Obama unterstützt Merkels Flüchtlingspolitik: In den Augen Gottes sind alle Kinder gleich

"In den Augen Gottes verdient das Kind auf der anderen Seite der Grenze nicht weniger Liebe und Mitgefühl als mein eigenes Kind", so Barack Obama mit Blick auf die Flüchtlinge.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat um Verständnis für die Entscheidungen geworben, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik zu treffen hat.

Das „Ringen“ zwischen humanitärer Verpflichtung und staatspolitischer Verantwortung kenne er aus seiner eigenen Amtszeit, sagte Obama am Donnerstag vor zehntausenden Menschen beim Evangelischen Kirchentag in Berlin.

„In den Augen Gottes verdient das Kind auf der anderen Seite der Grenze nicht weniger Liebe und Mitgefühl als mein eigenes Kind“, sagte Obama bei der gemeinsamen Diskussionsveranstaltung mit Merkel vor dem Brandenburger Tor. Als Staats- und Regierungschefs von Nationalstaaten müssten aber auch rechtliche Zwänge, die Verantwortung für die Bürger und begrenzte Ressourcen berücksichtigt werden.

Merkel war zuvor von Teilen des Publikums ausgebuht worden, weil sie erklärt hatte, dass bisweilen auch Abschiebungen von in Gemeinden integrierten Flüchtlingen notwendig seien, wenn diese keinen Schutzstatus erhielten. „Ich glaube, das gehört zu den sehr, sehr schwierigen Themen, das ist überhaupt keine Frage“, sagte die Kanzlerin. „Wir versuchen, sachgerechte Lösungen zu finden.“

Wichtig seien zügige Asylentscheidungen, bevor die Flüchtlinge in die Städte und Gemeinde kommen. Migranten ohne Asylanspruch müssten „schneller nach Hause“ geschickt werden. „Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache“, sagte Merkel. „Aber ich sage, dass wir auch aufpassen müssen, dass wir wirklich denen helfen, die unsere Hilfe brauchen.“

Der Berlin-Besuch ist Obamas zweite offizielle Auslandsreise nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus vor vier Monaten. Anfang Mai hatte er an einer Ernährungskonferenz in Mailand teilgenommen. Während seiner Amtszeit war der 44. Präsident der Vereinigten Staaten insgesamt sechs Mal nach Deutschland gekommen – zuletzt zu seinem Abschiedsbesuch Mitte November in Berlin.

Der vom 24. bis 28. Mai dauernde 36. Evangelische Kirchentag zählt zu den Höhepunkten des 500-jährigen Reformationsjubiläums, das in diesem Jahr begangen wird. Außer in Berlin findet das Christentreffen auch in der Lutherstadt Wittenberg statt. Insgesamt wird es rund 2100 Veranstaltungen geben, zu den angemeldeten mehr als 100.000 Dauerteilnehmern werden jeden Tag noch mehrere zehntausend Tagesgäste erwartet. (afp)