„Heute sieht Göttingen aus wie ein Flüchtlingslager“: Syrischer Professor rechnet mit Merkel ab

Merkels Politik ist eine Politik des Versagens, attestiert Professor Bassam Tibi. Der international tätige Wissenschaftler ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und Experte für die arabische Welt. In einem akutellen Interview rechnet er scharf mit Merkels Willkommenspolitik ab.

Die „Welt“ veröffentlichte Anfang Juli ein Interview mit Professor Bassam Tibi, er war bis 2009 Professor für Internationale Beziehungen an der Uni Göttingen. Er erhielt 1995 das Bundesverdienstkreuz und kennt nicht nur die arabische Welt, sondern auch die deutsche Kultur. Das Interview zeigt eine andere Sicht auf Einwanderer und syrische „Flüchtlinge“, die das Wort nicht einmal kennen. Das vollständige Gespräch befindet sich hier.

"Unter all den Leuten, die ich sprach, war übrigens kein einziger Arzt und auch kein Ingenieur."

Die „Welt“ fragte: „Haben Sie mit Flüchtlingen, die es ja sicherlich auch in Göttingen gibt, gesprochen?“

Tibis Antwort: „Ich habe sicherlich in den letzten eineinhalb Jahren mit mehreren Tausend Syrern gesprochen, ob in Göttingen, Frankfurt, Berlin, München. Die meisten von ihnen, habe ich am Dialekt festgestellt, sind keine Städter, sondern vom Land. Und unter ihnen gibt es viele Antisemiten. Dieser Kultur habe ich mich sehr entfremdet. Unter all den Leuten, die ich sprach, war übrigens kein einziger Arzt und auch kein Ingenieur.“

Er erzählt ein Beispiel: „Letztens sprach ich eine Frau auf dem Markt von Göttingen an und fragte sie auf Syrisch, ob sie politischer Flüchtling wäre. Sie kannte das Wort überhaupt nicht. Sie kam aus dem Süden Syriens mit ihrem Mann. Für die Flucht haben sie viel Geld bezahlt. Was sollen sie hier machen? Davor habe ich Angst. Anthony Giddens spricht von "ethnischer Armut". Die Konflikte sind doch programmiert. Für Euphorie seitens der Deutschen gibt es nun wirklich keinen Grund.“

Oder ein anderes: Ich kenne eine somalische Familie, die schon im amerikanischen Ohio gelebt hatte. Der Vater beklagte sich, dass man in Amerika arbeiten müsse und wenig verdiene. Er hat es geschafft, aus Amerika nach Deutschland zu kommen und zu suggerieren, er wäre gerade aus Somalia geflohen. Amerika hat ihm nicht gefallen. Also hat er gelogen. Nun hat er eine Wohnung und die vier Kinder bringen ihm insgesamt so viel Geld ein, wie ich als pensionierter Professor beziehe. Er ist schon drei Jahre hier und spricht kein Wort Deutsch. Das wird er auch nicht lernen. Man muss über solche Fälle reden dürfen!“

Ein Muslim darf nur einem Imam folgen

Im Rahmen seiner umfangreichen Veröffentlichungen hat Professor Tibi mehrere Begriffe geprägt oder mitgeprägt, darunter die Begriffe der Leitkultur, Parallelgesellschaft, Euro-Islam und „Scharia-Islam“. Er sieht den islamischen Fundamentalismus nicht als religiöse Richtung, sondern als Ideologie, die aus der Konfrontation des Islam und der nach seiner Ansicht rückständigen islamischen Welt mit der Moderne entstanden sei. Mit Religion hat der islamische Fundamentalismus nach Bassam Tibis Ansicht wenig zu tun.

Ein Muslim darf vorübergehend in einer nicht-islamischen Gesellschaft leben, doch er darf sich nicht fügen. So sind viele Muslime erzogen, schreibt die Welt. So philosophierte Bassam Tibi über einen reformierten Islam, denn auch der Islam müsse sich verändern – „auch wenn viele Muslime das vehement ablehnen“.

Es gab Ansätze der Veränderung im Islam, die das Glauben „als etwas Persönliches zwischen sich und Allah betrachtet. Die wurden in den muslimischen Ländern unterdrückt.“

Doch er fügt hinzu: „Ich bin flügellahm geworden, habe ja auch gesagt, dass ich kapituliere und befürchte, dass wir auf dem Weg zu noch größeren Parallelgesellschaften sind.“

Der deutsche Pass reicht nicht – es fehlt die Zugehörigkeit

In Deutschland und den Deutschen fehlt das, was die Amerikaner "Sense of Belonging" nennen:

Bassam Tibi: „Ich war Berater der US-amerikanischen Armee vor dem Irakkrieg und wohnte auf einem Campus in der Nähe von Washington. Dort erlebte ich geborene Sudanesen, Perser. Sie sangen am Morgen hochemotional die Hymne und sagten: "Ich würde für Amerika sterben." Können Sie sich einen Türken vorstellen, der so etwas unter der deutschen Flagge sagt? Ich würde mich gerne als Deutscher begreifen, aber nicht im Sinne des Blutes. Ich bin Staatsbürger, ich bin Grundgesetzbürger. Deutsche Identität ist natürlich nicht nur Nazi-Identität, wie heute noch viele Linke verkünden. Deutsche Identität auf Hitler zu reduzieren, ist Gewalt gegen die Deutschen. … Ich möchte gerne in einem normalen Land leben. Deutschland ist aber immer noch nicht normal.“

Oder anders gesagt: „Meine Leitkultur ist das Grundgesetz und die ganzen Werte, die damit verbunden sind. Man muss zu seinen Werten stehen. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Welch magischer Satz.“

Merkels Politik ist eine Politik des Versagens – Göttingen sieht aus wie ein Flüchtingslager

Die Entscheidung, Millionen Menschen ins Land zu lassen, verändert Deutschland:

„Das sehen Sie schon an Göttingen: Die Stadt war früher sehr studentisch, 20 Prozent waren Ausländer, eine verträumte, idyllische Stadt. Heute sieht sie aus wie ein Flüchtlingslager. Da laufen die Gangs, ob afghanisch oder eritreisch, durch die Straßen, und man bekommt es mit der Angst. Das Göttinger Gemeinwesen ist erschüttert. Und über all das: keine Sitzung oder Debatte des Bundestages! Alles der Alleingang einer Frau.“

Denn, so sagt er im Interview: „Das ist keine Einwanderung wie im Falle Amerikas, wo man sich die qualifizierten Immigranten aussucht. Das hier ist eine demografische Lawine, die über uns schwappt. Der Begriff wurde von Wolfgang Schäuble benutzt, und er hat sich auch nicht dafür entschuldigt.“

Das "Lawinen-Zitat" stammt von November 2015. Zu der Zeit verglich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Deutschland mit einer Lawine und sagte während einer Veranstaltung des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Berlin: "Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt". "Ob wir schon in dem Stadium sind, wo die Lawine im Tal unten angekommen ist oder ob wir in dem Stadium im oberen Ende des Hanges sind, weiß ich nicht", so der Finanzminister. 

Professor Tibi sieht über die Zuwanderung aus der arbischen Welt hinaus. Er kennt Afrika, lehrte dort und weiß: „Mehrere Millionen warten darauf, zu kommen. Die Sache ist noch nicht gegessen. Ich war zehn Jahre nicht in Ägypten, und heute gibt es 15 Millionen Menschen mehr seither. Alle wollen herkommen, einschließlich der Universitätsprofessoren. Ich habe in Kamerun gelehrt, in Senegal, in Nigeria, ich kenne Afrika sehr gut. Es gibt keine einzige Demokratie in Schwarzafrika. Die Armut wächst. Über Libyen werden Millionen kommen und die Probleme der Armut werden sich dennoch nicht lösen.“

Deutschland war „Nicht sein Niveau“ – doch der Vater entschied

Ursprünglich wollte Bassam Tibi als 18-Jähriger in die USA, um am besten in Harvard zu studieren: "Wir sind Aristokraten, Deutschland ist nicht mein Niveau", sagte er seinem Vater. Sein Vater „lehnte ab, weil er wollte, dass ich in den Semesterferien nach Hause kommen sollte.“

Tibi Bassam lehrte zwischen 1973 und 2009 als Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen. Er stammt aus einer der 17 führenden sunnitischen Familien in Damaskus. Prof. Bassam wurde bekannt durch zahlreiche Lehr- und Forschungsaufenthalte an ausländischen Hochschulen und über Buchveröffentlichungen sowie Medienauftritte als Experte für die Arabische Welt und den Politischen Islam (Wikipedia). (ks)