In Essener Flüchtlingsfamilien herrscht ein Baby-Boom – Drei von vier Einwanderern in Essen sind männlich

Der hohe Flüchtlingszuzug in Essen bringt auch eine hohe Geburtenrate mit sich. Dies sei eine erfreuliche Entwicklung denn: "Essen würde weiter schrumpfen, wenn es keine Zuwanderung gäbe", sagt Barbara Erbslöh, Leiterin des städtischen Statistikamtes.

In Essen hat es in den vergangenen zwei Jahren einen großen Flüchtlingszuwachs gegeben. Die größte Gruppe eingewanderter Menschen stammt aus Syrien und dem Irak. Durch die Zuwanderung hat die Stadt einen regelrechten Baby-Boom erlebt. Dies berichtet die WAZ unter Berufung auf neueste Statistik-Auswertungen.

Demnach kamen allein im Vorjahr 36 410 Menschen nach Essen. Das ist der zweithöchste Wert seit 30 Jahren. Nur 2015 wanderten noch mehr Menschen nach Essen ein. Die rege Zuwanderung sei gut für die Stadt, denn: „Essen würde weiter schrumpfen, wenn es keine Zuwanderung gäbe“, sagt Barbara Erbslöh, Leiterin des städtischen Statistikamtes, im Interview mit der Zeitung.

Das so viele Syrer und Iraker gerade nach Essen kommen, könnte daran liegen, dass sie vor Einführung der Wohnsitzauflage noch die Chance zu einem Umzug in die Stadt genutzt haben, weil sie dort bereits eine große Community der eigenen Nationalität vorfinden.

Essen ist somit auch statistisch gesehen ein starker Anziehungspunkt für diese beiden Nationalitäten. Die Aushebung zeigt auch, dass der Zuzug vor allem jung und männlich ist. Die meisten Flüchtlinge waren zwischen 16 und 30 Jahre alt. Drei von vier Zuwanderern sind Männer.

Ausländerinnen bekommen fast doppelt so viele Babys als Deutsche

Die Flüchtlingswelle hat sich auch auf die Geburtenzahl in Essen ausgewirkt: Wie die WAZ berichtet kamen im vergangenen Jahr nach vorläufigen Angaben 5773 Kinder zur Welt. In Essen ist das der beste Wert seit 22 Jahren. „In den vergangenen zwei Jahren ist ein regelrechter Babyboom zu verzeichnen“, so die Statistikbehörde.

Diese Entwicklung habe vielschichtige Gründe und sei nicht nur durch die Zuwanderung in jüngster Zeit bedingt, betont Barbara Erbslöh. „Jetzt kommen die Kinder der Babyboomer, also der geburtenstarken Jahrgänge, selbst in die Familienphase. Das heißt, es gibt mehr potenzielle Mütter.“ Sprich: 2010 waren 35 700 Essenerinnen zwischen 25 und 34 Jahre alt, 2015 waren es 40 400. „In diesen Jahrgängen von Mitte 20 bis Mitte 30 werden im Moment besonders viele Frauen Mutter.“

Die so genannte Fruchtbarkeitsziffer zeigt aber, dass statistisch gesehen 1000 deutsche Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren im vorigen Jahr 47 Kinder zur Welt brachten, und Ausländerinnen im Vergleich 76 Babys.

Syrische Frauen brachten in 2016 in Essen 231 Kinder zur Welt. Das sind drei Mal so viele wie 2015. Auch bei anderen Flüchtlingsnationen lässt sich laut Statistik ein deutlicher Zuwachs in beiden Jahren erkennen. (so)