Merkel spricht von Terror-Anschlag in Berlin: „Vorstellung schwer zu ertragen, dass Täter ein schutzsuchender Asylbewerber sein könnte“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht nach der Todesfahrt eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt von einem Anschlag aus. "Wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen", sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Komplette Rede als Transkript und im Video.

+++ Update um 11:10 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erschüttert über den mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin geäußert. Komplette Rede als Transkript! ++++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht nach der Todesfahrt eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt von einem Anschlag aus. „Wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin.

Die Kanzlerin erwähnte auch den Verdacht, ein nach Deutschland gekommener Flüchtling könne für die Tat verantwortlich sein: „Ich weiß, dass es für uns alle besonders schwer zu ertragen wäre, wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat“, sagte sie. „Dies wäre besonders widerwärtig“, fügte die Kanzlerin hinzu, auch gegenüber den tatsächlich Schutzbedürftigen. Merkel versicherte, die Tat werde aufgeklärt und die Verantwortlichen bestraft werden.

Nach Angaben von Merkel wird am Mittag in Berlin das Sicherheitskabinett zusammenkommen, um über den Stand der Erkenntnisse zu beraten. Die Kanzlerin kündigte zudem an, am Nachmittag zum Anschlagsort am Breitscheidplatz zu gehen, um dort ihre Anteilnahme auszudrücken.

Merkel sagte, sie sei „entsetzt, erschüttert und tief traurig“ über die Geschehnisse. Das ganze Land sei „in tiefer Trauer vereint“ mit den Angehörigen und Freunden der Opfer. „Auch wenn es in diesen Stunden schwer fällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen: frei, miteinander und offen“, fügte sie aber hinzu.

Komplette Rede als Transkript:

„Was gestern Abend am Berliner Breitscheidt-Platz geschehen ist. Zwölf Menschen, die gestern noch unter uns waren, die sich auf Weihnachten freuten, Pläne für die Feiertage hatten, die sind nicht mehr unter uns.

Eine grausame und letztlich unbegreifliche Tat hat ihnen das Leben geraubt. Mehr als 40 weitere Menschen sind verletzt, kämpfen um ihr Leben oder um ihre Gesundheit.

Ich denke in diesen Stunden zuallererst an diese Menschen, an die Toten, die Verletzten, an ihre Familien, Angehörigen und Freunde.

Ich möchte, dass Sie wissen, wir alle, ein ganzes Land ist mit ihnen in tiefer Trauer vereint. Wir alle hoffen und viele von uns beten für sie, dass sie Trost und Halt finden mögen. Dass sie wieder gesund werden, dass sie weiterleben können, nach diesem schrecklichen Schlag.

Ich denke an die Rettungskräfte, die Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte und Sanitäter, die gestern Abend im Schocken der Gedächtniskirche Dienst an ihren Mitmenschen getan haben.

Ich danke ihnen von Herzen für ihren schweren Einsatz. Und ich denke an die Ermittler. Ich habe großes Vertrauen an die Männer und Frauen, die seit gestern Abend daran arbeiten, diese unseelige Tat aufzuklären – sie wird aufgeklärt werden. Mit jedem Detail und sie wird bestraft werden, so hart es unsere Gesetze verlangen.

Noch wissen für Vieles über die Tat nicht mit der nötigen Gewissheit, aber wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen.
Ich weiß, dass es für uns alle besonders schwer zu ertragen wäre, wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat. Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und die sich um Integration in unser Land bemühen.

Ich stehe in ständigem Kontakt mit dem Bundespräsidenten, dem Bundesinnenminister de Maiziere und dem regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.

In einer halben Stunde wird das Sicherheitskabinett zusammentreten, ich habe den zuständigen Minister und die Chefs der Sicherheitsbehörden eingeladen, um über den Stand der Erkenntnisse zu beraten und über mögliche Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Und natürlich werden wir jederzeit, wenn notwendig, erneut zusammenkommen.

Zusammen mit dem regierenden Bürgermeister und dem Bundesinnenminister werde ich am Nachmittag zum Breitscheidt-Platz gehen, um dort, wie so viele andere Berliner, unsere Anteilnahme auszudrücken.

Millionen von Menschen, auch ich, fragen sich heute Morgen, wie können wir damit leben, dass beim unbeschwerten Bummeln über einen Weihnachtsmarkt, also an einem Ort an dem wir das Leben feiern, ein Mörder so vielen den Tod bringt. Eine einfache Antwort darauf habe auch ich nicht.

Ich weiß nur, wir können nicht und wir wollen nicht damit leben, auf all das zu verzichten. Auf die Weihnachtsmärkte, die schönen Stunden mit Familie und Freunden, draußen auf unseren Plätzen.

Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt. Auch, wenn es in diesen Stunden schwerfällt. Wir werden die Kraft finden, für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen – frei, miteinander und offen. Ich danke Ihnen.“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Dienstagvormittag zu dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche äußern.

Das Kanzleramt kündigte für 11 Uhr eine Erklärung „zur gestrigen Tat am Breitscheidplatz in Berlin“ an. Dabei waren am Montagabend zwölf Menschen getötet und 48 weitere zum Teil schwer verletzt worden.

Ein Lkw mit polnischem Kennzeichen war nach Polizeiangaben offenbar vorsätzlich in die Menschenmenge auf dem Markt nahe des Kurfürstendamms im westlichen Stadtzentrum gesteuert worden. Ein Mann, der laut Polizei im Verdacht steht, der Fahrer gewesen zu sein, wurde wenig später festgenommen.

Hier können Sie Merkels Erklärung live anschauen.

(afp)