Trotz virtueller Bücherverbrennung – Finis Germania heute bei Amazon auf Platz 52 (18.09. aktualisiert)

Alle Warnungen und Verbannungen von "Finis Germania" haben nichts genützt, bei Amazon steht es heute, am ersten Todestag des Autors Rolf Peter Sieferle, auf Bestseller-Rang: Nr. 99 in Bücher. Eine Würdigung der anregenden Inhalte von Gastautor Torben Krause. Inzwischen steht das Buch auf Rang 52 (18.09.)
Sieferle, ein deutscher Dichter und Denker wurde virtuell verbannt, bzw. sein Buch „Finis Germania“. Ich kaufte mir im Juni 2017 direkt beim Verlag Antaios ein Büchlein aus der 3. Auflage. Nicht bei Amazon, wo es zwar ein Bestseller war, aber mit dem Hinweis versehen wurde, dass man es lieber nicht kaufen solle, da es rechtes Gedankengut beherberge. Stattdessen wurde von Amazon ein anderes Buch empfohlen, eine Art Deutschland-Reiseführer, da man offensichtlich an Deutschland interessiert sei.
Im Juli stand bei Amazon etwas anderes zu lesen: Die Beschreibung des Verlags: „Nach Hochschulprofessoren wie Rolf Peter Sieferle sucht man im Studium: Durchdringungstiefe, Weitblick, Klarheit der Sprache, pädagogische Natur! Im September aber hat sich Sieferle das Leben genommen. Unserem Verlag hinterließ er ein kaplaken: Finis Germania. In 30 Miszellen steckt Sieferle die deutsche Lage ab: von Deutscher Sonderweg und Siegerperspektive über Politiker und Intellektuelle bis zur Logik des Antifaschismus. Sieferle bringt Unhintergehbares auf den Punkt – es sieht nicht gut aus für uns.“
In den Regalen mit den Spiegel-Bestsellern war es nur ganz selten zu finden. Als es zum Beispiel auf Platz 6 war, kam nach der fünf die sieben. Die Schere im Kopf hatte gewirkt. Warum hat man Angst vor der Verbreitung dieses Buches? Weil es witzig und klug ist, was da in dem kleinen Büchlein gedruckt zu lesen ist? Passt das nicht zum Bild, das viele von Menschen mit rechter Gesinnung haben? FINIS GERMANIA
Heute, am ersten Todestag, steht Finis Germania bei Amazon auf Platz 99 bei Bücher!
Ob das Buch wirklich rechtsradikal oder vielleicht eher objektiv wissenschaftlich ist, kann man nur feststellen, wenn man es liest, sich eine eigene Meinung bildet. 
Über den Nationalsozialismus schreibt er: „Das ‚er‘ seinen Gegnern zugleich den Gefallen tat, sich mit unvorstellbaren Greueltaten zu beflecken, war gewissermaßen ein moralischer Extraprofit für die Linke, von dem sie in Gestalt der Beschwörung eines immerwährenden Antifaschismus bis heute zehren kann.“ (S.9)
Köstlich zu lesen fand ich, wie er über das Wort „Verantwortung“ schrieb: „Eine der Lieblingsvokabeln im politischen Wortschatz der Bundesrepublik ist die ‚Verantwortung‘. Seine Karriere verdankt das Wort in erster Linie seinem guten Klang in Verbindung mit seiner Unbestimmtheit.
Ursprünglich war Verantwortung aber ein Begriff, der innerhalb eines Personenverbands ein ganz konkretes Verpflichtungsverhältnis bezeichnete: Ein Oberherr betraut einen Vasallen mit einem bestimmten Aufgabenbereich, für den er ihm Rede und Antwort zu stehen hat. Die Ver-Antwort-ung zielt darauf, dass Rechenschaft über diesen Aufgabenbereich abzulegen ist, und zwar demjenigen gegenüber, der den Verantwortlichen mit der entsprechenden Aufgabe versehen hat.“ (S.12)
Weiter auf Seite 15: „Gerade dann, wenn es um den normalen Alltag geht, hat ja der Begriff der ‚Verantwortung‘ enorm an Plausibilität verloren. Ein jugendlicher Straßenräuber etwa, der einer Rentnerin die Handtasche entreißt, kann immer damit rechnen, selbst als ‚Opfer der Verhältnisse‘ exkulpiert und damit von persönlicher ‚Verantwortung‘ für seine Tat entlastet zu werden. 
Auf Seite 16 schreibt er, wenn jemand Opfer der Verhältnisse ist, dann zum Beispiel Erich Honecker: „Die Taten eines solchen Funktionsträgers lassen sich vollständig aus dem politisch-ideologischen Großprojekt herleiten, innerhalb dessen er sich orientiert hat, welches ihm Legitimität verliehen hat und aus welchem er den Auftrag ableiten konnte, den er im Namen der Geschichte zu erfüllen glaubte.“ Hat hier gerade ein angeblich Rechtsradikaler Partei ergriffen für das ehemalige Oberhaupt eines sozialistischen Landes? Merkwürdig. Würdig, es sich zu merken. 
Was man oft nicht merkt, ist der schleichende Übergang von einem offensichtlich sich bereichernden Staat zu einem anscheinend demokratischen. Sieferle schreibt dazu: „Sofern es dieser herrschenden Klasse gelingt, sich über längere Zeiträume hinweg zu erhalten und ihre Position an ihre Nachkommen zu vererben, setzt sie allmählich eine kulturelle Patina an. Die herrschende Klasse entwickelt eine spezifische Herrschaftskultur, einen Stil der Machtausübung und eine Verfeinerung der Umgangsformen, die ihre ursprüngliche Rohheit, ihre ursprüngliche Ellbogengesinnung und ihre vordergründige Gier zurücktreten lassen.“ (S.18/19)
Über die „sozialdemokratische Mentalität“ sagt er: „..im Zentrum ihres Selbstverständnisses liegt: Solidarität als ein ‚Teilen‘, dessen Kosten andere zu bezahlen haben; Angleichung der Lebensverhältnisse als ein Spiel, bei dem alle gewinnen können…“ (S.33)
Über die Kurzlebigkeit von Worten und Wahrheiten schreibt Sieferle: „Der Relativismus wird zunächst als Waffe eingesetzt, um einen ideologischen Block der Selbstverständlichkeiten aufzusprengen. Man weiß, wie mächtig diese Waffe ist; nichts und niemand, kein Mythos und keine Wahrheit kann ihm standhalten. Der Partisan, der sie einsetzt, muss sich jedoch hüten: Eines Tages wird sie sich auch gegen ihn selbst richten…Er ist ein Virus, das auch in das Individuum selbst eindringen kann und seine Identität in zahllose Fragmente zerlegt: Was schert mich mein Geschwätz von gestern, von vorhin, oder von jetzt gerade?“ (S.36)
Dass Sieferle objektiv, ideenübergreifend denkt, zeigen auch folgende Sätze: „Die Funktion der Geisteswissenschaften besteht also darin, die Imagination an die Kette der Tradition zu legen. Die Wissenschaft dient so der Akkulturation der Phantasie. Wenn diese alte Wetterfahne sich endlich gewendet hat, so kann jeder erkennen, welche Windrichtung sich als die dominante durchgesetzt hat.“ (S.40)
Manchmal fragt man sich, warum die Masse der Menschen immer noch an einer Idee festhält. Sieferle beschreibt das Phänomen mit einem passenden Bild: „Die Strukturen der Systeme sind für die Individuen so unentrinnbar wie ein Magnetfeld für Eisenspäne. Sie ‚wissen‘ nichts davon, doch fügen sie sich den vorgezeichneten Bahnen.“ (S.41)
Wie am Ende der Buchbeschreibung des Verlags klingt auch auf Seite 47 Pessimismus bezüglich Deutschlands Zukunft mit: „Wie auch immer dieses Spiel ausgehen wird, sicher scheint jedenfalls, dass Deutschland in ihm keine prägende Rolle mehr spielen wird. Seine Zeit als welthistorisches Volk liegt hinter ihm.“
Auch folgender Gedankengang ist wohl eher philosophisch als rechts: „Das Ich von heute wird durch die Erinnerung an das Ich von gestern konstituiert, wodurch die Identität in einer zeitlichen Abfolge fixiert wird. Sollte es sich aber dennoch um eine Wiederkehr handeln, so gäbe es keinen Weg, diese zu bemerken. Wenn Ich zugleich ein Anderer bin, so bin Ich dieser Andere doch nur als ein anderes Ich, ohne Möglichkeit einer alternativen Erinnerung. Das gesamte Problem löst sich in ein bloßes Gedankenspiel auf.“ (S.48)
Sieferle beklagt fast poetisch das Verschwinden der Familie: „Die Auflösung der Familie, deren Abschluss wir in diesem Jahrhundert erleben, schneidet das Individuum von seinen Ahnen, von der Geisterwelt, vom Absoluten ab. Es verbleibt ein Elementarteilchen in einem endlosen kalten und finsteren Raum.“ (S.56)
An das Übernehmen von Ideen, die vorher missbilligt wurden, erinnern folgende Worte des Autors: „…lässt sich beobachten, dass weniger zählt, welches Argument vorgebracht wird, als wer es wie vorbringt.“ (S.61)
Im Kapitel „Der ewige Nazi“, wahrscheinlich der Stein des Anstoßes bei den Kritikern des Buches, falls sie es denn gelesen haben, heißt es: „Der Nationalsozialismus, genauer Auschwitz, ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden. Ein Mythos ist eine Wahrheit, die jenseits der Diskussion steht. Er braucht sich nicht zu rechtfertigen, im Gegenteil: Bereits die Spur des Zweifels, die in der Relativierung liegt, bedeutet einen ernsten Verstoß gegen das ihn schützende Tabu.“ (S.63/64)
Auf Seite 66 heißt es weiter: „Aus der Kollektivschuld der Deutschen, die auf ‚Auschwitz‘ zurückgeht, folgt ebenfalls der Aufruf zur permanenten Buße, doch fehlt in dieser säkularisierten Form der Erbsünde das Element der Gnade und Liebe vollständig. Der Deutsche ähnelt daher nicht dem Menschen, dessen Schuld durch die Liebe Gottes zwar nicht revidiert, aber kompensiert wird, sondern dem Teufel, dem gestürzten Engel, dessen Schuld niemals vergeben und der für alle Zeiten in der Finsternis verharren wird…Er bildet die Negativfolie, vor welcher sich die Güte Gottes positiv abheben kann;…Der Deutsche, oder zumindest der Nazi, ist der säkularisierte Teufel einer aufgeklärten Gegenwart. Diese mündig und autonom gewordene Welt benötigt ihn als eben die Negativfolie, vor der sie sich selbst rechtfertigen kann.“
Und weiter auf Seite 69: „Der ewige Nazi wird als Wiedergänger seiner Verbrechen noch lange die Trivialmythologie einer postreligiösen Welt zieren.“
„Die neue Staatsreligion herrscht praktisch unangefochten. Ihre Anhänger und Verkünder finden sich in allen politischen und gesellschaftlichen Lagern, von der mittleren Rechten über die mittlere Linke bis zum antifaschistischen Terrorismus.“ (S.72)
Ohne den Namen der Partei AfD in den Mund zu nehmen, schreibt er: „Nachdem den überkommenen Antifa-Positionen die realen Gegner abhanden gekommen waren, musste man sich da vielleicht neue Gegner erfinden, um moralisch im Recht bleiben zu können?“ (S.75)
Und weiter dazu auf Seite 79: „Eine besondere Pointe mag nur darin liegen, dass für ‚Auschwitz‘ (im Gegensatz zur Umweltkrise) ein ‚Täter‘ identifiziert werden kann, der nicht identisch mit der Menschheit selbst ist: der Deutsche. Seine Feststellung verhilft daher zu einer wirklichen Bewältigung dieser ungeheuren Erfahrung. Man braucht nur post festum ein guter Antifaschist zu sein, und schon ist eine Hälfte des 20. Jahrhunderts moralisch gebannt.“
 ‚Auschwitz‘ bildet insofern einen Mythos, als es sich um eine Wahrheit handelt, die der Diskussion entzogen werden soll.“ (S.79)
Unter dem Kapitel „Fragmente“ schreibt Professor Sieferle: „Der Relativismus entwickelt einen Sog, dem sich nichts, was in die Nähe dieses verzehrenden Strudels gerät, entziehen kann. Er zermalmt schließlich auch die Kritik. Was bleibt aber nach der Kritik, d. h. nach Abstreifung der letzten normativen Elemente, übrig?“ (S.88)
Resigniert resümiert er: „Es bleibt allein ein wechselvolles Spiel der Musterbildung, und es bleibt die Möglichkeit, dieses mit interesselosem Wohlgefallen zu betrachten: und zwar als die letzte und radikalste Form des Erhabenen. Die moderne Welt bietet in all ihrer Monstrosität dann ein erhabenes Schauspiel, wenn es gelingt, sich von den Kränkungen, Aufgeregtheiten und Anstrengungen zu befreien, die die konkrete Verwicklung in ihre Geschäfte mit sich bringt. Erst ein konsequenter Nihilismus öffnet das Tableau einer neuen Ordnung, die sich hinter den Grausamkeiten und Lächerlichkeiten der normativ besetzten Welt auftut. Es gilt dann nur, diese Perspektive wirklich konsequent einzunehmen, auch wenn dies in einer noch immer (und vielleicht prinzipiell) nomomorphen Welt Anstoß erregen muss.
Die Welt will geheilt und belehrt werden; sie verlangt nach Rezepten und Wegweisungen. Das Beste, was man ihr aber bieten kann, ist eine harte und klare Beschreibung ihrer Oberfläche.
„Es kommt also darauf an, hinter den Zerstörungen die Muster der Ordnung zu sehen, wobei es sich nicht um eine Ordnung handeln kann, die kommen wird (oder soll), sondern allein um eine Ordnung, die sich im Prozess der Zerstörung offenbart. Die Geschichte der Menschheit ist bis in ihre finale Krise hinein als ein grandioses Naturschauspiel anzusehen.“ (S.88/89)
Sieferles Worte auf Seite 90 klingen fast weise: „Dem Blick des neutralen Beobachter, der sich den Dingen aus dem ungeheuren Abstand der Interesselosigkeit nähert, vereinfacht sich die Welt, da sie jede emotionale Besetzbarkeit eingebüßt hat. Wo nicht mehr geurteilt werden muss, wo es keine Meinungen, keine Vorlieben und Idiosynkrasien mehr gibt, wird die Welt zugleich größer, großartiger, weiter, öffnen sich neue Horizonte, die eine neue Tugend herausfordern: das Staunen.“
Im weiteren scheint es, er hatte bereits seinen Freitod vor Augen: „Welche Möglichkeit hat eigentlich Ikarus, wenn seine Flügel schmelzen und er in die Tiefe hinabstürzt? Er kann die Augen schließen und so lange schreien, bis die See in verschlingt. Er kann aber auch die Augen geöffnet halten und die erhabene Aussicht genießen, solange sie sich bietet. Das Ergebnis ist in beiden Fällen das Gleiche: der Weg ist aber ein völlig gegensätzlicher.“ (S.90)
Auf Seite 92 findet Sieferle über die Massen- Zivilisation, fast schon Anti-Globalisierungs-Gedanken, die so auch von der ANTIFA kommen könnten:
„Die Massenzivilisation ist deshalb so unkultiviert (und merkt dies nicht einmal), weil in ihr ein vulgärer Typus an der Herrschaft ist: der Massenmensch, für den Fast food und Entertainmentkultur geschaffen sind und dessen Bedürfnissen sie exakt entsprechen.“
 Dann wird er wieder religiös-philosophisch: „Der Glaube gestattet also den aktiven Anschluss an die Totalität Gottes – insofern erlaubt er eine Reduktion der Übel durch den Blick auf das verborgene Ganze. Aus einer solchen Perspektive heraus werden allerdings die Begriffe ‚Harmonie‘ und ‚Disharmonie‘ sinnlos: Wenn nur das Ganze harmonisch sein kann , muss die Welt im einzelnen notwendig disharmonisch sein. Da aber das Ganze notwendigerweise den Menschen nicht zugänglich ist, lebt er in einer zerrissenen Welt und soll doch glauben, dass sie heil ist.“ (S.96/97)
(Anm. der Red.: Rolf Peter Sieferle war an Krebs erkrankt und nahm sich am 17. September 2016 das Leben.)

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Finis Germania – Ein Buch, das für Schlagzeilen sorgt