Rörig verlangt Entschuldigung: Ex-Bischof hat nichts gegen hundertfachen sexuellen Missbrauch an Domspatzen getan

"Unter dem damaligen Bischof Müller wurde eine umfassende, proaktive Aufarbeitung unter Einbeziehung von Betroffenen leider versäumt", so der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, mit Blick auf den Domspatzenskandal.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat dem früheren Regensburger Bischof und jetzigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller schwere Versäumnisse bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen vorgeworfen.

„Unter dem damaligen Bischof Müller wurde eine umfassende, proaktive Aufarbeitung unter Einbeziehung von Betroffenen leider versäumt“, zitierte die Onlineausgabe der „Passauer Neuen Presse“ am Mittwoch den Missbrauchsbeauftragten.

„Müller hat stets von Einzelfällen gesprochen, aber die strukturellen Versäumnisse nicht untersucht“, kritisierte Rörig. „Es wäre den Betroffenen zu wünschen, dass er sich wenigstens jetzt für die verschleppte Aufarbeitung entschuldigen würde.“

Der zur Aufarbeitung des Missbrauchskandals bei dem Knabenchor eingesetzte Rechtsanwalt Ulrich Weber hatte am Dienstag seinen Abschlussbericht vorgelegt. Demnach wurden über die Jahrzehnte insgesamt 547 Kinder Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt.

Rörig nannte es in der „Passauer Neuen Presse“ besonders wichtig, dass in alle Prozesse der Aufarbeitung Betroffene einbezogen würden. „Es kann in Regensburg aber noch kein Schlussstrich gezogen werden.“ Es dürfe sich aber niemand zurücklehnen und meinen, das sei nur eine Angelegenheit der katholischen Kirche, fügte der Missbrauchsbeauftragte hinzu.

„Die Fallzahlen bei Missbrauch sind seit Jahren ungebrochen hoch“, sagte Rörig. „Sexuelle Gewalt an Kindern findet nach wie vor überall und mitten unter uns statt – in der Familie, in Einrichtungen, durch andere Jugendliche und Kinder und zunehmend durch die digitalen Medien.“

Rörig beklagte zugleich die mangelnde Bereitschaft vieler Bundesländer, in den Hilfsfonds für Missbrauchsopfer einzuzahlen. „Wenn alle der inzwischen 9000 Anträge von Opfern bearbeitet sind, wird der Fonds ausgeschöpft sein“, sagte er. Nur drei von 16 Bundesländern zahlten bisher in den Fonds ein. „Das ist ein Skandal.“ (afp)