gewisse Verbreitung erreicht haben). Zweitens, und das ist entscheidend, prüfen wir keine unliebsamen Meinungen, sondern Fakten oder Tatsachenbehauptungen.“

Ein Heise-Reporter wollte es genauer wissen und hakte bei Schraven nach. Er fragte, nach welchen Kriterien die Plattform denn „unliebsame Meinungen“ von „Tatsachenbehauptungen“ unterscheiden wolle.

„Gehören Zitate wie:

Trump gefährdet die Demokratie.
Angela Merkel ist eine Marionette der USA.
Putin bedroht die Sicherheit Europas.

zu Meinungen oder Tatsachenbehauptungen?“, fragt der Heise-Mann.

„Welche präzisen Kriterien will Correctiv zur Trennung der Begriffe anlegen? Wann ist eine Aussage ein Fall für den Faktencheck und wann nicht? Wenn man keine Meinungen zensieren will, muss das dann nicht vorab geklärt werden? Was wird als ‚Fake News‘ gekennzeichnet?“, fragte der Heise-Reporter, Schraven weiter.

Und was wäre beispielsweise mit Nachrichten die Zitate enthalten wie:

Russland hat die US-Wahlen manipuliert.
Die Anschläge von 9/11 waren ein Inside Job.
Assad hat Giftgas gegen sein eigenes Volk eingesetzt.
Den Bürgerkrieg in der Ostukraine hat nicht Moskau begonnen, sondern Kiew.

Dies seien alles strittige Zitate, für die kein öffentlicher Konsens über ihre Wahrheit besteht. Sollte Correctiv jedoch Berichte mit solchen Tatsachenbehauptungen auf Facebook einschränken, handele es sich dabei bereits um Zensur, betont der Heise-Reporter.

Zudem wollte der Journalist auch wissen, ob es noch weitere Kriterien gebe „Fake News“ auszusieben? Dazu meinte der Correctiv-Chef Schraven nur: Er habe „derzeit nicht mehr zu sagen“. Vielleicht später, „wenn wir so weit sind“. Und auf die Frage, ob diese Kriterien – wenn sie einmal ausgearbeitet sind – dann transparent für die Öffentlichkeit sein werden, bekam der Heise-Reporter von Schraven bis Montag keine Antwort. (so)

Siehe auch:

Initiative gegen „Fake News“: Facebook engagiert „Correctiv“-Journalisten als „Wahrheitsexperten“