Flughafenplaner: „Wahrscheinlich, dass BER gar nicht eröffnet“

Der Berliner Großflughafen BER werde vor 2020 nicht eröffnet – wenn überhaupt, schätzt der Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa.

Dem Berliner Großflughafen BER droht das Aus – zumindest wenn es nach Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa geht.

„Ich halte es inzwischen für wahrscheinlich, dass der BER gar nicht eröffnet“, sagte er am Dienstag der Zeitung „Potsdamer Neueste Nachrichten“ (PNN).

Faulenbach da Costa hatte bereits 2015 den offiziellen Rahmentermin analysiert. Sein Ergebnis damals: Der BER werde „vielleicht im dritten Quartal 2019“ eröffnet – aber nur, „wenn man in Berlin ab sofort ordentlich arbeitet“.

„Das war offensichtlich nicht der Fall“, meint Feuerbach de Costa jetzt. Deswegen werde der Flughafen vor 2020 nicht eröffnet – wenn überhaupt, so der Flughafenplaner.

Probleme mit Sprinklern und Brandschutz

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup wolle so bald wie möglich einen Eröffnungstermin nennen. Doch bisher sei der Tag der Flughafen-Eröffnung weiterhin unklar.

„Der Eröffnungstermin hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, mit den fünf entscheidenden Baufirmen – Bosch, Caverion, Siemens, T-Systems und ROM – verbindliche vertragliche Regelungen über die Restbauleistungen und Termine zu treffen“, meinte der BER-Chef Ende Juni.

Probleme gebe es unter anderem noch mit den Sprinklern und den Automatiktüren für den Brandschutz, so Daldrup.

50 Prozent der Türen – 800 Stück – würden inzwischen funktionieren. Das Nachrüsten der Sprinkleranlage werde bis 2018 dauern, so der BER-Chef, wie PNN letzten Freitag berichtete.

Bosch: „Planungsänderungen zerstören bereits bestehende Leistungen“

„Die Planungen liegen noch nicht vor. Und erst danach kann man das Bausoll bestimmen“, meinte der Brandenburger Flughafenkoordinator und Aufsichtsratschef, Rainer Bretschneider. Zurzeit gebe es nicht den gewünschten Baufortschritt, so Bretschneider laut PNN.

Dazu meinte das Unternehmen Bosch in einem Brief am 31. Mai: Permanente Planungsänderungen würden „bereits bestehende Leistungen zerstören“.

Abfertigungskapazität von BER kleiner als geplant

Außerdem werde der BER die offiziell angegebene Kapazität von 27 Millionen Passagieren nicht bewältigen können, analysierte Faulenbach da Costa schon 2012 in einem Gutachten. 22 Millionen Passagiere sei das Maximum, musste die Flughafengesellschaft später eingestehen.

Ausbauten von 2024 bis 2040 – Faulenbach da Costa: „Patchworkplanung“ erinnert an DDR-Zeit

Im Mai präsentierte Lütke Daldrup dem BER-Aufsichtsrat den Entwurf eines Masterplans, wie der Flughafen erweitert werden könne, berichtete PNN letzte Woche. Ausbauten von 2024 bis 2040 sollten die Kapazität des Flughafens auf 55 Millionen Passagiere erhöhen.

Mit dieser „Patchworkplanung“ gehe man nicht auf das wirkliche Problem ein, kritisiert Faulenbach da Costa. Es erinnere an die DDR-Zeit, in der der DDR-Staatschef Walter Ulbricht den Westen „überholen ohne einzuholen“ wollte.

Laut Faulenbach da Costa bräuchte die Hauptstadtregion langfristig sechs weitere Start- und Landebahnen.

Zu lange Wege für Passagiere

Außerdem seien die Wege im Flughafen viel zu lang, beklagt Faulenbach da Costa. So müssten Passagiere 650 Meter vom alten Bahnhof Schönefeld laufen, um an den Terminal zu kommen. Teilweise gebe es sogar Wege von 800 bis 1000 Meter. Im Planfeststellungsbeschluss sei es als unzumutbar eingeschätzt worden, berichtet PNN.

Abfertigungskapazitäten in BER reicht nicht – Tegel soll offen bleiben

Dass Tegel nach dem BER-Start geschlossen werden solle, ruft bei Faulenbach da Costa Unverständnis hervor – die Abfertigungskapazitäten in Schönefeld reichten bei Weitem nicht, merkt er an. „Tegel offen zu lassen ist kein Lustprogramm, sondern zwingende Notwendigkeit“, betont der Flughafenplaner laut PNN. Um ein betriebliches Desaster zu vermeiden, müsse Tegel weiter offen bleiben, so Faulenbach da Costa.

(as)

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