Rund 3.000 Klimaschützer bilden Menschenkette im rheinischen Braunkohlerevier

Der BUND fordert, dass der Kohleausstieg "ganz oben auf die Agenda der nächsten Bundesregierung" stehen müsse. Dafür zog heute im Tagebau Hambach (NRW) eine Menschenkette eine "Rote Linie gegen Kohle".

Mehrere tausend Klimaschützer haben am Samstag mit einer Menschenkette im rheinischen Tagebaugebiet für einen Ausstieg aus der Kohleenergie demonstriert. „Klimaschutz wird zur Makulatur, wenn Kohlekraftwerke ungedrosselt weiter laufen“, erklärte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.

Zu der Aktion unter dem Motto „Rote Linie gegen Kohle“ hatten mehrere Umweltverbände aufgerufen, darunter auch die Naturschutzorganisation Nabu und Greenpeace. Nach Angaben des BUND versammelten sich rund 3.000 Demonstranten am nordrhein-westfälischen Braunkohletagebau Hambach.

Einige Teilnehmer entrollten rote Banner mit der Aufschrift „Klima schützen! Kohle stoppen!“ Die Organisatoren der Menschenkette wollten sich mit der Aktion auch schützend vor den von Abholzung bedrohten Hambacher Wald und die von Umsiedlung betroffenen Dörfer im Tagebaugebiet stellen. Ihr Motto lautete: „Bis hierhin und nicht weiter.“

Weiger forderte, dass der Kohleausstieg „ganz oben auf die Agenda der nächsten Bundesregierung“ müsse. Nur so seien auch die Landesregierungen in den Braunkohle-Ländern zu stoppen, „die mit ihrer Pro-Kohle-Agenda die deutsche Klimapolitik sabotieren“.

Nordrhein-Westfalen etwa dürfe nur höchstens ein Viertel der vorgesehenen Braunkohlemengen abbauen, sonst seien die internationalen Klimaschutz-Verpflichtungen Deutschlands nicht zu halten, fügte der BUND-Chef hinzu.

Politiker der Grünen loben die Menschenkette

Das Grünen-Spitzenduo zur Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir, lobten die Menschenkette als „klares Zeichen gegen die klimaschädliche Kohle“.

Der großen Koalition warfen sie vor, den Ausbau der erneuerbaren Energien aufzuhalten und die Kohleverstromung zu verlängern. „Wir müssen die Klimakrise beenden und dazu den Kohleausstieg einleiten“, erklärte sie.

Klimaaktivisten und Umweltschützer demonstrieren seit Donnerstag im Braunkohlerevier zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln für einen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohleförderung.

Der Energiekonzern RWE betreibt dort die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden. Die abgebaute Braunkohle wird in benachbarten Kraftwerken zur Stromerzeugung verfeuert.

Blockade einer RWE-Werksbahn im Gleisbett

Wie das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ mitteilte, blockierte eine Gruppe am frühen Samstagmorgen eine RWE-Werksbahn am Tagebau Hambach. Nach Polizeiangaben befanden sich insgesamt sechs Demonstranten im Gleisbett.

Die Beamten forderten die Blockierer demnach mehrfach auf, das Gleis zu verlassen. Während sich zwei Teilnehmer der Aktion freiwillig von den Gleisen begeben hätten, seien vier weitere von den Schienen getragen worden.

Zwei von ihnen seien durch eine mit zementartiger Masse gefüllte Blechtonne miteinander verbunden gewesen. Die Polizei nahm die sechs Demonstranten den Angaben zufolge in Gewahrsam und stellte Strafanzeige wegen Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Die Bahngleise konnten nach gut drei Stunden wieder freigegeben werden.

Am Samstagnachmittag legten nach Polizeiangaben mehr als tausend Demonstranten die Hambachbahn lahm. Die Gleise seien an drei Stellen blockiert. Rund um das Kraftwerk Neurath würden zudem mehrere Sitzblockaden stattfinden. (afp)

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