Mildes Urteil nach Gewalttat: Bürgermeister verliert Vertrauen in deutsche Gerichte

Wolfgang Weise wurde grundlos auf offener Straße zusammengeschlagen, jetzt empört ein mildes Urteil die Bevölkerung und zerstört das Vertrauen in die Gerichtsbarkeit.

Wolfgang Weise, Bürgermeister des kleinen Ortes Kötzschau in Sachsen-Anhalt, wurde im September 2015 auf offener Straße zusammengeschlagen, der Täter zu einer Geldstrafe verurteilt.

Dieses milde Urteil, das jetzt gefällt wurde, hätte er niemals für möglich gehalten, meint Weise.

„Lediglich eine Geldstrafe für eine solch brutale Tat zu verhängen, die wirklich böse hätte enden können, scheint mir einfach absurd – zumal er auch in anderen Fällen auf ähnliche Weise handgreiflich geworden war. Und dann seine aggressive Fahrweise.“

Andere gingen schon für wiederholtes Fahren ohne Führerschein ins Gefängnis, meint Wolfgang Weise.

„Man kann sich auf die Gerichte nicht mehr verlassen, denn sie handeln viel zu oft viel zu milde. Muss denn erst wirklich etwas Schreckliches passieren, bevor Richter ein abschreckendes Urteil fällen?“

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten lediglich mehrere Körperverletzungen und Fahren ohne Führerschein vor, aber keinen versuchten Totschlag. Das Amtsgericht Weißenfels verurteilte den Täter dann zu einer Geldstrafe von 12.000 Euro, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung.

Dieser Urteilsspruch sorgte prompt für Aufregung im Publikum. Ausrufe wie „Der kauft sich jetzt frei?“, und „Geldstrafe für versuchten Totschlag?“, wurden laut. „Nach diesem Urteil kann ich jeden verstehen, der sein Vertrauen in unseren Rechtsstaat verloren hat“, sagte Weise.

Der Ablauf der Tat

Wolfgang Weise war im Auto zu einer Ausstellungseröffnung unterwegs, als sich ein Wagen mit hoher Geschwindigkeit und aufgeblendeten Scheinwerfern näherte. „Ich fuhr zügig, der andere raste, drängelte, wollte vorbei. Er überholte mich an einer Stelle, wo dies sehr gefährlich war“, sagte Weise dem Focus. Der andere bremste ihn aus.

„Als unsere beiden Autos zum Stillstand kamen, stiegen wir beide aus. Er kam wie ein Stier auf mich zugerannt und hat mich ohne jede Vorwarnung mit der Faust an die Schläfe geschlagen.“

Wolfgang Weise wird bewusstlos, landet auf dem Asphalt und zieht sich neben der Platzwunde an der Schläfe, eine Wunde am Hinterkopf zu. Der Frustfahrer entfernt sich, ruft keine Hilfe.

Später leistet ein anderer Autofahrer ihm Hilfe. Weise muss einige Tage ins Krankenhaus, eine Wunde muss geklammert werden.

Aggressiver Täter auf freiem Fuß

Der 31-jährige Bauunternehmer hatte nicht nur Weise attackiert, er ist bereits vorher auffällig geworden. Einem weiteren Mann soll er mit einem Hochdruckreiniger ins Gesicht gezielt haben. Seinem Nachbarn hatte er ins Gesicht geschlagen, nachdem er ihn vorher durch Vortäuschung eines Unfalls angelockt hatte. (aw)

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