Mannheim: Führungsmitglied der „Osmanen“ festgenommen – Kokain und Marihuana sichergestellt

Nach eigenen Aussagen hätten die "Osmanen Germania" zum Ziel, "die Jugendlichen von der Straße zu holen und sie durch sportliche Aktivitäten einer sinnvollen Aufgabe nachgehen zu lassen" und "Leute die Drogen verkaufen und andere damit vergiften, die fliegen raus." Zumindest für die Führungselite trifft dies wohl eher nicht zu.

Das Livestyle- und Jugendmagazin „Vice“ besuchte vor einem Jahr die „Osmanen Germania“ in Berlin. Damals hieß es noch: „Viele von uns waren Straßenjungs, manche von denen waren im Knast. Wir wollen nicht, dass das der Jugend passiert. Wir versuchen, denen Perspektiven zu bieten.“ Bei den Osmanen herrsche striktes Alkohol- und Drogenverbot. „Leute, die Drogen verkaufen und andere damit vergiften – Drogen sind Gift für uns – , die fliegen raus.“

Das war vor einem Jahr. Entweder hat sich seither viel bei den „OG“ geändert oder die Clubregeln gelten nicht für alle:

LKA verhaftet „OG“-Führungsmitglied

Wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betäubungsmittelhandels wurde im Raum Mannheim ein 34-jähriger türkischer Staatsangehöriger und mutmaßliches Führungsmitglied der rockerähnlichen Vereinigung „Osmanen Germania BC“ festgenommen. Weiterhin wurden dessen rumänische Ehefrau (32) und ein italienischer Staatsangehöriger (42) verhaftet.

Am vergangenen Dienstag, den 14. Februar durchsuchten Ermittler des LKA und Spezialeinsatzkräfte des Landes Rheinland-Pfalz eine Wohnung in Ludwigshafen und ein Fahrzeug. Es konnten rund 1,8 Kilogramm Marihuana, über 50 Gramm Kokain und eine vierstellige Summe Dealergeld sichergestellt werden.

Die drei Festgenommenen wurden nach Vorführung beim Haftrichter in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.“

(Polizeibericht)

Laut Polizei falle die Gruppierung aktuell im Großraum Stuttgart „vor allem durch Machtdemonstrationen und Auseinandersetzungen mit der kurdisch geprägten Gruppe ‚Bahoz‘ auf“. Zur Aufarbeitung von Straftaten in diesem Zusammenhang sei beim LKA eine Ermittlungsgruppe unter Beteiligung der Polizeipräsidien Ludwigsburg und Stuttgart sowie der Bundespolizeidirektion Stuttgart eingerichtet worden.

So sei der 32-Jährige in den Fokus der Ermittlungen geraten.

Kurden-Türken-Kämpfe in Ba-Wü

Bereits am Mittwochmorgen, einen Tag nach der Verhaftung des Drogen-Trios, nahmen die Beamten in Ludwigsburg einen 31-jährigen türkischen Staatsangehörigen in seiner Wohnung fest.

Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit mehreren bislang unbekannten Mittätern, einen 20-jährigen Deutschen mit serbischem Migrationshintergrund durch Schläge auf den Kopf und in den Bauchbereich verletzt zu haben.“

(Polizeibericht)

Der Vorfall ereignete sich am 7. Februar gegen 21 Uhr auf einem Kinderspielplatz vor einem Cafe in der Leonberger Straße. Als Hintergrund wird der Kampf zweier rivalisierender Gruppen im Großraum Stuttgart vermutet.

Der Festgenommene ist dem Umfeld der kurdisch geprägten Gruppierung ‚Bahoz‘ zuzurechnen. Der Verletzte pflegte eine Nähe zur nationaltürkisch geprägten rockerähnlichen Gruppierung ‚Osmanen Germania BC‘.“

(Polizei/Staatsanwaltschaft)

Nach bisherigen Ermittlungen sei es wahrscheinlich, dass der Vorfall durch Anwohner oder Spaziergänger beobachtet worden sei. Zeugen werden gebeten, sich beim LKA unter Telefon 0711 / 5401 – 3333 zu melden.

Am 31. Januar 2017 wurde bereits ein 25-jähriger Mann mit bosnisch-herzegowinischer Staatsangehörigkeit wegen schweren Raubes verhaftet, der ebenfalls Mitglied des „Osmanen Germania BC“ gewesen sein soll.

Osmanen Germania – Graue Wölfe – AKP

„Focus“ zitierte nach einem Handgranaten-Angriff auf ein von den „Bahoz“ als Treffpunkt genutztes Shisha-Café in Saarbrücken den Rocker-Experten und Publizisten mehrerer Bücher über organisierte Kriminalität, Jürgen Roth, der in den Vorgängen „wohl erst den Beginn einer Welle der bewaffneten Gewalt zwischen beiden Gruppen“ sieht. Nach Einschätzungen von Jürgen Roth pflegten die „Osmanen Germania“ engen Kontakt zu den „Grauen Wölfen“ und zur türkischen Regierungspartei AKP.

Die vermutlich im April 2015 aus den „Hells Angels“ hervorgegangenen „Osmanen Germania“ gelten als türkisch-nationalistisch mit enger Verbindung zur Regierungspartei AKP. Die „Bahoz“ seien hingegen ein Zusammenschluss junger kurdischer Männer und entstanden offenbar im Frühjahr 2016 in Baden-Württemberg. „Sie sind nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden bereit, ihre politischen Ansichten auch mit Gewalt zu verteidigen, gerade gegen die ‚Osmanen'“, so das Magazin weiter.

„Wie der OGBC auf Bundesebene, propagiert auch die Ortsgruppe in Osnabrück, dass das Ziel der Vereinsgründung darin liege, ‚die Jugendlichen von der Straße zu holen und sie durch sportliche Aktivitäten einer sinnvollen Aufgabe nachgehen zu lassen‘. Dementsprechende Aktivitäten lassen sich seit der Gründung der Ortsgruppe Osnabrück jedoch nicht nachweisen, antwortet das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport auf eine mündliche Anfrage von Landtagsabgeordneten vor einem Jahr.

„Nach eigenen Veröffentlichungen haben die „Osmanen Germania“ in Deutschland 2 500 Mitglieder. Weltweit sollen es 3 500 sein“, heißt es weiter. Den Sicherheitsbehörden zufolge hätten beide Gruppierungen rund 1.500 Mitglieder in Deutschland (Stand Sommer 2016), so die „Offenbach Post“.

Werbevideo der „Osmanen Germania B.C.“

Kurdische Gemeinde bietet Hilfe für Eltern an

Vergangenen Sommer warnte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland vor kriminellen Banden, die Jugendliche mit Migrationshintergrund in ihre vermeintlich patriotische Organisationen locken würden. Laut Mehmet Tanriverdi beobachte man mit großer Sorge die unter Türken und Kurden wachsende Zahl der Mitglieder in den Motorradclubs.

Wir können den Frust mancher Jugendlichen verstehen, doch der Eintritt in eine kriminelle Organisation ist nicht der richtige Weg.“

(Mehmet Tanriverdi, Kurdische Gemeinde Deutschland)

Da die Jugendlichen dieses „Wir-Gefühl“ und den Eintritt in diese Rockerbanden immer öfter mit einem hohen Preis bezahlen und im Gefängnis enden würden, bittet Tanriverdi vor allem Eltern, sich frühzeitig bei der Kurdischen Gemeinde Deutschland Hilfe zu holen und sich beraten zu lassen, um ein Abrutschen des Jugendlichen in diese Gruppierungen zu verhindern.

Kontakt: [email protected] Telefon: 0641 / 49411731

Siehe auch:

Sieben Festnahmen bei Großrazzia gegen Rockergruppe „Osmanen Germania“

Falsche Versprechen: Banden locken junge Migranten in die Kriminalität

Rasant wachsender türkischer Rockerclub in NRW: Osmanen Germania