Freiburg, Mordfall Maria: Pflegeeltern und Jugendamt betrogen, Flüchtlingsjunge in Griechenland vergewaltigt

Am gestrigen Verhandlungstag im Mord- und Vergewaltigungsprozess gegen Hussein K. in Freiburg trat erstmals die Pflegemutter des Angeklagten vor Gericht auf. Zudem wurden die Jugendämter gehört. Zudem belastet Zeuge Mahdi H. den Mörder von Maria in einem weiteren Fall schwer.

Landgericht Freiburg, 10. Oktober 2017, 5. Verhandlungstag im Mordfall Maria:

Die Freiburger Pflegeeltern von Hussein K. sagen vor Gericht aus.

Es sind insgesamt neun Zeugen ab 09:00 Uhr geladen […] unter anderem zwei Mitarbeiter von Jugendämtern – der Stadt Freiburg und des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald [… und die] Pflegemutter des Angeklagten.“

(Landgericht Freiburg)

Ein Schützling und seine stolzen Pflegeeltern

Weil Hussein K. bei seiner Registrierung ein falsches Geburtsdatum angab, wurde er als unbegleiteter Minderjähriger eingestuft und kam so in die Obhut von Pflegeeltern, einem Freiburger Kinderarzt und seiner afghanischstämmigen Ehefrau, einer Dolmetscherin für eine Flüchtlingsinitiative.

Er bewohnte eine großzügige Einliegerwohnung im Haus der Gasteltern, bekam reichlich Geld und Unterstützung und besuchte eine private Schule. Feste Regeln, wann er zu Hause sein musste, gab es nicht.

Wie sich vor Gericht herausstellte, kaufte sich der Angeklagte teilweise Drogen und Alkohol von dem Geld, traf sich mit anderen Jugendlichen im Park, trank dort Wodka, rauchte Joints. Zwei Mal die Woche gab es auch Heroin.

Wie der „Spiegel“ schreibt, habe die Pflegemutter Hussein K. manchmal eine Entschuldigung für die Schule geschrieben, weil er wegen Kopfschmerzen morgens nicht aus dem Bett kam. Besonders häufig habe er im November 2016 verschlafen, kurz nach dem Verbrechen …

Als die Nachricht vom gewaltsamen Tod der 19-jährigen Freiburger Medizinstudentin Maria L. bekannt wurde, erzählte auch die Pflegemutter ihren Schützling bei einer Fahrt zum Einkaufen davon und dass die Polizei am Tatort nach Spuren suche und dass solche Taten häufig durch DNA-Analysen aufgeklärt würden.

Doch Hussein K. zeigt keine Reaktion: „Ich weiß nichts davon.“

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, besuchte der vermeintlich Minderjährige zwei Tage später ein Musikfest. Der  afghanische junge Mann meldet sich freiwillig, vor dem großen Publikum ein deutsches Lied zu singen, als wenn nichts gewesen wäre.

Seine Pflegeeltern sind sichtlich stolz, werten es als Zeichen, wie reif und selbstbewusst ihr Hussein inzwischen geworden war, so die Zeitung.

Ein paar Wochen später wurde er verhaftet.

Jugendamt hatte kaum Kontakt

Seit Dezember 2015 war das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald für Hussein K. zuständig. Niemand ahnte hier, dass der junge Afghane längst nicht mehr minderjährig war. Für die Behörde galt er als 15-Jähriger, der am 12. November aus Griechenland über Österreich eingereist war.

„Es war ein ganz gewöhnliches Verfahren“, erklärte die Mitarbeiterin des Jugendamtes Breisgau-Hochschwarzwald. Niemand hatte offenbar das Alter des Afghanen in Frage gestellt oder nachgeforscht. Es gab lediglich einmal ein Gespräch mit Hussein K., man habe der Pflegefamilie und dem Schulträger vertraut. Es habe keine Probleme gegeben und „daher keinen Anlass, einzuschreiten“.

Vor Gericht gab Hussein K. am ersten Prozesstag an, bei seinem Alter gelogen zu haben. Er sei 19 Jahre alt. Doch selbst das glaubt ihm die Staatsanwaltschaft nicht, die mit zwei in Auftrag gegebenen Altersgutachten beweisen will, dass der Angeklagte zur Tatzeit mindestens 22 Jahre alt gewesen sei. Doch dazu mehr im November.

Mitflüchtling beraubt und vergewaltigt

Ein neues schreckliches Detail aus dem Leben des Hussein Khavari wurde nun im Prozess bekannt. Ein Zeuge, Mahdi H., hatte bei der Vernehmung den Ermittlern berichtet, dass der Angeklagte in Griechenland einen jungen Mitflüchtling vergewaltigt habe.

Wie aus dem verlesenen Vernehmungsprotokoll zu entnehmen war, hatte Khavari dem Jungen zuerst sein Geld abgenommen und ihn anschließend zum Sex gezwungen, wie „Bild“ aus der Verhandlung berichtet.

Zudem hatte sich Hussein K., vielleicht im Anbetracht seiner Pläne nach Deutschland zu gehen, in griechischen Bordellen ausgetobt. Der Zeuge gab in der Vernehmung an: „Er hat mir gesagt, dass das dort billiger als in Deutschland ist.“

Weitere Gewalttaten im Iran und in Griechenland

Während seiner Zeit im Iran soll K. auch ein Nachbarskind vergewaltigt haben, ein 12-jähriges Mädchen. Die Familien einigten sich auf eine Prügelstrafe gegen den damals wohl 14-Jährigen.

Im Mai 2013 traf Hussein K., damals mindestens schon 17-jährig, nach einem Barbesuch auf Korfu, Griechenland, auf der Küstenstraße auf eine junge Geschichtsstudentin (20). Der Flüchtling forderte ihre Handtasche, die das Mädchen aus Angst gab. Als Autoscheinwerfer näher kamen, warf er die junge Frau die Klippe hinab. Zehn Meter stürzte sie, überlebte mit Glück schwer verletzt.

Hussein K. wurde im Februar 2014 zu einer Jugendstrafe von zehn Jahren verurteilt, aber im Oktober 2015 gegen Auflagen entlassen.

Einen Monat später war er in der allgemeinen Verwirrung abgetaucht und im Trubel der offenen Grenzen nach Deutschland gekommen.

Die Familie der Studentin hatte angenommen, dass sich Hussein K. immer noch in Haft befindet. Doch im Zuge der öffentlichen Wahrnehmung im Mordfall Maria sagte der Vater der griechischen Studentin:

Ich kann nicht glauben, dass sie ihn freigelassen haben, damit er tötet. In was für einem Staat leben wir?“

(Pantelis Chaidos, Vater des griechischen Opfers)

 

Siehe auch:

Mordfall Maria: Für Hussein K. war „Sex mit einer Toten“ kein Problem – Täter entschuldigt sich bei Familie