Bankenkrise: So wurde Italiens Problem weggemogelt – T. Bachheimer im Interview

Epoch Times27. August 2016 Aktualisiert: 28. August 2016 13:35
Wohin ist plötzlich die italienische Bankenkrise verschwunden? Und wie geht’s eigentlich der Deutschen Bank? Was ändert sich, wenn der Yuan demnächst im IWF-Korb ist? EPOCH TIMES interviewte den österreichischen Ex-Trader, Gold-Experten und Finanz-Aufklärer Thomas Bachheimer zu Themen, die im Tageslärm leicht untergehen.

EPOCH TIMES: Durch die Krise bei den italienischen Banken und auch die Unsicherheiten bei der Deutschen Bank ist die Finanzbranche vor einigen Wochen wieder in die Schlagzeilen geraten. Warum ist das jetzt auf einmal wieder derart hochgekocht?

Thomas Bachheimer: Es liegt daran, dass die Banken – und besonders die europäischen – ertragsmäßig enorm unter Druck stehen. Da durch die supranationale Einmischung die regulatorischen Kosten massiv gestiegen sind, ist ein höheres Eigenkapital erforderlich. Gleichzeitig schrumpfen auf Grund der EZB-Politik die Erträge auf der Veranlagungsseite. Und um das Ganze noch wirklich dramatisch zu gestalten, wird auch die Zinsmarge der Banken immer niedriger.

Dies zeigt in brutaler Art und Weise auf, dass man mit zentralistischer Planung, regulatorischer Härte und Manipulation der Märkte nichts, aber schon gar nichts, lösen kann. Wir hatten seit 2008 weltweit 666 Zinssenkungen – ohne etwas zu bewirken. Die Zentralbanken und die Politik sollten daraus lernen, zusammenpacken und das Feld der freien Wirtschaft überlassen. Nur eine unregulierte (Geld-)Wirtschaft kann Verwerfungen selbst ausheilen.

ET: Es wurden bereits Rettungsmaßnahmen diskutiert, die über Italien hinausgehen – und auch das Ausmaß, in dem Deutschland im Falle eines italienischen Bankencrashs betroffen wäre. Warum hören wir jetzt nichts mehr davon? Wie ist es weitergegangen mit der besonders maroden „Monte dei Paschi di Siena“? Das Problem kann sich ja nicht in Luft aufgelöst haben …

TB: Ein Wunder! Nein, Scherz beiseite … Diese Art Wunder gibt es nicht mehr! Bezüglich des Italien-Problems ist Folgendes festzustellen: „Monti dei Paschi“ hat „nonperforming loans“ mit Hilfe der UBS umgeparkt. Problem ausgelagert, Problem versteckt – aber nicht gelöst. Und glauben Sie mir, es wird an passender Stelle wieder auftauchen, ebenso plötzlich wie es vor wenigen Monaten gekommen ist und ebenso plötzlich wie es vor wenigen Wochen verschwunden ist …

Es stimmt: Italien könnte das Problem nicht einfach selbst lösen. Das Land müsste seine eigenen Gesetze verbiegen, um Steuergelder zur Rettung heranzuziehen, was ohnehin sehr unpopulär ist.

Alle italienischen Banken stehen massiv unter Druck und geben ständig Placebos aus, indem sie Assets verkaufen. Die UniCredit zum Beispiel will polnische Beteiligungen verkaufen. Außerdem werden ständig Sanierungsmaßnahmen als Lösungen publiziert und als bahnbrechende Neuigkeiten verkauft, was die Märkte immer wieder für ein paar Tage ruhig stellt.

Zum Thema Deutschland als möglicher Bankenretter möchte ich zu bedenken geben: Die Regierungen von Deutschland und Frankreich befinden sich schon im Wahlkampf 2017. Das Thema paneuropäische Bankenkrise, Solidarhaftungen und transnationale Bankenrettungen kann man jetzt gerade gar nicht gebrauchen. Aber wie ich schon gerade sagte: Das Problem wird wieder auftauchen.

Zu möglichen deutschen Haftungen: Das ist natürlich vollkommener Schwachsinn und es ist für Insider nicht mal denkbar, dass so etwas wirklich passiert! Viel zu viele Gründe sprechen dagegen, dass Deutschland oder Frankreich in Italien rettend eingreift. Die deutschen Banken bekommen auf Grund der eingangs erwähnten Situation nicht mal ihre eigenen Schwierigkeiten gebacken. Ich glaube, dass diese Diskussionen über mögliche Rettungsmaßnahmen reine Show waren. Man wollte den Deutschen vermutlich nur drohen und sie darauf vorbereiten, dass etwas kommen könnte. Oder es war eine Art politisches Kleingeld und die deutsche Regierung wurde mit dieser Drohung irgendwo an anderer Stelle zum Einknicken gebracht.

Diese Taktik hat man sich von den Zentralbanken abgeschaut: Die diskutieren auch monatelang eine Maßnahme, damit sich die Märkte daran gewöhnen und irgendwann setzt man es dann tatsächlich durch. Aber im Moment ist es einfach undenkbar.

ET: Was sagen Sie zur Einschätzung, dass die Deutsche Bank das nächste „Lehmann Brothers“ werden könnte? Auch diese Bank macht ja in letzter Zeit immer wieder Negativschlagzeilen – und dann wird es wieder still um sie. Wird auch hier ein Problem in die Zukunft verschoben?

TB: Die Bundesbank hat eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie sich über die Kapitalisierung der deutschen Banken Sorgen macht. Sie wird damit wohl nicht die Sparkasse Spatzenhausen gemeint haben.

Wenn man die Kapitalisierung der Deutschen Bank im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme betrachtet, dann muss man einfach zu dem Schluss kommen, dass bei ihr nur noch wenig Spielraum vorhanden ist. Und ja, mit dieser Marktkapitalisierung ist die Deutsche Bank ein Systemrisiko. Hinzu kommen noch das Derivatenrisiko und das Risiko der über 6.000 Prozesse, in welche das einstige Nobelhaus involviert ist. Und am Rande bemerkt: Die Tatsache, dass George Soros gegen die Deutsche Bank wettet, ist auch nicht gerade erbaulich! Bin wahrlich kein Freund von ihm, aber auf der Counterpart-Seite des alten Fieslings zu stehen – der ja vom Mainstream als Philantrop bezeichnet wird – das kann niemals eine gute Situation sein. Kurzum: Ich würde die Deutsche Bank vor diesem Hintergrund getrost als Welt-Risiko einstufen.

ET: Blicken wir nach China: Der Yuan wird demnächst beim IWF als Reserve-Währung aufgenommen. Ein langgehegter Traum der Chinesen wird damit Wirklichkeit. Vor allem die USA hatten sich lang dagegen gesperrt. Werden wir Auswirkungen zu spüren bekommen?

TB: Bemerkbare Auswirkungen wird es ganz sicher geben. Wir erinnern uns an den 30.11.2015, als Christine Lagarde ja die „Aufnahme des Yuan in den Korb der Sonderziehungsrechte (SDR)“ verkündet hat. Dies geschieht nun Anfang Oktober. Zu den vier bereits bestehenden Reserve-Währungen des IWF (US-Dollar, Euro, Britisches Pfund und Japanischer Yen) gesellt sich dann auch der Chinesische Yuan.

Diese Veränderung des „SDR-Korbs“ bedeutet nichts anderes als den bisher schwersten Angriff auf die Dollar-Hegemonie seit Jahrzehnten – und den Beginn von sehr großen Veränderungen in der gesamten FIAT-Money-Welt. Die Tatsache, dass die Chinesen als Nation Gold akquirieren und mindestens seit 2009 teilweise in die Zentralbanken-Bilanz „hineinaktivieren“, und dass die chinesischen Zentralbanker eine höhere Golddeckung zwar zaghaft, aber doch immer wieder begrüßen, macht das SDR-Dasein der FIAT-Währungen auch nicht einfacher.

Man stelle sich doch einmal vor: Wenn jetzt der Yuan ab Oktober als offizielle und von der Weltbank akzeptierte Weltreservewährung gilt, dieser schwachteilgoldgedeckt ist und die Amerikaner in Kürze eine Staatsverschuldung von 20 Billionen erreichen … wofür werden sich die verantwortlichen Staats-Finanzverwalter dann wohl entscheiden? Es ist eine massive Umschichtung zu befürchten: Raus aus den Dollar- und anderen FIAT-Anleihen hinein in den Yuan – und somit eine weitere Destabilisierung des Finanzsystems. OBWOHL die Aufnahme des Yuans in die Sonderziehungsrechte eine absolute Notwendigkeit darstellt und ich diese befürworte. Leider wird sie halt die Schwäche des Systems drastisch aufzeigen.

Wie Lagarde den Amerikanern das aufs Auge drücken konnte, ist mir wirklich schleierhaft. Wie den Amerikaner das passieren konnte, ebenso. So etwas geht sicher nicht ganz ohne geopolitisches Gegengeschäft. Wir haben uns in unserer Redaktion sehr darüber die Köpfe zerbrochen und die Timelines der Geopolitik im letzten Jahr beobachtet, fast schon seziert, sind aber NOCH nicht auf einen logischen Beweis für dieses Gegengeschäft gestoßen. Ich bin mir aber sicher, dass die Welt bald bemerken wird, was der Preis für diesen Deal war und selbigen auch bezahlen wird.

ET: Von Seiten der EPOCH TIMES-Redaktion können wir sagen, dass die Zustimmung der Amerikaner zur SDR-Aufnahme des Yuan am Ende des Staatsbesuch von Xi Jinping bei Obama im vergangenen September kam.

Nun wüssten wir gerne noch Ihre Meinung zum BREXIT. Kam der EU-Ausstieg der Briten für Sie überraschend?

TB: Dass die Engländer diese Entscheidung getroffen haben, ist nur allzu verständlich. Aus deren Sicht hat sich die Europäische Union seit 2005 absolut in die falsche Richtung bewegt. Lassen Sie mich hier einige der wichtigsten Vorbehalte der Briten gegenüber der EU anführen:

Anfang der Nuller-Jahre hat es ja die Bestrebungen zur Errichtung einer EU-Verfassung gegeben. Die Holländer und Franzosen haben dagegen gestimmt und somit ist diese Unternehmung gleich von Beginn an gescheitert. Man hat sich dann eines miesen Tricks bedient und aus der Verfassung einfach das Wort „Verfassung“ gestrichen. Das fragliche Zentralismus- und Entnationalisierungswerk wurde einfach „Lissabonner Verträge“ genannt und somit der Volkswillen umgangen.

Die Briten sandten bereits zu deren Unterzeichnung nicht Kanzler Brown – wie es normalerweise üblich gewesen wäre, sondern „irgendeinen Briefträger“.

Darüber hinaus ist das eingetreten, was viele britische Ökonomen und auch wir vom Goldstandardinstitut vorausgesagt haben: Die Briten haben Angst, dass die EU ihrem politischen Willen und ihrem zwanghaftem Festhalten an politischen bzw. währungspolitischen Visionen jegliche wirtschaftliche Vernunft unterordnen wird – bzw. dass diese wirtschaftliche Vernunft in Brüssel bereits abhanden gekommen ist.

Gleiches gilt ja auch für die mangelhafte Grenzsicherung am Kontinent: Großbritannien hat das Schengen-Abkommen immer kritisch gesehen und daher selbst auch nicht daran teilgenommen. Die aktuelle Lage, wo nun schon seit einem Jahr eine ursprünglich für wenige Tage anberaumte Ausnahmesituation besteht und Migranten unregistriert durch Europa reisen können, bestätigte die Vorbehalte der Briten.

Kurzum, in dieser Gemengenlage ist es nur allzu logisch, dass die Mehrheit für den Austritt votiert hat. Der Bachheimer.com-Autor John James hat in der Woche vor der BREXIT-Entscheidung mehrfach seine Überzeugung kundgetan, dass es zu selbiger kommen würde. Für uns fiel das Ergebnis für den BREXIT sogar überraschend knapp aus.

Thomas Bachheimer ist Präsident der europäischen Sektion des Gold Standard Instituts International, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, „Währungsbenutzer“ über die Vorteile von nicht-politischen, gedeckten Währungen zu informieren. Seit einigen Monaten betreibt der ehemalige Hartgeld-Redakteur sein eigenes Newsportal Bachheimer.com. Es steht unter dem Motto: „Thinking outside the box“.

Im vergangenen EPOCH TIMES-Interview beleuchtete Bachheimer übrigens, inwiefern die Flüchtlingskrise von Griechenlands Finanzkrise ablenkte.

Interview und Bearbeitung: Rosemarie Frühauf.

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