Langenfeld: Musikschülerin bedroht – Gewalt und Schweigen mit „Regelmäßigkeit“ – Mutter ging an Presse

Die ersten beiden Fälle ereigneten sich bereits im Oktober. Doch erst nach dem dritten Fall, Anfang Dezember, erfuhr die Presse von den Attacken, als sich eine Mutter an sie wandte. Die Täter sind bekannt, eine Gruppe jugendlicher Zuwanderernachkommen, teils in Deutschland geboren. Doch nun ein neuer Fall, der nichts mit dieser Gruppe zu tun habe. Doch auch in diesem Fall waren die Täter "südländisch".

„Drohsituation“, so nennt der Leiter der Musikschule in Langenfeld, Jan Raderschatt, die momentane Lage. Nach drei Attacken gegen Lehrer und Lehrerinnen der Musikschule durch eine aggressive Gruppe südländisch aussehender Personen, akzentfrei Deutsch sprechend, wurde nun auch eine Schülerin verfolgt und bedroht. Doch offenbar von einer anderen Tätergruppe …

Musikschule beklagt „Regelmäßigkeit“

Der Fall trug sich vergangene Woche im Gebäude der ehemaligen Pestalozzischule Am Hang zu, nahe der City. Wie Raderschatt dem Ratskulturausschuss mitteilte, wurde eine Musikschülerin von zwei Erwachsenen verfolgt. Es sei zu einer „stark störenden Einflussnahme“ gekommen, nähere Angaben dazu machte er nicht.

Aus welchen Gründen auch immer, die Polizei wurde nicht verständigt, berichtet die „Rheinische Post“. Der Sprecher der Kreispolizei, Ulrich Löhe, sagte dem Blatt: „Uns ist diesbezüglich nichts bekannt.“

Die Musikschule ist beunruhigt.

Es gibt solche Fälle in einer Regelmäßigkeit, die vorher nicht zu erkennen war.“

(Jan Raderschatt, Leiter der Musikschule)

Man wolle sich aus einigen Gebäuden zurückziehen. „Wir können nicht alle Nebenstellen absichern“. Man werde deshalb die Pestalozzischule so nicht halten können und in die Kopernikus-Realschule in der Immigrather Straße umziehen.

Infos sickern durch …

Erst am 10. Dezember 2016 berichtete die „RP“, dass eine Gruppe junger Männer Musikschullehrer zweimal im Oktober und nun auch Anfang Dezember angegriffen hätte. Das Blatt schildert die bedrückende Stimmung in der Stadt:

„Die städtische Musikschule schlägt bei diesem schlimmen Thema keine lauten Töne an, und auch aus dem Rathaus war bislang nichts nach außen gedrungen.“

(„Rheinische Post“

Doch es lässt sich nicht mehr verschweigen: In den vergangenen Wochen wurden mindestens drei Dozenten von jungen Gewalttätern attackiert. Zwei der Fälle trugen sich mitten in der Stadt, im Kulturzentrum zu. Ein weiterer Fall geschah während des abendlichen Unterrichts in der Grundschule am Götscher Weg.

„Ich bin sehr besorgt“, sagte eine Mutter, die sich Hilfe suchend an die Presse wandte. Sich hatte in Gesprächen von einer Attacke in einem Unterrichtsraum erfahren. Sie fragte sich: „Was, wenn mein Kind dort drin sitzt?“

Auch die Musikschullehrer sind verärgert, dass die „drei Attacken quasi unter der Decke gehalten“ werden, schreibt die „RP“ und fragte bei der Polizei nach. Es seien Anzeigen wegen Körperverletzung eingegangen, hieß es von dort.

Drei Fälle mit aggressiven Jugendlichen

Nach Informationen der Zeitung wurde im Oktober ein Musikschullehrer während des Unterrichts mit einer erwachsenen Schülerin im Souterrain attackiert. Junge Männer aus dem angrenzenden Park hatten den Unterricht durch Klopfen an die Scheiben gestört. Der Dozent öffnete das Fenster und bat um Ruhe. Daraufhin kamen zwei Personen der Gruppe, etwa 16 bis 18 Jahre alt, südländisch aussehend, akzentfrei Deutsch sprechend, in das Kulturzentrum und gingen auf den Lehrer los. Die Musikschülerin setzte daraufhin ihr Pfefferspray ein und vertrieb die Angreifer.

Tags darauf wurde eine Musikschullehrerin angegriffen, ebenfalls im Kulturzentrum, ebenfalls von ähnlich beschriebenen Tätern.

Der dritte Fall ereignete sich am 03. Dezember 2016, einem Freitag, eine Woche, bevor die „RP“ die Informationen veröffentlichte. Hier musste sich ein Lehrer in der Grundschule am Götscher Weg beim abendlichen Unterricht mit seinen Schülern für eine halbe Stunde in den Flur zurückziehen, weil eine aggressive Gruppe vor dem Fenster Drohgebärden aufgeführt hatte.

Bürgermeister bestreitet Schweige-Devise

Als „RP“ bei Bürgermeister Frank Schneider (CDU) nachfragte, bestätigte dieser die Übergriffe, dementierte jedoch „die Devise ausgegeben zu haben, sie unter der Decke zu halten“.

Er habe sich mit der Musikschulleitung beraten und man sei in Zusammenarbeit mit Polizei, Ordnungs- und Jugendamt dabei, gezielt auf die offensichtlich neu gebildeten Jugendgangs zuzugehen.

Täter bekannt

Schneiders Weg, mit den aggressiven, südländisch aussehenden, akzentfrei Deutsch sprechenden Jugendgangs umzugehen, bedeutet offenbar, sich zu umzäunen und die Sicherheitsvorkehrungen im Kulturzentrum zu erhöhen: Video-Überwachung, Notrufknöpfe in den Unterrichtsräumen, Sichtschutz an den Fenstern und das Ausleuchten dunkler Ecken.

Doch vor wem sollen die Lehrkräfte und Musikschüler eigentlich geschützt werden?

Laut Ordnungsamtsleiter Christian Benzrath soll es im Park hinter dem Kulturzentrum gar keinen kriminellen Brennpunkt geben. „Davon sind wir in Langenfeld weit entfernt“, so Benzrath.

Bürgermeister Schneider sieht das nüchterner: „Die Namen sind uns bekannt.“ Man habe auch die ‚Aufsuchende Jugendarbeit‘ mit drin, zudem Ordnungsamt und Polizei. Der Platz hinter dem Kulturzentrum sei einer ihrer Aufenthaltsorte, doch trieben sie „nicht nur dort ihr Unwesen“.

Die Polizei Langenfeld umschreibt es so: Es habe sich in letzter Zeit „eine größere Gruppe schwieriger Jugendlicher und junger Erwachsener gebildet“. Diese würden immer wieder als Einzeltäter in den Bereichen Diebstahl, Bedrohung und Körperverletzung auffallen und überwiegend aus Zuwandererfamilien stammen und sind teils in Deutschland geboren. Zu den neuen Zuwanderern und Flüchtlingen gehören sie also nicht.

Und der jüngste Fall?

Doch wer ist verantwortlich für die Verfolgung einer Musikschülerin bei der ehemaligen Pestalozzi-Schule vergangene Woche? Laut Ordnungsamtschef Benzrath soll es keinen Zusammenhang zu den Übergriffen mit denen am Kulturzentrum geben. Dann stellt sich die Frage: Wer war es dann?

In Langenfeld scheint man keine Antwort zu haben. Jedoch um Asylbewerber aus der benachbarten Turnhalle, die als Notunterkunft dient, soll es sich auch nicht handeln, für diese Gerüchte gebe es bisher „keinen Anhaltspunkt“, so die Vize-Verwaltungschefin Marion Prell und zieht den politisch korrekten Joker – der große Unbekannte.