„Hau ab“: Kanzlerin Merkel – Ein schwerer Wahlkampfauftritt in Sachsen + Video

Eine der schlimmsten Stationen der bisherigen Wahlkampftour: Hass und lautstarke Proteste schlagen der Kanzlerin bei einem Wahlkampfauftritt im nordsächsischen Torgau entgegen. Mit Brüllerei komme Deutschland nicht voran, sagt Ministerpräsident Tillich, der die Kanzlerin begleitet.

Für die CDU war es einer der schlimmsten Auftritte der bisherigen Wahlkampftour.

Merkel zog trotz lautstarker Proteste ihre gut 30-minütige Rede unter anderem über Steuerpolitik, Anti-Terrorkampf und Bildungschancen unbeirrt durch – trotz „Buh“- und „Volksverräter“-Rufen. Auch „Abwählen“ und „Hau ab“ wurde geschrien.

Gleich zu Beginn richtete sie indirekt das Wort an die wütenden Protestierer: Andere Länder würden sich freuen, „wenn sie unter so demokratischen Bedingungen demonstrieren könnten“.

Sie mahnte: „Und deshalb können wir dankbar sein, dass wir heute Demokratie haben in Deutschland und freie Wahlen. Andere Völker träumen davon.“

Video: Merkel in Torgau: Die reinste Hölle für Merkel

Ministerpräsident Tillich: Diese Menschen machten „nur Radau und Krawall“

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ging ungewöhnlich deutlich und ohne Umschweife auf die Hasstiraden der schreienden Menge ein. Diese Menschen seien nicht in der Lage, sich einer Debatte zu stellen, sondern machten „nur Radau und Krawall“.

Tillich: „Diese Republik wird nicht durch Brüllerei vorwärtskommen.“ Auch der örtliche Direktkandidat der CDU, Marian Wendt, wandte sich gegen die „Schreihälse“ unter den nach Polizeiangaben 1200 Menschen auf dem Platz.

Schätzungen zufolge waren mehrere Hundert Merkel-Gegner dort. Sie hupten, pfiffen und schrien rund um den Veranstaltungsplatz – auch in unmittelbarer Nähe zur Bühne.

Insgesamt waren drei Gegendemonstrationen angemeldet. Die Alternative für Deutschland kam mit einem Bus in die Stadt an der Elbe, NPD-Anhänger hielten Plakate hoch. Auch Thügida aus Thüringen war mit einem Lautsprecherwagen vor Ort.

Kanzlerin Merkel: Geht zur Bundestagswahl

Merkel warb eindringlich dafür, zur Bundestagswahl zu gehen. „Sie spüren ja hier auf diesem Platz: Es wird am 24. September darauf ankommen.“ Alle müssten sich genau überlegen, mit wem sie „gut und gerne in Deutschland leben können“. Die CDU mache nicht immer alles richtig, aber sie könne Politik für die Menschen machen.

Am Vortag war Merkel im baden-württembergischen Heidelberg mit Tomaten beworfen worden. Bei ihrem ersten Auftritt in Sachsen Mitte August in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge war sie ebenfalls mit massiven Protesten aus dem AfD- und Pegida-Umfeld empfangen worden.

In ihrer Sommer-Pressekonferenz am 29. August hatte die aus der DDR stammende CDU-Vorsitzende erklärt: „Ich finde es besonders wichtig, dass ich deshalb in vielen Städten der neuen Bundesländer auftrete, weil ich gerade auch Menschen ermutigen möchte, dorthin zu kommen und eben auch Flagge gegen das Gebrüll zu zeigen, das es da ja zum Teil gibt. Damit muss man leben. Das ist Demokratie.“ (dpa)

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