Balkonrede: Türkischer Außenminister greift Deutschland bei Auftritt in Hamburg scharf an + Video

Der türkische Außenminister Cavusoglu hat Deutschland scharf kritisiert, es verfolge eine "systematische Gegnerschaft zur Türkei". Mit diesen Behinderungen könne die türkische Regierung nicht aufgehalten werden. "Wir beugen uns nur vor Gott, sonst vor niemanden", fügte er hinzu und rief die Deutschen auf: "Bitte kehrt ab von diesen falschen Verhaltensweisen."

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat Deutschland bei seinem Auftritt in Hamburg scharf angegriffen. Deutschland verfolge eine „systematische Gegnerschaft zur Türkei“, sagte Cavusoglu laut einer Simultanübersetzung des Fernsehsenders n-tv am Dienstagabend. Türkische Staatsbürger würden in Deutschland „systematisch unterdrückt“, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger vor der Residenz des türkischen Generalkonsuls in der Hansestadt. Das gehöre sich nicht für eine Freundschaft.

Der türkische Außenminister kritisierte eine „systematische Kampagne“ gegen die Türkei, obwohl sein Land niemals eine feindselige Haltung gegenüber Deutschland oder den Deutschen eingenommen habe. Die Türkei habe Deutschland immer als „befreundetes Land“ angesehen.

„Bitte hört auf, uns Lektionen in Menschenrechten und Demokratie zu erteilen“, fügte Cavusoglu angesichts der Umstände seines Auftritts hinzu. Der Außenminister sagte, Zusammentreffen türkischer Politiker mit türkischstämmigen Bürgern in Deutschland sollten gezielt verhindert werden. „Passt das zu den Menschenrechten, passt das zu den Versammlungsrechten?“, rief Cavusoglu der Übersetzung zufolge in die Menge.

Der Außenminister sprach letztlich von einem Balkon der Residenz des Generalkonsuls aus. Mit diesen Behinderungen könne die türkische Regierung nicht aufgehalten werden, sagte der türkische Minister, der seinen Anhängern Grüße Erdogans überbrachte. „Wir beugen uns nur vor Gott, sonst vor niemanden“, fügte er hinzu und rief die Deutschen auf: „Bitte kehrt ab von diesen falschen Verhaltensweisen.“

Cavusoglu warf den deutschen Behörden in Hamburg erneut vor, sich in die inneren Angelegenheiten der Türkei einzumischen und auf ein Nein beim Referendum am 16. April über die Einführung des Präsidialsystems in der Türkei hinzuarbeiten. Cavusoglu kündigte an, bei einem Treffen mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwochmorgen über das deutsch-türkische Verhältnis zu sprechen. „Wir müssen darüber reden, wie wir künftig miteinander umgehen wollen.“

Video vom Veranstalter

Proteste und Jubel

Nach Polizeiangaben versammelten sich etwa 200 Anhänger der türkischen Regierung zu dessen Ansprache vor dem Residenz des türkischen Generalkonsuls in der Hansestadt, parallel demonstrierten dazu etwa 250 Gegner in Sicht- und Hörweite hinter Polizeiabsperrungen gegen die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Zwischenfälle gab es nicht, die Spannung war entspannt. „Wir protestierten heute hier gegen ein gewaltsames System. Ein System, das Menschen einpfercht“, sagte ein Redner der laut Polizei von der Alevitischen Gemeinde angemeldeten Kundgebung, an der auch diverse andere Oppositionsorganisationen teilnahmen. Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften wie „Ein-Mann-System nein“ oder „Diktator Erdogan – Hayir“. Hayir ist das türkische Wort für nein.

Im Garten der Residenz versammelten sich bei kalten Temperaturen derweil Besucher der geplanten Rede des Ministers mit türkischen Flaggen. Das Gelände selbst war von starken Polizeikräften abgeriegelt. Cavusoglu war gegen 18.15 Uhr mit einer Eskorte an der Residenz eingetroffen. (afp)

Video: Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu vor seinem Besuch in Hamburg