Integrationsprobleme: „Ich möchte eine Gesellschaft, in der man über alles offen reden kann“

"Ich möchte eine Gesellschaft, in der man über alles offen reden kann", sagt Kanzlerin Merkel mit Blick auf die Integrationsprobleme mit Flüchtlingen und Migranten in Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, Probleme bei der Integration von Einwanderern und Flüchtlingen offen zu diskutieren.

„Ich möchte eine Gesellschaft, in der man über alles offen reden kann“, sagte Merkel am Donnerstag in der ZDF-Wahlsendung „Klartext, Frau Merkel!“. Sie äußerte sich unter anderem auf die Frage einer Schulrektorin aus Frankfurt am Main.

Die Schulleiterin hatte über entsprechende Probleme im Schulalltag geklagt und den Eindruck geäußert, über Schwierigkeiten bei der Integration könne nicht offen gesprochen werden. „Wenn sie diesen Eindruck haben, dass darüber nicht gesprochen werden darf, dann ist das ganz schlecht“, sagte Merkel. „Darüber muss gesprochen werden.“

Die Kanzlerin selbst nannte etwa das Fehlen muslimischer Kinder im Sportunterricht oder auf Klassenfahrten. Ein weiteres Problem sei, wenn etwa Mütter gar nicht zu Elternversammlungen kommen dürften. „Da haben wir riesige Probleme“, räumte Merkel ein. Es müsse gerade auch mehr mit den Vätern gesprochen werden, weil die oft „das Regime zu Hause führen“.

Gemeinsames Treffen mit Lehrern

Merkel sagte der Rektorin aus Frankfurt zu, gemeinsam 50 Lehrer aus dem gesamten Bundesgebiet aus verschiedenen Schulen einzuladen. „Dann machen wir mal ein Brainstorming, was könnte man tun. Und wie sollten wir auch von der politischen Seite her klarere Problemaufrisse machen“, versprach Merkel. Denn „wenn das Problem nicht benannt wird, wird es auch nie gelöst“.

Um Probleme bei der Integration ging es in der Wahlsendung auch in der Frage einer Erfurterin, die durch die vielen seit 2015 ins Land gekommenen männlichen Flüchtlinge einen Männerüberschuss in der Gesellschaft und dadurch negative Folgen wie etwa einen Anstieg der Sexualstraftaten kritisierte.

Die Bundesregierung verfolge die Entwicklung der Kriminalstatistik inklusive der Sexualdelikte sehr genau und habe „die Erkenntnis, dass es nicht generell so ist“, widersprach Merkel, auch wenn es „schlimme Einzelfälle“ gebe.

Auch ein „großes demographisches Problem“ sehe sie nicht, fügte die CDU-Vorsitzende hinzu. „Es darf, wenn es um Kriminalität geht, überhaupt gar keine Tabuthemen geben“, stellte Merkel klar. (afp)